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450 IV. Steppengebiet.
gimgen; Dennoch bleibt hiebei Manches räthselhaft oder doch noch
unaufgeklärt. Wenn wir sehen, dass auch einjährige Chenopodeen
erst spät im Herbste blühen, so scheinen sie doch ebenfalls durch
den Frost gefährdet zu sein. Und unter den Frühlingspflanzen,
deren Früchte bis zum nächsten Jahre ruhen müssen, sind im Orient
und besonders in Persien die Cruciferen durch Mannigfaltigkeit eigenthümlicher
Bildungen ausgezeichnet, eine Familie, deren Samen
wegen des Gehalts an fettem Oel und auch nach angestellten Versuchen
eine längere Dauer der Keimkraft abgesprochen wird.
Indessen beziehen sich diese Versuche nur auf wenige Arten und,
nach den angebauten Oelcruciferen zu schliessen, scheint das fette
Oel in dieser Familie weniger leicht, als in anderen Fällen, zersetzbar
zu sein.
Als Heimath von Antilopen und anderen grossen Wiederkäuern,
sowie von den Hufthieren, wurden die Steppen von der Natur schon
zu Weideländern bestimmt. Die Gramineen, auf welche die Heerden
zunächst angewiesen sind, unterscheiden sich von denen der Nachbarländer
nicht so sehr durch ihre Formen, als durch deren Anordnung.
An Nahrungswerth stehen sie denen des Waldgebiets dadurch nach,
dass die besseren Gräser zurücktreten, die herrschenden, früh in
Aehren schiessend, dann verdorrend, im Sommer statt nahrhaften
Heus nur gelbliches Stroh zurücklassen. Die Grösse des Raums, den
sie doch nur sehr unvollständig bekleiden, muss den weidenden
Thieren die Armuth des Ertrags ersetzen. Unter den rasenbildenden
Grasformen der gemässigten Zone weichen die Steppengräser
durch starre, oft eingerollte Blätter von den flacher gebauten und
biegsameren der Wiesen des Waldgebiets ab. Zum Theil von ansehnlicher
Grösse, bilden sie einen hohen Rasen und werden dann in
Südrussland Thyrsa genannt lS¿ipa). Weder als Weide kann die
Thyrsa benutzt noch mit Vortheil gemäht w e r d e n , weil die harten
Blattspitzen und Grannen das Vieh beschädigen und ihr Futterwerth
zu gering ist, daher man sie am liebsten wegbrennt, wodurch aber
auch wieder die humóse Erdkrume leidet. Dass der Rasen sich bald
in ein so wenig nutzbares Stroh verwandelt, hat darin seinen Grund,
dass. die Eiweissstoflfe der Blätter zur Zeit der Körnerreife in den
Samen übergehen, um hier, wie bei dem Getraide, für eine neue
Generation aufgespart zu werden. Die Thyrsa entspricht in der Art
Steppengräser. — Rolirgräser. — Zwiebelgewächse. 451
ihres Vorkommens dem Espartograse Spaniens, aber die Arten, aus
denen sie besteht , finden sich sporadisch auch noch im östlichen
Deutschland an trockenen Standorten und auf magerem Erdreich.
Der kurze und feine Rasen, der, unter die Thyrsa gemischt, das
wichtigste Erzeugniss der Grassteppen ist, besteht ebenfalls meist
aus Arten des grössten Wohngebiets, die aber auch im westlichen
Europa nicht zu den eigentlichen Wiesengräsern zu rechnen sind,
sondern eine dürre Beschaffenheit des Bodens anzeigen. Das beste
Gras der russischen Steppen {Festuca ovina) ist in den bewaldeten
Gegenden Europas verhältnissmässig werthlos, wo die Natur für die
Bedürfnisse thierischer Ernährung so viel reichlicher gesorgt hat.
Auch die Grasformen, die keinen Rasen bilden, sind in ihrem
Bau nicht eigenthümlich, sondern nur in ihrer Verbreitungsweise.
Die einjährigen Gräser Südeuropas nehmen ab: nur in den wärmeren
Gegenden, wie in Mesopotamien, haben sie eine grössere Bedeutung.
Die Rohrgräser [Arundo Phragmites) hingegen bedecken überall
grosse Räume, wo das Gefälle der Ströme sich vermindert, oder wo
der Boden an ihren Ufern überschwemmt und sumpfig wird. Ob das
Wasser süss oder salzig sei, macht hierin keinen Unterschied. Derselbe
hohe, weithin ausgedehnte Schilfgürtel, wo wilde Eber und
unzählige Wasservögel hausen, begleitet die Flüsse und umgiebt die
Seen der kaspischen und Aral-Niederung bis zum Balchasch. Am
Syr-Darja erreicht dieses undurchdringliche Schilf zuweilen eine
Höhe von mehr als 20 Fuss, und dient noch in dieser Breite (45 Oj^
da wo der Strom aus Kokand in die Kirgisensteppe übergeht, dem
Tiger zum Versteck.
So sehr auch die Steppen dem Mittelmeergebiet an Mannigfaltigkeit
der Pflanzenformen nachstehen, so treten doch diejenigen, welche
die Verwandtschaft des Klimas zulässt, hier um so mehr in den
Vordergrund der Landschaft, vor allen übrigen bedeutsam die
Zwiebelgewächse. Beim ersten Erwachen des Frühlings bekleidet
sich die Gegend vonOrenburg mit Tulpen, in den kaspischen Steppen
überdecken sie einen Theil des Aprils hindurch streckenweise den
Boden vx)llständig mit ihrem bunten Blüthenschmuck^^) ; andere
Liliaceen und Iris-Arten wachsen häufig in ihrer Gesellschaft. Die
Entwickelung der Tulpenzwiebel ist gleichsam ein Symbol für intensive
Benutzung der Zeit, für die Sicherung des Fortbestandes und der
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