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444 IV. Steppengebiet.
dunstet leichter, als das Wasser, und umgiebt jedes Blatt mit einer
Atmosphäre, die mit Wohlriechenden Dämpfen beladen ist. Bekanntlich
sind Dämpfe verschiedener Art zwar in einem Räume, der von
ihnen gesättigt ist, von einander unabhängig, aber anders verhält es
^ich mit'der Geschwindigkeit ihres Entstehens aus tropfbaren Flüssigkeiten
unter Umständen, wo an eine Sättigung nicht gedacht werden
kann. Diese Geschwindigkeit wird allerdings verlangsamt, wenn
schon ein anderer Dampf, der sich leichter bildet, vorhanden ist.
Das ätherische Oel hat die Pflanze als einen Auswurfsstoff nur zu
entfernen, das Wasser ihres Safts muss sie möglichst zurückhalten,
wenn es darauf ankommt, die Dauer der Lebensfunktionen zu verlängern.
Von einiger Bedeutung mag auch die Verdunstungskälte sein,
die bei dem raschen Uebergange der ätherischen Oele in Dampf entsteht
und der durch Insolation erhöhten Wärme der Blätter entgegenwirkt,
von deren Mass der Gang der^Verdunstung ebenfalls
bestimmt wird.
Bei Stauden und Sträuchern werden diese verschiedenartigen
Hülfsmittel in vielen Fällen verwendet, um die kurze Vegetationszeit
möglichst auszunutzen, aber nur selten genügen sie, die Organisation
über die Dürre des Sommers hinaus thätig zu erhalten. Diese Aufgabe
wird fast nur bei den Artemisien, bei einigen Polygoneensträuchern
und bei den Chenopodeen gelöst, und in dieser letzteren
Pflanzengruppe ist hiedurch die Möglichkeit gegeben, im Wachsthum
zn Grössenverhältnissen fortzuschreiten, für welche der Frühling zu
kurz ist. Im Inneren des Steppengebiets kennt man indessen doch
nur ein einziges Beispiel, wo unabhängig von zugänglichen Wasservorräthen
baumartiger Wuchs erreicht wird. Hierin liegt das Interesse
des Saxaul [Haloxylon Ammodejidron) , einer von den Aral-
Gegenden nach Turkestan und bis Persien verbreiteten Chenopodee,
die einem grün gefärbten Bündel von Reisern g l e i c h t A u f der
niedrigen Hochfläche desUstjurt, zwischen dem kaspischen Meere
und dem Aral, wird von Basiner ein grosses und ziemlich dichtes
Saxaul-Gebüsch beschrieben, in welchem Stämme bis zu 8 Zoll Dicke
und von 15—20 Fuss Höhe vorkamen, der einzige Wald in diesen
Einöden, aber ein Wald ohne Blätter und ohne Nadeln, wiewohl
grün und blühend, eine Nachahmung der Casuarinenform Australiens.
Die. Aufnahme von Nahrungsstoffen aus der Luft ist hier fast
Saxaul. — Spartiumform. 445
ausschliesslich auf die Rindenschicht cylindrischer Zweige übertragen,
die Blattorgane sind nur zu einem Becher verbundene Schüppchen,
kürzer als eine Linie, und j e kleiner die Berührungsfläche mit der
Atmosphäre ist, desto geringer wird die Masse der organischen Verbi^
dungen, die aus ihr hervorgehen. Aber in demselben Masse vereinfachen
sich auch in diesem Falle die Aufgaben des Baumlebens.
Statt der Blätter werden nur Blüthen und Früchte erzeugt, und auch
das Wachsthum des Holzkörpers ist in engere Schranken eingeschlossen,
als man bei irgend einem anderen dikotyledonischen Baume
kennt. Es bildet sich nämlich kein gleichmässiger Jahresring rings
um den Stamm, sondern nur ))wulstfömig herablaufende und sich
bisweilen netzartig verbindendende Streifen, die sich durch die grünliche,
in's Braune spielende Farbe von dem an den Zwischenräumen
zu Tage liegenden, älteren Holze unterscheiden.« Diese Holzstreifen
rücken nach oben um so dichter zusammen, j e dünner die Axentheile
werden, so dass sie an den jüngsten Zweigen in geschlossene Cylin-,
der übergehen, ein deutlicher Beweis, dass die Unterdrückung des
Laubes das unvollkommene Wachsthum des Holzkörpers bedingt.
Das Holz selbst aber ist von ausserordentlicher Härte, das specifische
Gewicht übertrifft das des Wassers (1,07) ; dabei ist die Sprödigkeit
so gross, dass man ziemlich dicke Zweige mit der Hand
abbrechen kann. Wenn dieser Baum ausgebildete Blätter hätte,
bemerkt Basiner, würde jeder Windstoss der Steppenstürme ihn zerbrechen.
Man kann hinzufügen, dass der dürre Boden keine belaubte
Bäume erträgt, weil der Saft durch die Verdunstung entweichen
würde, dass die Blätter, weil sie rudimentär bleiben, wenig Holz erzeugen,
und dass dieses Holz um so mehr Festigkeit haben muss, je
geringer seine Masse ist.
An den Saxaul reihen sich durch ihre Organisation unmittelbar
die Sträucher der Spartiumform, bei denen die Bildung des Laubes
ebenfalls unterdrückt ist. Statt der spanischen Genisteen, denen
hier jedoch auch eine monotypische Galegeengattung entspricht
[Eremosparton], begegnen uns im Steppengebiet einige blattlose Chenopodeensträucher
{Anabasis, BrachyUpis) und namentlich die unter
den Poiygoneen abgesonderte Gruppe der Calligoneen, die ebenso
langsam, wie der Saxaul, sich entwickeln und daher in den Sandsteppen
am Aral sich grün erhalten, wenn die übrige Vegetation