
ätiJMii-;
i IV?
n ' . •. •
iff
•'Iii' V,
^.i'iil)! ""am
226 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
vielfältiger, sowohl orographischer als klimatischer Zusammeuhaiig,
und diesem Verhältniss entspricht es, dass beinahe die Hälfte derjenigen
Gewächse, die man früher nur von den Pyrenäen kannte, in
den oberen Regionen jener Halbinsel wiedergefunden ist (62 Arten
unter 150 meiner Sammlung). Dieses Ergebniss gewinnt noch dadurch
an Interesse, dass der französische Abhang der Pyrenäen weit
genauer bekannt ist, als der spanische, und also die Pflanzen, die im
Inneren von Spanien wiederkehren, an dem Hauptkamme der Kette
keine Schranke gefunden haben. In einigen besonderen Fällen wird
es noch deutlicher, dass die Pyrenäen mit Spanien in einer näheren
klimatischen Beziehung stehen, als mit Frankreich. Sowie gewisse
Pflanzen der spanischen Flora zugleich in den Steppen des Ostens
einheimisch sind, so wächst auf den trockeneren Ostpyrenäen eine
eigenthüniliche Gentiane [Ge^itiana pirenaica), die, in den Alpen fehlend,
auf den Karpaten Siebenbürgens und auf dem Kaukasus wiederkehrt,
Aehnlich verhalten sich noch mehrere andere Pyrenäenpflanzen,
die sowohl den östlichen als den centralenTheil der Kette bewohnen,
und von denen einige (z. B. Carex pyrenawa) ebenfalls erst auf den
südlichen Karpaten, andere (z. B. Saxífraga media) auf den Gebirgen
Rumeliens wieder auftreten.
In den Pyrenäen selbst lässt sich die klimatische Absonderung
der drei Gebirgsabschnitte zwar in einer gewissen Reihe von endemischen
Arten erkennen, aber die Mehrzahl derselben überschreitet
deren Grenzen, namentlich wenn sie der alpinen Region angehören.
Der fast ununterbrochene Zusammenhang des Hauptkamms und die
mit der Höhe zunehmende Gleichartigkeit der klimatischen Bedingungen
machen diese Erscheinung leicht erklärlich. In meinem Verzeichniss
ist die Hälfte (44) der bis jetzt noch als streng endemisch
zu betrachtenden Pyrenäenpflanzen entweder in allen drei Abschnitten
nachgewiesen oder die Angabe der Fundorte nicht genügend,
diese Frage zu entscheiden. Einige Arten (9) sind nur den östlichen
und centralen, andere (4) den centralen und westlichen Pyrenäen
gemeinsam. Von den auf die einzelnen klimatischen Abschnitte des
Gebirgs beschränkten, endemischen Arten finden sich die meisten
(17) in den Centraipyrenäen, was ihrem grösseren Umfang und ihrer
bedeutenderen Massenerhebung zugeschrieben werden kann. Die
eigenthümlichen Pflanzen der Westpyrenäen (6) sind-bis auf eine nur
Vegetationscentren der Karpaten und anderer Gebirge, 227
in dem cantabrischen Gebirge Biscayas und Asturiens bemerkt worden.
Unter den endemischen Arten der Ostpyrenäen (8) kommt der
Fall vor, dass eine monotypische Gattung [Xatardia) nur an einem
einzigen Standorte hat aufgefunden werden können, auf der Couillade
de Nouri, dem hochalpinen Passe, der die Val d'Eynes von Catalonien
trennt, und wo diese Doldenpflanze auf beiden Abhängen angetroff'en
wird. Der Endemismus des Gebirgs ist ausser dieser noch
durch eine viel merkwürdigere; monotypische Gattung ausgedrückt,
durch die Gesneriacee Ramondia, die von den centralen Pyrenäen,
wo ich sie in den Circus von Gavarnie herabsteigen sah, bis zu de.n
östlichen sich verbreitet. An dieses Beispiel einer fremdartigen Organisation
hat sich erst vor Kurzem eine nicht minder bemerkenswerthe
Entdeckung angeschlossen, das Vorkommen der einzigen
europäischen Dioscorea auf einem hochgelegenen Standorte der
Centraipyrenäen [D. pyrenaica Boiss.). Die artenreichste Gattung
unter den endemischen Pyrenäenpflanzen ist die der Saxifragen, von
denen sich nur wenige nach Spanien verbreiten (3 Arten, wogegen 7
streng endemisch sind). Wenn die Systematik der Hieracien auf
einer sichereren Grundlage beruhte, so würden die Saxifragen von
dieser Gattung vielleicht noch an Mannigfaltigkeit eigenthümlicher
Bildungen überboten (ich zähle 1 i Arten, von denen ich nur 2 auch
aus Spanien besitze).
Auf den Karpaten lassen sich nach der Verbreitung der endemischen
Gewächse zwei Gruppen von Centren unterscheiden, die
.dem orographischen Bau des Gebirgs durchaus entsprechen. Der
Abschnitt der Centralkarpaten oder der Tatra ist eine alpine Gruppe
von geringem Umfang und von tiefen Thaleinschnitten rings umschlossen.
Sie besitzt daher nur einige wenige, eigenthümliche
Pflanzen, aber wie sie den Sudeten näher liegt, als den südlichen
Karpaten, scheint auch ihre Flora näher mit jenen, als mit diesen
verbunden. Denn ich kenne unter den endemischen Karpatenpflanzen
nur einzelne Arten [4] die vom Tatra bis Siebenbürgen
oder bis zum Banat verbreitet sind. An alpinen Gewächsen ist der
Tatra wegen seiner weit-bedeutenderen Erhebung (8150 Fuss) viel
reicher, als die Sudeten (4900 Fuss), aber eng verknüpft sind beide
Gebirge durch manche bemerkenswerthe Erzeugnisse, z. B. durch
eine im Tatra höchst veränderliche Weide der Waldregion [Salix
15^
• Í
•••tí-:.