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448 IV. Steppengebiet.
Mimoseenform, von welcher einige wenige, aber gesellige Arten von
Syrien und Mesopotamien bis zum Kaukasus vorkommen. Die Westgrenze
ihrer zusammenhängenden Verbreitung fand Ainsworth 93) iu
Anatolien an einem Nebenfluss des Halys in der Nähe von Sinope,
wo%Iimoseen mit dem Traganth ein fast undurchdringliches Gestrüpp
bildeten. Auch bei dieser Pfianzenform entstehen die stechenden
Organe auf verschiedene Weise, entweder aus der Oberhaut [Prosopis
Stephaniana), oder durch die Umbildung von Nebenblättern {Acacia
alhida).
Die Bekleidung der Steppen mit Dornsträuchern verringert
ihren Werth als Weideland, aber unter den Säugethieren, welche
aus Centraiasien abstammen, ist wenigstens dem Kameel die Fähigkeit
zu Theil geworden, sie als Futter benutzen zu können [Alhagi
camelorum). Von den Heerden der Nomaden bleiben auch gerade
die häufigsten Steppengräser und manche Stauden unberührt, wenn
der Rasen durch die erhärtete Oberhaut zu fest wird {^¿ipa) oder das
Laub zu kräftige Dornen trägt [Cousinia). Auf den zarteren Gräsern,
die sich nur kurze Zeit erhalten, und auf den weichen Stauden,
die im Frühling auf das Mannigfaltigste sich darbieten, beruhen die
Vorzüge der Grassteppen.
In dem Wachsthum der Stauden lassen sich zwei entgegengesetzte
Bildungsrichtungen unterscheiden, die zwar vielfach durch
Uebergänge verbunden sind, aber doch auf besondere Seiten des
Steppenklimas hinweisen. Um mit erwachendem Frühlinge sogleich
in ergiebiger Weise thätig zu sein, entwickelt sich über dem Boden
eine Laubrosette :" nun bleiben entweder die Stauden niedrig, wenn
bald die gedrängten Blüthen nachfolgen, oder, der Stengel erreicht
eine beträchtliche Höhe, gerade wie in den kontinentalen Klimaten
des Waldgebiets, wenn die rasche Steigerung der Wärme auf das
Wachsthum der Vegetationsorgane von Einfluss ist. Im ersteren
Falle erinnert der Bau an die Analogieen des arktischen und alpinen
Klimas. Die kurzen Stengelglieder der Traganthsräucher wiederholen
sich oft bei den Stauden der gleichen Gattung {Astraffahes),
und in der Fähigkeit, die Vegetationsorgane auf die verschiedenste
Weise dem Steppenklima anzupassen, scheint der Grund von der
unerschöpflichen Mannigfaltigkeit ihrer Arten zu liegen, deren
Anzahl wahrscheinlich grösser ist, als bei irgend einem anderen
Stauden. 449
Pflanzengeschlecht der Erde'^^j^ Die hochwüchsigen Stauden der
Steppe sind dagegen ein Beweis von dem energischen Wachsthum^
welches in einer kurzen Zeit bei angemessener Feuchtigkeit möglich
ist: in den Rhabarberstauden [Rlmim] sehen wir das bekannteste
Beispiel, denen sich grosse Doldenpflanzen [Ferida], Cynareen
[Echinops), Euphorbien [E. agraria] und andere ebenbürtig anreihen.
Auch von ihnen überdauern den Sommer nur wenige [Artemi&ia)j
bei den meisten sind die kräftigen, sparrig verzweigten Stengel
ungeachtet beginnender Verholzung zu dieser Zeit schon abgestorben
und liefern in den russischen Steppen das unter dem Namen
Burian bekannte Brennmaterial, das einzige, was man auf dem
Tschernosem benutzen kann 94). Von der Ueppigkeit des Wachsthums
auf diesem Humusboden giebt es eine Vorstellung, dass Blasius
die hier zuweilen angebauten Futtergewächse zu erstaunlichen
Grössen, Klee, Luzerne und Esparsette bis zu 15 Fuss, einzelne
Hanfstengel zu mehr als 20 Fuss aufgeschossen sah, unter klimatischen
Bedingungen, wo, wie der Reisende ausdrücklich hinzufügt,
doch weder ein mässiger Strauch noch ein Baum gedeiht. Solchen
Erscheinungen, wovon in Westeuropa nichts Aehnliches vorkommt,
lassen sich doch auch die einheimischen Stauden des Steppengebiets
nicht an die Seite stellen, am wenigsten auf minder fruchtbarem
Boden. Die Frühlingsregen auf Steppen, auf denen kein grösseres
Holzgewächs fortkommt, haben in Verbindung mit einer an mineralischen
Nährstoffen überaus reichen Erdkrume eine noch grössere
Wirkung, als die Irrigationen des Lehmbodens von Buchara: in beiden
Fällen ist der üppige Wuchs der Vegetationsorgane von der
steilen Temperaturkurve abzuleiten, und im ersteren ersetzt der die
Feuchtigkeit sammelnde Humus den geringeren Wasserzufluss.
Ein anderer Unterschied von der Vegetation des kurzen, arktischen
Sommers besteht in der grossen Anzahl einjähriger Kräuter^
die dem hohen Norden fast ganz fehlen, und die in den Steppen besonders
unter den Cruciferen und Chenopodeen vorkommen. Wenn auf
die Vegetationszeit sogleich Schneefälle mit winterlicher Kälte folgen,
würde die Erhaltung solcher Gewächse, falls die-Früchte zuvor
nicht mehr völlig reifen konnten, unmöglich sein. In dem Steppenklima
hingegen bietet der Uebergang zur Dürre nach der Blüthezeit
für die vollkommene Ausbildung des Samens die passendsten Bedin-
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. I. 29
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