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50^1 V. Cliinosisch-japiinischcs Gebiet.
einheimiscli geiiindon liatte. Seitdem ist die MGinimg allgemein
geworden, dass die Theekiütiir überall in tropischen Gebirgskliniatcn
möglich sei, obgleich Assam doch schon beträchtlich weit
ausserhalb des Wendekreises liegt. Aehnliche Versuche in den wärmeren
Gegenden der gemässigten Zone zu unternehmen, wurde darüber
vernachlässigt, nur in Amerika ist dies, anscheinend ohne Erfolg,
empfohlen worden. Um diese Frage zu würdigen, müssen wir
Fortune s Untersuchungen zu Grunde legen. Aus seiner Karte des
Kulturgebiets der Theepf lanzungengeht hervor, dass der beste
Thee in der Nähe der chinesischen Küste, zwischen 27 ^ und 32
N. B. erzeugt wird, die Polargrenze der Theekultur erreicht beinahe
den 40. Breitengrad. Assam liegt mit den chinesischen Theedistrikten,
die sich von der Provinz Tschekiang an der Küste bis
Szetschuan an die Grenzen Tibets erstrecken, in gleicher Breite,
aber wie verschieden ist übrigens das Klima. In A s s a m ist die
Jalu-estemperatur höher (19^), der Unterschied der Jahrszeiten geringer,
aber es fehlt die Insolation, acht Monate vom März bis zum
Oktober dauert die Regenperiode, und dichte Nebel herrschen im
Winter. Unter derselben Breite ist in China der Winter zwar auch
milde, aber der Theestrauch hat doch Frost zu ertragen, und in der
Mitte des Sommers, nach der Regenzeit, steigt bei heiterem Himmel
die Wärme ausserordentlich (auf 30 R.). Dazu ist die Theekultur
in Assam auf die feuchtere Thalseite beschränkte')^ wo der Strauch
in tiefen Gründen unter so dichtem Baumschatten wächst, dass die
Sonnenstrahlen nicht zu ihm eindringen. Die Kultur ist daher, wenn
auch eine strengere Winterkälte sie ausschliesst, doch von der Temperatur
in hohem Masse unabhängig. Da ferner der Theestrauch
auf einer so weiten Strecke vom östlichen Fusse des tibetanischen
Himalaja bis zur Küste in China einheimisch ist oder gebaut wii d,
so ist anzunehmen, dass alle Zwischenstufen des Klimas von Assam
bis Shanghai seiner Vegetation gleichmässig entsprechen. Das Gemeinsame
besteht nur in der Intensität der Niederschläge des Monsunklimas.
Gegen die Verthciiung und Dauer derselben aber ist der
Strauch um so unempfindlicher, als durch die Neigung und Beschaffenheit
des Bodens die Wasseraufnahme durch die Wurzeln beträchtlich
vermindert wird. Denn von der Erdkrume ist seine Kultur
in weit höherem Grade bedingt, als vom Klima. Er gedeiht nur da.
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Bedingungen der Theekultur. 505
wo das Wasser leicht abilicssen kann und die Erdkrume rasch austrocknet.
Selbst in Assam kann er nur da gebaut werden, wo der Boden
die Feuchtigkeit so rasch verschluckt, dass derselbe ungeachtet der
beständigen Niederschläge vollkommen trocken und staubig erscheint.
Das Gewächs ist reich an Aschenbestandtheilen, die wiederholte Entfernung
der Blätter bei den Ernten steigert die Ansprüche an die
mineralische Ernährung, und die starke, wenn auch vorübergehende
Bewässerung scheint nothwendig zu sein, um diese Nahrungsstoffe
aufzuschliessen. Auf ebenem, nassem und schwerem Boden gedeiht
der Theestrauch nicht. Ueberhaupt bewohnen die immergrünen Gesträuche
Chinas und Japans nicht die Thalflächcn, sondern vorzugsweise
die Abhänge des Hügellandes. Ist es erlaubt, aus der Theekultur
auf die Bedingungen des Vorkommens auch bei den übrigen
zu schliessen, so scheinen sie von denen des Mittelmeergebiets in
mehrfacher Beziehung abzuweichen. Sie stimmen nur darin überein,
dass ein milder Winter ihnen Bedürfniss ist, und dass im feuchten
Frühling eine neue Belaubung stattfindet. Ein regenloser Sommer
von hoher Wärme begleitet sie in Südeuropa, im östlichen Asien sind
sie gegen diesen Einfluss gleichgültig. Aber hier empfangen sie weit
stärkere Niederschläge, als dort'-^). Die reiche Belaubung, die
grössere Blattfläche der Camellien, die leichte Erneuerung der Blätter
des Theestrauchs sind Wachsthumserscheinungen, die mit ihren höheren
Nahrungsbedürfnissen in Verbindung stehen. Die klimatischen
Bedingungen des Seidenbaus lassen sich nicht mit denen der Theekultur
vergleichen. Obgleich in beiden Fällen die Blätter geerntet
werden und ein neues Wachsthum sie aus den Knospen ergänzen
muss, so bedarf das immergrüne Laub mit seinem festen Gewebe
einer intensiveren Ernährung aus dem Boden, als das periodische
des Maulbeerbaums, und hiemit scheinen die Wasserzuflüsse in Verhältniss
stehen zu müssen. • Portugal ist vielleicht das einzige Land
in Südeuropa, welches an seinen Küsten durch die Intensität der
Niederschläge den Theedistrikten ähnlich ist. In Nordamerika dürften
nur einige Gegenden in der Nähe des mexikanischen Golfs
feucht genug sein, um Versuche der Theekultur räthlich erscheinen
zu lassen. Allein es steht noch ein anderes, vielleicht unüberwindliches
Hinderniss im Wege, die übrige Welt von dem hohen Tribut
zu befreien, den ihr China in seinem Thee auferlegt, die ungewöhn-
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