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338 III. Mittelmeergebiet.
gemindert. In der Benutzung desselben Bodens zu verschiedenen
Kulturzwecken steht die Po-Ebene allen übrigen Landschaften Südeuropas
voran. Vom Walde der Maulbeerbäume^ die in regelmässig
geordneten Zeilen gepflanzt.sind, ist die Fläche auf unermesslich erscheinende
Fernen hin erfüllt, in der Nähe sodann erfreut .sich das
Auge nicht bloss am Laub der Rebe, sondern auch die Cerealien,
der Mais, die Hirse, das zu den Baumkronen ragende Rohrgras, die
verschiedenen Futtergewächse und Nutzpflanzen wachsen hier auf
demselben Grundstück. Nur die Reisfelder sind von dieser Vermischung
verschiedener Kulturgewächse ausgeschlossen. Auch zeigen
die Baumpflanzungen anderer Gegenden wenig Aehnliches, die der Südfrüchte,
der Oelbäume gleichen vielmehr meistens dem immergrünen
Laubwalde, die letzteren wachsen dürftig und zerstreut auf dem
steinigen Boden der Provence, gerade wie die Korkeichen. Die länge
Entwickelungsperiode ist ein klimatisches Moment, welches die Baumkulturen
im Gegensatz zu dem Anbau der Cerealien fördert, aber
nicht für alle Kulturbäume des Südens in gleichem Grade nothwendig
war. Wir haben gesehen, wie verschieden sich in dieaer Beziehung
die Orangen und Feigen und ebenso die Oel- und Maulbeerbäume
verhalten. Allein da die Empfindlichkeit gegen die Winterkälte ein
zweites Moment ist, welches den Anbau der Südfrüchte diesseits d.er
Alpen verhindert, so sind die Baumkulturen auch aus diesem Grunde
im Norden auf den Obstbau fast allein beschränkt, während sie im
Süden so oft den ganzen Charakter der Landschaft beherrschen.
Beide Verhältnisse sind auch für andere Kulturgewächse massgebend,
die aus wärmeren Gegenden abstammen, und es wächst daher ihre
Mannigfaltigkeit in südwestlicher Richtung. Auch darin ist eine Annäherung
an die Ergiebigkeit der Tropen ausgedrückt, dass der
Unterhalt und Erwerb der Bewohner auf vielfacheren natürlichen
Hülfsquellen beruht, als im nördlichen Europa. Schon dieNahrungspflanzen
sind zahlreicher, die Produktion der Wassermelonen
¿rullus vulgaris), der indischen Feigen und anderer Früchte, die den
Markt füllen, ist so massenhaft, dass das Leben zu leicht wird, um
zu energischer Thätigkeit anzuspornen. Das Klima lässt es zu, dass
nicht bloss die Agrumen, sondern auch noch andere Kulturgewächse
aus der heissen Zone am Mittelmeer gebaut werden. Die Baumwollenpflanze
[Gossypiurri] gedeiht in Unteritalien nicht bloss in ein-
Baumgrenze. 339
jährigen- sondern auch in Strauchformen. Aber erst in Andalusien
gelingt der Anbau des Zuckerrohrs, des Pisangs, der Batate; dieses
wärmste Tiefland nähert sich am meisten den Kulturbedingungen der
tropischen Zone. Auch in Sicilien reift der Pisang seine Früchte, m
den Gärten am Fusse des Aetna erhöht diese monokotyledonische
Baumform zuweilen den Eindruck eines schon den Tropen verwandten
Landschaftsbildes.
Hegionen. Die Vertheilung der Pflanzen nach Höhengrenzen
bietet im Mittelmeergebiet einige allgemeinere Erscheinungen dar, die
zuerst zu erläutern sind, ehe wir die Regionen in den einzelnen Gebirgszügen
vergleichen. Von den Alpen bis zum Atlas, ja über die
Grenzen des Gebiets hinaus bis zum Pik von Teneriffa reichen die
Wälder selten über das Niveau von 6000 Fuss hinaus, ohne dass.
wie es von Lappland bis zu den Alpen der Fall war, die nach Süden
zunehmende Wärme auf die Baumgrenze einen Einfluss ausübt. Sodann
sind diese Höhengrenzen, die also von Norden nach Süden sich
nicht wesentlich ändern oder, wo dies der Fall ist, durch örthche
Ursachen herabgedrückt erscheinen, in westöstlicher Richtung einem
regelmässigeren Wechsel unterworfen, so dass hieraus auf die Einwirkung
des Klimas zu schliessen ist.
In einer f r ü h e r e n Untersuchung habe ich nachgewiesen, dass
die Unterschiede zwischen der klimatischen Baumgrenze der nördlicheji
und südlichen Alpenkette 2000 Fuss betragen können, und
dass, wenn man die Gebirge des ganzen Mittelmeergebiets vergleicht,
dieser Werth hier so geringen Schwankungen unterliegt, dass man
ihn als von der Wärme unabhängig betrachten kann. Seitdem sind
die Messungen sehr erheblich vermehrt worden, aber sie haben jenen
Schluss durchaus bestätigt. In vielen Gebirgen erreichen zwar die
heutigen Wälder die klimatische Grenze des Baumlebens bei Weitem
nicht aber die geographische Lage hat, wie aus folgenden Messungen
erhellt auf die höchsten Werthe, die erreicht werden, keinen Einfluss.
Aetna
CilicischerTaurus: Südabhang^Q)
Nordabhang loo)
Lycien . .
Nördliche Alpenkette im Allgäu lon
6200' (P. Laricio),
6000' (P. Cedriis u. Laricio).
7000 ' (P- Laricio).
8000' [Jimiperiisfoetidissima^,
540 U' (P. Ahies).
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