
10 Die natUrlicheri Floren, üebersicht der Vegetationsformen. 11
Die ältesten Versuche , das Pflanzenreich einzutheilen, welche
der Systematik Tourneforf s iind Linne's vorausgingen, kommen hier
wieder zur Geltung, indem auf die Vergleichung der Stämme, der
Zweige und Blätter die physiognomische Klassifikation Humboldt's
begründet wird. Die systematische Botanik musste diesen Weg verlassen,
als die Veränderlichkeit der Organe erkannt, wurde, von
denen die Ernährung des Individuums abhängt. Dieser Einwurf ist
ohne Bedeutung für die physiologische Aufgabe, zu untersuchen,
durch welche Mittel das Leben gesichert, durch welche Kräf te der unorganischen
Natur es beständig zugleich angeregt und bedroht werde.
Hierbei ist die besondere Form der Vegetationsorgane von entscheidender
Bedeutung. Dass eine hiervon ausgehende Aufzählung der.
Vegetationsformen, wie Humboldt bemerkt, keiner strengen Klas s i -
fikation fähig sei , vermindert ihre Wichtigkeit auch für die vergleichende
Geographie der Pflanzen nicht. Ein System von organischen
Naturkörpern ist überhaupt nicht nach logischem Massstabe
allein zu beurtheilen, es soll höheren Zwecken dienen, als zur Unterscheidung
des Einzelnen anzuleiten. Das physiognomische System
der Gewächse zeigt, wie die Organisation nach Massgabe ihrer
physischen Hülfsquellen sich ändert, das natürliche oder morphologische
beleuchtet durch die Einsicht in die Verwandtschaft der
Formen das Dunkel ihrer Abstammung; auf das erstere beziehen
sich die klimatologischen, auf das letztere die geologischen Forschungen,
beide angewendet auf die geographische Anordnung der Pflanzen.
Zuweilen fallen die Vegetationsformen mit den Gruppen des
natürlichen Systems zusammen, in den meisten Fällen kommt dieselbe
Bildungsweise der Ernährungsorgane bei dem verschiedenartigsten
Bau der Blüthen und Früchte vor. So entspricht der saftreiche
Stamm der amerikanischen Cacteen dem der fleischigen Euphorbien
Afrikas und anderen suceulenten Vegetationsformen, ist aber
in jedem Falle ein Ausdruck trockener Klimate.
Jede natürliche Flora ist so darzustellen , dass zuerst die
Vegetationsformen und ihre Anordnung zu Formationen als vom
Klima abhängig nachgewiesen und sodann ihre Vegetationscentren
berücksichtigt werden, die auf ihren geologischen Ursprung zurückweisen
und nach den Normen des natürlichen Pflanzensystems von
einander abweichen. Zum Schluss dieser einleitenden Bemerkungen,
welche bestimmt sind, die bei der Darstellung der einzelnen Floren
gewählte Form der Behandlung zu begründen, stelle ich eine Üebersicht
der von mir unterschiedenen Vegetationsformen zusammen, welche
sowohl durch ihre Masse und Anordnung den Charakter der Landschaften
bestimmen, als sie auch an besondere klimatische Bedingungen
geknüpft sind. Diese Eintheilung entspricht dem physiognomischen
Pflanzensystem Humboldt's, seine Bezeichnungsweise der Formen, die
von bekannten Gewächsen oder Bildungsweisen der Vegetationsorgane
abgeleitet war, habe ich beibehalten, aber ihre Anzahl ist, da seine
Unterscheidungen -einer weiteren Ausführung fähig und bedürftig
schienen, beinahe auf das Dreifache erhöht worden.
I. Holzgewächse.
A. Einfacher Stamm ohne verzweigte Krone, auf dem Gipfel
eine Laubrosette.
1. P a lme n . Bäume mit einmal getheilten Blättern.
2. F a r n b ä u r a e . - - mehrfach getheilten Blättern.
3. P i s a n g f o rm. - - ungetheilten, breiten Blättern: Adern parallel.
4. C l a v i j a f o rm. - - - - - : Adern netzförmig
verbunden.
5. P a n d a n u s f o rm. Bäume mit ungetheilten, schmalen Schilfblättern.
(Liliaceenbäume).
'6. X a n t h o r r h o e e n f o rm. Bäume mit ungetheilten, schmalen, saftarmen
Grasblättern.
B.. Einfacher Stamm ohne abgesetzte Krone, mit seitlichen Blattbüscheln.
7. B amb u s e n f o rm. Bäume mit Grasblättern auf kurzen Zweigen an
den Knoten des Stammes.
C. Belaubte Krone verzweigt.
8. Na d e l h ö l z e r . Bäume mit starrem, immergrünem, ungetheiltem
Laub: Blatt nadeiförmig.
9. L o r b e e r f o rm. Bäume mit.starrem, immergrünem, xmgetheiltem
Laub: Blatt breit, glänzend grün.
10. Ol i v e n f o rm. Bäume mit starrem, immergrünem, ungetheiltem
Laub: Blatt schmal.