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140 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
die europäisclieu Buchen- iind Eichenzonen bewohnen, am Ural ihre
Grenze finden : namentlich führt er ausser der Eiche und den Obstbäumen
die Aliorne und die Ulmen, die Esche und die schwarze Erle
an; ferner findet sich die Linde in Westsibirien zu einem Strauche
verkümmert, der nach seiner Meinung von versuchten Anpflanzungen
übrig blieb, die keinen Erfolg hatten. Diese Erfahrung würde den
Beweis zu enthalten scheinen, dass der Ural nicht durch das mechanische
Hinderniss seiner Erhebung, sondern als klimatischer Wendepunkt
auch die übrigen Laubhölzer zurückhalte, so wie j a gerade in
diesem Meridian die Einflüsse des europäischen Seeklimas aufhören.
Auf der anderen Seite ist es indessen nicht wahrscheinlich, dass die
östliche Yegetationslinie einer so beträchtlichen Anzahl von Bäumen
eine und dieselbe sein sollte, und wenn die sibirischen Nadelhölzer
den Ural überschreiten, so könnte man dies daraus erklären, dass,
weil die Region der Coniferen höher liegt, als die des Lanbwaldes,
die ersteren leidster über 'die Pässe gelangen können, als die Bestandtheile
des letzteren. Es wäre, um diese Frage zu entscheiden,
erforderlich, wie mit der Linde es geschah, so auch von den übrigen
Laubhölzern die Einführung in Sibirien zu versuchen. Da fast nur
die Birke, die weisse Erle, die Traubenkirsche, die Eberesche und
die Pappeln beiden (jebirgsseiten gemeinsam sind, da ferner die
meisten dieser Bäume in Sibirien selten vorzukommen scheinen, und
auch die Birke, der häufigste nnter ihnen, nur in gewissen Gegenden,
vielleicht erst in neuerer Zeit die Nadelhölzer zu verdrängen
anfängt, so muss man den Laubwald allgemein auf zwei, durch den
sibirischen Nadelwald getrennte Hauptzonen beschränkt sich vorstellen,
auf die mitteleuropäische und auf das Amurgebiet. Denn
gerade wie der Ural den europäischen Laubwald im Osten begrenzt,
so die Chingan-Stanowoikette die des Amur im Nordwesten. Da
aber dieses Gebirge von Thälern durchbrochen wird, welche die Zuflüsse
des Stroms aufnehmen, dessen Q.uellen näher am Baikal liegen,
so ist der Austausch A^on der einen Gebirgsseite zur anderen nicht,
wie beim Ural, abgeschnitten nnd so kennen wir auch bereits zwei
Laubhölzer, welche von Daurien aus den Amur abwärts begleiten
[Betula daviirica und Pp^us baccata). Die Bäume können
hier leichter ihre wirkliche klimatische Grenze erreichen, als am
Ural.
Laubhölzer. 141
Vergleichen wir nun die Verbreitung der einzelnen Laubhölzer
mit den klimatischen Zonen, in welche das ganze Waldgebiet eingetheilt
wurde, so lassen sie sich zwar, denselben im Allgemeinen
leicht einordnen, aber die meisten bewohnen zwei oder mehrere zugleich.
Aus dem geographischen Verzeichniss entnehme ich die folgende
Uebersicht, an welche sich Bemerkungen über einzelne Bäume
anschliessen. Durch alle sieben Zonen nachgewiesen sind nur zwei
Lanbhölzer, die Traubenkirsche [Prumts Paclus] und die Eberesche
[Sorbus cmcuparid] : sie verhalten sich also ähnlich, wie dje Kiefer.
Fast ebenso weit, aber in Kamtschatka noch nicht beobachtet, sind
die drei einheimischen Pappeln verbreitet, von denen die Espe [Poptikis
tremula) noch im Amurgebiete vorkommt, die Schwarz- nnd
Weisspappel (P. nigra u. alba) wenigstens bis zum Altai angegeben
werden. Die nordische Birke Betula alba die wegen "der
längeren Erhaltung ihrer weissgefärbten Rindenlamellen den Namen
der Weissbirke allein verdient, ist ebenfalls ein Baum, dessen Wohngebiet
die ganze Breite des alten Kontinents von Skandinavien bis
Kamtschatka und zum Amnr umfasst. Aber in Europa erhebt sich
diese Art diesseits der Ostsee allmälig in die Gebirgsregionen oder
geht auf dem kälteren Sumpfboden in Strauchformen über [B, alba
var. jmbescens Ehrh,). In' den Ebenen Russlands hat sie Blasius
auf die nördlich vom Waldai (58 o) gelegenen Gegenden fast ganz
beschränkt gefunden, hier erreicht sie ihre Südgrenze auf der Wasserscheide
der nördlichen und südlichen Ströme, sie entspricht also der
Zone der Nadelhölzer und wird in der der Eiche durch die deutsche
Birke vertreten. Die weisse Erle [Ahms incana) hat fast ganz dieselbe
Verbreitung, auch sie findet sich bis zum Amur nnd bis Kamtschatka,
dringt aber nicht so weit in das westliche Bnchenklima ein.
Diese sieben Lanbhölzer nun sind es fast allein, welche die Zone der
Nadelwälder in Sibirien aufnimmt, nur in die südlichsten Gegenden
vom Altai bis Daurien treten noch einige andere ein, bis zuletzt am
Amur die Physiognomie der Landschaft sich vollständig ändert.
Eine grössere Reihe europäischer Laubhölzer entspricht dem
Buchenklima und der russischen Eichenzone zugleich. Ich zähle aus
dieser Gruppe 14 Arten. Ausser denen, welche Middendorif durch
den Ural begrenzt fand, gehört dahin auch die deutsche Birke CSetula
verrucosa] y welcher Ehrhart wegen ihrer im Alter aufgerissenen