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254 III. Mittelmeergebiet.
starke Regengüsse die immergrüne Vegetation benetzen, nnd doch ist,
physiologisch betrachtet, für sie der Sommer regenfrei, weil der Boden
so schnell wieder austrocknet, dass die Saftströmungen nicht
Zeit haben in regelmässigen Gang zu kommen. Wenn dagegen in
jedem Monat die Niederschläge auch nur nach Bruchtheilen eines
Zolls zu messen sind, aber in angemessenen Pausen wiederkehren,
so wird die Wassercirculation des Pflanzenlebens überhaupt nicht
unterbrochen, die Lebensbedingungen der nordeuropäischen Gewächse
sind dann gegeben. Unter den meteorologischen Messungen über
die Niederschläge haben daher diejenigen, welche sich auf die Zahl
und Vertheilung der Regentage beziehen, eine weit grössere Bedeutung
als alle übrigen. Bringen wir nun diese Sätze bei der Vergleichung
der ligurischen Küste mit Toskana und Rom in Anwendung,
so erklärt sich der abweichende Vegetationscharakter daraus, dass
während des Sommers in Florenz 17, in Rom 15 Regentage vorkommen,
in Nizza dagegen nur 6, und auch diese sind mit jenen
nicht völlig vergleichbar, sofern es darauf ankäme, Gewitterschauer
und Landregen zu unterscheiden. Auch die Temperatur des kältesten
Monats kann, obgleich die Messungen nur geringe Unterschiede
ergeben, doch bedeutend in's Gewicht fallen, da es sich um Grenzwerthe
handelt, wobei eine kleine Grösse doch von grossen Wirkungen
auf die Vegetation begleitet sein würde. Fragt man nun aber,
welche Ursache wohl den Verschiedenheiten des Klimas von Ligurien
und Mittelitalien zu Grunde liege, da doch beide Küsten der den
Sommerpassat aspirirenden Sahara frei gegenüber liegen, so ist auch
liier auf den Mistral, dessen Wirkungen noch in Genua fühlbar sind,
wohl ein Hauptgewicht zu legen. In Mittelitalien fehlen die Gegensätze
hoher Steilküsten gegen ein erhitztes Litoral, diese Landschaften
sind reich an Mittelgebirgen, deren Höhen und Thäler auch den
Sommerpassat nicht so regelmässig sich entwickeln lassen. Dies
aber führt nun zu dem allgemeinen klimatischen Verhältniss, welches
im Süden oberhalb der immergrünen Region eine mitteleuropäische
Waldregion in's Dasein ruft. Ueberall, wo die Luftströmungen, und
wären sie auch Passatwinde, nicht in horizontaler Richtung sich bewegen,
sondern an Berglehnen im Sommer hinaufwehen, empfängt
auch diese Jahrszeit ihre Niederschläge, sie erzeugt nun nicht bloss
Gewitter, sondern es kommen wirkliche Regentage vor, hinreichend,
Italienisches Klima. 255
um die klimatischen Bedingungen einer nördlicheren Flora zu erneuern.
Bei der dieser Forderung entsprechenden plastischen Bildung
der Oberfläche, wie sie in dem grössten Theil Italiens und noch
allgemeiner auf der griechischen Halbinsel gegeben ist, entfalten
sich daher an den Nordgrenzen des Passats grosse üebergangsgebiete
zur mitteleuropäischen Flora, die sich südwärts, wo diese Luftströmungen
wärmer werden, allmälig zu bestimmten Gebirgsregionen
einschränken. In Italien finden wir daher neben Ligurien die Mediterranflora
erst in Neapel wieder, wo sie sich gegen Sicilien hin allmälig
immer mehr aasbreitet und doch auch hier durch die Waldregionen
des kalabrischen Apennins unterbrochen wird. Ebenso
scheiden sich durch den toskanischen Apennin zwei üebergangsgebiete,
von denen das nördliche nun noch von klimatischer Seite zu
erläutern ist. Das Tiefland des Po und der venetiauischen Küstenflüsse
enthält nur Spuren einer Mediterranflora an den lombardischeu
Seen und auf den euganeischen Hügeln bei Padua. Man könnte
zwar meinen, dass durch die alte Kultur dieser Ebene, die noch
immer als die ergiebigste Quelle natürlichen Reichthums in ganz
Europa ohne ihres Gleichen dasteht, die ursprüngliche Vegetation
verdrängt und nur wie ein üeberrest der Vorzeit an jenen vereinzelten
Oertlichkeiten erhalten sei. Allein vergleicht man die Ergebnisse
der klimatischen Untersuchungen und bedenkt man den plötzlichen
Wechsel der Vegetation, der zwischen Venedig und Triest an der
illyrischen Küste bemerkt wird, wo die immergrüne Region viel reicher
ausgestattet ist, als am Garda-See, so erkennt mau in der Po-
Ebene eine eigenthümliche, geographische Bildung, deren Flora dem
mittleren Europa näher steht, als dem Süden. Der Sommer ist hier
ebenso wenig regenfrei, wie in Toskana: die Zahl der Regentage in
dieser Jahrszeit beträgt in Mailand 18, in Venedig 19 27), und die
Menge der Niederschläge ist selbst in einiger Entfernung von den
Alpen kaum geringer, an deren Fusse bedeutender, als am Genfer
See. Wenn wir aber zugleich sehen, dass dieselben sich hier fast
gleichmässig über das Jahr vertheilen, dass das Ueberwiegen von
Winter- und Frühlingsregen hier nicht bemerkt wird und auch der
Herbst nicht viel feuchter ist, als der Sommer, so scheint es klar zu
sein, dass der Sommerpassat, der diese Scheidung der Jahrszeiten
veranlasst, in Italien nur bis an den nördlichen Apennin reicht, der
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