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468 IV. Steppengebiet.
W ä n d e minder jäli abfallen, ist den Wäldern, Wieden und Alpenm
a t t e n doch ein weiter Schauplatz dargeboten, im Bereiche eines
so grossen Gebirgs ist es begreiflich, dass die Nachr ichten über die
A u s b e u t e der botanischen Forscher ziemlich widerbprechend lauten.
A l s fast nur der centrale Kaukasus in der Nähe der grossen Heers
t r a s s e nach Tiilis besucht werden konnte, schien auch die alpine
Kegion weit pflanzenärmer zu sein, als in den Alpen. Aber sowohl
im östlichen Daghestan als im Westen Abchasiens wurde die alpine
F l o r a sehr reichhaltig gefunden, und über den Waldregionen breiteten
h e r r l i c h e Weidegründe sich aus.
Am Fusse des Kaukasus bietet die Berührung mit den drei hier
z u s a m m e n g e r ü c k t e n Floren ebenfalls Stoff zu einem gewissen Wechsel
d e r Uebergänge. Nirgends scheint die Vegetation der Steppe in das
G e b i r g e selbst unverändert einzudringen : dies verhindert die Bewäss
e r u n g , indem die äussersten Vorbei'ge besonders reich gegliedert
s i n d und die Vereinigung zahlloser Gebirgsbäche zu grösseren Flüss
e n erst in einiger Entfernung erfolgt. An der Nordseite sind für
d i e s e s Verhältniss die Wiesen der K a b a r d a charakteristisch, die zwis
c h e n dem centralen Kaukasus und der russischen Steppe sich eins
c h a l t e n . Stauden und Gräser wachsen hier in solcher Ueppigkeit,
d a s s man sich leicht verbergen kann, ohne sich niederzulegen.
Die Gramineen sind grösstentheils mitteleuropäische Wiesengräser,
u n t e r den Stauden bemerkt man hingegen viele kaukasische Arten,
w e l c h e durch die Gewässer auf diese dem Hochgebirge voiiiegende
F l ä c h e n übergegangen sind. Hiedurch und durch die Ent f a l tung der
V e g e t a t i o n im Hochsommer unterscheidet sich dieses Wiesenland von
d e r Grassteppe, die zu derselben Zeit längst verdorrt ist. Freilich
h e r r s c l i t hier, nach gewissen Stauden zu urtheilen, noch Steppenk
l i m a ; dafür sprechen die Ar temisien, die As t ragalen und Cynareen :
a b e r der Einf luss des nahen Gebi rgs ändert den Vegetationscharakter,
die Frühlingspflanzen der Steppe gehen am dürren Sommer zu
G r u n d e , während die Kabarda vom Kaukasus aus wohlbewäss
e r t ist.
I n Georgien, wo, wie früher bemerkt , im Sommer Niederschläge
s t a t t f i n d e n , reichen aus diesem Grunde die bewaldeten Abhänge bis
a n die Steppen der Kurebene ^' j , und in Kolchis berühren sich die
Wäldei- des Rionthals unmittelbar mit denen des Hochgebii'gs. Wie
Regionen am Kaukasus. 469
in den Alpen, sind wenigstens im west l ichen und centralen Kaukasus
die Laubwälder von der oberen Nadelholzregion deutlich abgestuft;
im ganzen Gebirge ist die Buche für die ersteren auch hier bezeichn
e n d . An der südlichen Abdachung des Hauptkamms sind die Wäl -
d e r denen der pontischen K ü s t e n k e t t e ähnlich und bestehen zumTheil
a u s denselben Baumarten. Die untere Region Abchasiens und Ming
r e l i e n s ' o ^ ) erinnert indessen durch ihre Eichenwälder, durch ihre
in den Lichtungen über weite Strecken ausgedehnten Dickichte von
F a r n k r a u t [Pterk) viel mehr an die Gebirge Rumeliens. Die tief in
d i e Erde eindringenden Wurzelstöcke dieses geselligen Farns vers
c h l i e s s e n den Boden dem Ackerbau, sowie die Format ion, da die
H e e r d e n die Farnwedel nicht,anrühren, auch für die Viehzucht fast v
g a n z verloren ist. In der Küstenregion Abchasiens ist die Vegetat
i o n weit üppiger als im Inneren von Mingrelien, der Einfluss des
P o n t u s macht sich bis zum K amme der waldbedeckten Berge geltend.
U n m i t t e l b a r am Meere verweben sich die bis zur Krone der Eichen
u n d Ulmen ansteigenden Schlinggewächse [Smüax, Vitis, Clematis),
s i e stellen mit den B äume n und Sträuchern undurchdringliche Wände
d a r , in welche man nur auf schmalen Fusspfaden eindringen kann.
H i e r setzt die Vegetation, wie Radde sich ausdrückt, durch ihren
g r a n d i o s e n Massstab, namentlich wenn man aus den östlichen Stepp
e n l a n d s c h a f t e n kommt , den Reisenden Anf angs in hohes Erstaunen,
a b e r bald ermüdet sie durch den Mangel des Wechsel s der Format
i o n e n . Ueber der Eichenregion folgt der Buchenwald und über
d i e s em der Coniferengürtel, der aus zwei Ar t e n von T anne n gebildet
wird [P. orientaUs u. Picea var. Nordmanniana).
Die W ä l d e r des östlichen K auka sus bestehen fast n u r aus Laubholz
: von Coniferen, die wohl selten genug sein mögen, da sie nach
d e n älteren Angaben Steven's hier ganz fehlen sollten, wird nur die
K i e f e r erwähnt \P. sylvestris In Daghestan sind ebenso, wie
in Georgien, noch die letzten Ausläufer des Gebirgs bewaldet, aber
d i e s e Wälder können den prächtigen Hochbeständen am schwarzen
M e e r e durchaus nicht gleichgestellt werden 21). Die Bäume stehen
d i c h t e r gedrängt, aber ihre Stämme sind weit niedriger : es fehlen
di e Lianen, die Rebe, der Epheu, und die immergrünen, pontischen
S t r ä u c h e r sind verschwunden. Diese Wälder , deren Bestandtheile
a u s verschiedenen, mitteleuropäischen Laubhölzern gemischt sind,
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