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Spanische Steppen. 335
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reiche Matten, weil dieselbe, selten so feucht, wie in den Alpen, den
Graswuchs weniger begünstigt, und daher auch der Sennwirthschaft
kein so ergiebiges Feld, wie dort, zu bieten pflegt.
In dem trockeneren Klima der Osthälfte Spaniens gehen die
Matten in die Formationen der Steppe über. Aber hier sind es nicht,
wie in Rassland und Vorderasien, die klimatischen Verhältnisse allein,
die diesen Wechsel hervorrufen, sondern die Steppe ist nur da vollkommen
charakteristisch ausgebildet, wo die Salz führende Gypsformation
das geognostische Substrat bildet. Von den Matten unterscheidet
sich die Steppe dadurch zunächst, dass der Boden unvollständiger
bewachsen ist und das nackte Erdreich zwischen den
Gewächsen tiberall hervorschimmert. Mit der russischen Grassteppe
kann man zwar die Esparto-Formation Spaniens [Macrochloa) in
sofern vergleichen, als hier der Grasrasen ebenso wie dort aus
einer Stipacee gebildet wird, aber da der Boden vollständiger bekleidet
ist, so erscheint es naturgemäss, den Esparto von der Steppenvegetation
auszuscheiden und als eine der zahlreichen Gliederungen
der Mattenformationen zu betrachten. Mit Recht hat daher Willk
o m m 93) den Esparto unter den spanischen Steppenpflanzen gar
nicht aufgeführt und die Steppe auf den Gyps- und Salzboden eingeschränkt.
In diesem Sinne aufgefasst, verhalten sich die spanischen
Steppenformationen so zu den russisch-asiatischen, dass die
Vegetation der Halophyten physiognomisch übereinstimmt, die Erzeugnisse
der Grassteppe dagegen durch eine Reihe von geselligen
Stauden und niedrigen Halbsträuchern ersetzt werden, unter denen
nur die Artemisien den gleichen Bildungstypus wiederholen und die
Gräser zurücktreten. Wie daher Spanien sich durch besondere
Pflanzenformen auszeichnet, so ist auch der Charakter der Steppe ein
eigenthümlicher, und mehr als ein Drittheil der Halophyten besteht
nach Willkomm's Aufzählung aus endemischen Arten. Er führt acht
Stauden oder Halbsträucher und eine perennirende Graminee [Lygeiim]
an, die durch ihr geselliges Wachsthum auf dem anstehenden Gyps
für sich grosse Räume ausfüllen. Unter diesen sind zwei Artemisien,
sodann einzelne'Arten vonCistineen [Helianthemumsquamatum], Caryophylleen
[GypsopMla), Leguminosen [Ononis crassifoUa), Synanthereen
\ZolUhoferia), Labiaten [Sideritis] und Chenopodeen [Salsola). Sie
wachsen in polsterförmigen Büscheln, und zwischen ihnen schimmert
der weisse Boden hervor, über den sie, wie schwärzliche Flecken,
ausgestreut sind. Noch öder wird die Steppe, wo die Erdkrume
lehmig oder sandig ist und statt dieser geselligen Pflanzen die Vegetation
sich so vereinzelt und so verkümmert ist, dass sie »schon in
geringer Entfernung dem Auge sich gänzlich entzieht« und man auf
weiten Räumen nichts gewahrt, als die Farbe des Erdreichs. Zwischen
den nackten Gypshügeln vegetiren endlieh in den sumpfigen
Thalgründen, wo das Natriumsalz sich sammelt, die geselligen Halophyten
, mannigfaltige' Chenopodeen und Staticen, die ersteren zum
Theil strauchartig, gerade wie am Seestrande, unter ihnen auch die
beiden blattlosen Succulenten [Salsola] und ein sonderbares, niederliegendes
Holzgewächs, dessen gegliederte Aeste sich kaum einen Zoll hoch
über den Boden erbeben [Herniaria fruticosa). Von etwa 160 Halophyten,
welche die spanische Salzsteppe bewohnen, hat die*Mehrzahl
ein fahles, bleiches Grün oder ähnliche unbestimmte Farbentöne, die
durch verschiedenartige Bekleidungen der Epidermis bedingt sind,
durch kleine Schuppen oder einen mehligen Anflug auf den Blättern,
oder auch eine wachsartige Sekretion. Es leuchtet ein, dass dies
Schutzmittel gegen die AT-ßi-dunstung sind, es ist derselbe Zweck, der
bei der Chenopodeaform durch die succulenten Blätter angedeutet ist
und hier, wie anderswo nachzuweisen, durch den Salzgehalt des
Safts erreicht wird. Die fünf grösseren Steppen, welche Willkomm
in Spanien unterscheidet, vertheilen sich, indem sie von dem Auftreten
der Gypsformation abhängen, ziemlich unregelmässig über die
östliche Hälfte der Halbinsel. Nur zwei, die von Kastilien und Granada,
gehören dem Hochlande an, die drei andern liegen in den
Tiefebenen von Aragonien, Murcia und Nieder-Andalusien. Die
ersteren haben daher den strengeren Plateauwinter, die letzteren
nicht, und doch ist in beiden Fällen der Vegetationscharakter der
nämliche : nur von der andaliisischen Steppe im Osten von Sevilla ist
dieses noch ungewiss. Von den klimatischen Momenten ist daher nur
die Trockenheit der Luft ein diesen Gegenden gemeinsames Verhältniss,
von der ungleichen Wintertemperatur des Hoch- und Tieflands
sind die spanischen Halophyten unabhängig und erscheinen nur durch
den Natriumgehalt der Erdkrume an ihre Oertlichkeit gebunden.
Aber auch so trockene Landschaften kehren bis Anatolien und Russland
nicht wieder, ia die Gypsformation selbst, die in so vielen
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