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202 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
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an den lombardischen Seen so plötzlich ihren Boden findet, und so
treten dem in Italien Einziehenden überraschende Eindrücke entgegen,
die mehr versprechen, als in weiterem Abstände vom Fusse
der Alpen das Klima der Halbinsel zu leisten vermag.
Vergleichen wir die Regionen der Alpen mit denen der benachbarten
Gebirge, so ergiebt sich, dass die Wälder auch in der nördlichen
Kette bedeutend höher (— 5500 Fuss) ansteigen, als auf den niedrigeren
Höhenzügen, die westlicher gelegen sind. In der Auvergneund
im Schweizer Jura, wo der Unterschied gegen 900 Fuss be-^
trägt, hat dies indessen nur darin seinen Grund, dass, wie in den
südlichen Alpen, die Fichte über den Gürtel der Edeltanne kaum
hinausreicht, da diese Gebirge der Befeuchtung aus dem Firn entbehren
und ihre Höhen zum Wiesenboden geeigneter sind, als zur
Walderzeugung. Beide Gebirge haben das Gemeinsame, dass bis zu
ihrem Fuss manche südliche Pflanzen anzutreffen sind und dem
Klima der französischen Alpen in dieser Beziehung sich annähern.
Allein abweichend in ihrer geognostischen Bildung zeichnet sich die
vulkanische Auvergne durch ausgedehnte Bergwiesen aus, die, arm
an alpinen Bestandtheilen, zu den ähnlichen Formationen auf gleichartigem
Boden in Deutschland, zu den Basalten der Rhön manche
Anknüpfungspunkte auch in ihrer Vegetation zeigen. Der Jura hingegen
mit seinen Kalkgesteinen, an seinem Fuss von dem Buxusgesträuch
der Kastanienzone umgürtet, besitzt eine alpine Region,
die auch nach Massgabe der Bodenverhältnisse sich leicht mit der
Flora des Dauphine verbinden konnte
Ganz anders ist das Verhältnissder Vogesen und desSchwarzwaldes
zu den nördlichen Alpen aufzufassen. Indem die Baumgrenze
noch tiefer herabsinkt, finden sich auch hier, wiewohl die
Gipfel minder hoch sind, die Spuren einer ^ alpinen Region, noch
deutlicher, als am Harz. Da die höchsten Erhebungen dieser Gebirge
fast unter gleicher Breite mit den nördlichsten Alpen Bayerns
und Oesterreichs liegen und doch der Wald 1100 bis 1300 Fuss tiefer
als dort anfhört, so entsteht die Frage, ob diese Erscheinung nur der
grösseren Höhe der Alpen zuzuschreiben sei. Allein die schroffen
Kalkalpen sind wenig geeignet, durch ihre Masse zu wirken, und ein
viel intensiverer Einfluss dürfte darin bestehen, dass dieselben aus
der bayerischen Hochebene aufsteigen, die, gegen 1500 Fuss hoch
Auvergne u. Jura. — Vogesen u. Schwarzwald. — Südl. Karpaten. 203
gelegen, jenen Unterschied der Baumgrenzen nahezu ausgleicht, indem
die Vogesen und der Schwarzwald unmittelbar aus dem so viel
tieferen Thaleinschnitt des Rheins (300 Fuss) sich erheben. Die
Sommerwärme von München und Augsburg ist in der That nur um
nicht ganz anderthalb Grade niedriger, als die von Karlsruhe .
Diese Verbindung der nördlichen Kalkalpen mit einer Plateaulandschaft,
giebt auch einen neuen Aufschluss über ihr Verhältniss zu der
südlichen Kette, die an das tiefe Niveau der lombardischen Ebene
angrenzt. Die Vegetationsgrenzen und ebenso die Schneelinie sind
in den nördlichen Alpen durch den Einfluss der bayerischen Hochebene
über die Norm elevirt, und daher ist ihr Unterschied von der
solchen Einwirkungen entzogenen südlichen Kette geringer, als er
sein würde, wenn nur die geographische Breite und die geschütztere
Lage allein in Betracht gezogen würden.
Diese Auffassung findet endlich auch eine, wiewohl beschränktere
Anwendung auf die Vegetationsgrenzen in den südlichen Karpaten.
Obwohl die so viel östlichere Lage eine Elévation erwarten
liesse, finden wir daselbst die Höhengrenzen der Fichte und der
Buche fast in demselben Niveau, wie in den nördlichen Kalkalpen.
Das kontinentalere Klima sollte diese Grenzen erhöhen, wie im Tatra,
aber, aus dem tiefen Thale der Donau ansteigend, verhalten sich die
Karpaten des Banats ähnlich, wie die südlichen Alpen. An der
Nordseite hingegen grenzen sie ebenfalls an die Hochfläche Siebenbürgens
(1200 Fuss), die wenig niedriger ist, als die bayerische, und
hier möchte die klimatische Höhengrenze von der Fichte kaum erreicht
werden, weil das'Gebirge (gegen 8000 Fuss hoch), von Firn
und Gletschern frei, oberhalb des Waldgürtels die hinlängliche
Feuchtigkeit nicht darbietet. Der Buchenwald aber hält sich wegen
der Dauer des Winters ebenfalls in einem tieferen Niveau und wird
aus dieser Ursache vom Kriwan im Tatra bis nach Bosnien unter
gleichem Meridian, aber fünf Breitengrade hindurch, fast an derselben
Höhengrenze zurückgehalten. Die alpine Region der Kar^
paten ist, wie am Tatra, so auch auf dem breiten Gebirgswall, der
Siebenbürgen von der Wallachei trennt, am reichsten entwickelt und
steht hier an Mannigfaltigkeit der Arten den Alpen nur wenig nach,
obgleich durch die mächtige Ausbreitung des den Boden bedeckenden
Krummholzes die Räumlichkeiten beschränkt sind, die den Stauden
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