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290 III. Mittelmeergebiet.
Meers wieder, wo das Klima durch Feuchtigkeit gemässigt ist. Die
Höhengrenze bleibt hinter der des Oelbaums ziiriick^^j^ xxnä Boissier
ist der Meinung, dass die Extreme sowohl der Wärme als der Kälte
ihnen nachtheilig seien. Ebenso wird bemerkt, dass sie zu ihrem
Fortkommen reichlicher Feuchtigkeit bedürfen Solche klimatische
Bedingungen würden ihrem Ursprung in der tropischen Zone
entsprechen, und so ist es auch der gleichmässigerenTemperatur des
Stammlandes gemäss, dass die Entwickelungsprocesse einep geringeren
Grad von Periodicität zeigen, dass Blüthen und Früchte fast
das ganze Jahr hindurch gleichzeitig und in steter Reihenfolge sich
bilden. Aviewohl doch die Haupternte in den Frühling fällt.
Einheimische Vertreter der Lorbeerform sind fast nur die immergrünen
Eichen, und auch von diesen nähern sich die gewöhnlichen,
kleinblätterigen Arten der Olivenform bedeutend. Der südeuropäische
Lorbeer {Laums iiobüis) selbst, von dem Humboldt den Namen
dieser Pflanzenform entlehnt hat, bildet gewöhnlich nur einen 6 bis
10 Fuss hohen Strauch und schliesst sich in dieser Gestaltung an die
Oleanderform. Wird er zuweilen zu einem wirklichen Baum mit
Stamm und Krone, so erreicht er doch nur eine geringe Höhe, etwa
25 Fuss, und ähnlich verhält sich der immergrüne Zizyphus [Z. vulgaris)
. Nach seiner klimatischen Stellung ist auch der Hülsenstrauch
des westlichen Europas [Hex Aquifolmm) dem Lorbeer verwandt,
und da dieses Gewächs im Süden nicht selten zum Baume sich entwickelt
und dann seine Blätter den gebogenen Rand und die Dornen
verlieren, trägt es in dieser veränderten Bildung des Laubes ebenfalls
das vollkommene Gepräge der Lorbeerform. Am Athos steigen
diese Hülsenbäume im Walde zerstreut bis 3000 Fuss an. Der Lorbeer,
von dem daselbst in früherer Zeit schöne Bäume gesehen wurden,
geht zwar auch über die immergrüne Region hinaus, aber nur
bis 2000 Fuss. Diesem klimatischen Verhältniss entspricht es, dass
seine Verbreitung das westliche Frankreich umfasst, während der
Hülsenstrauch bis zur Ostsee und am. atlantischen Meere bis Norwegen
hinaufsteigt. Beide Gewächse werden nur im Süden zu Bäumen,
in höheren Breiten sind sie strauchartig. Endlich gehört zur
Lorbeerform noch eine zweite Laurinee [Persea mdzca)^ die in Portugal
vorkommt, aber erst von den atlantischen Archipelen dahin
verpflanzt zu sein scheint.
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Lorbeerform. 291
Die immergrünen Eichen sind die einzigen, der Lorbeerform sich
anschliessenden Laubholzbänme, welche in der warmen Küstenregion
zu selbständigen Wäldern sich vereinigen. Ausserhalb des Bereichs der
Mediterranflora und des spanischen Tafellandes finden sie sich nur vereinzelt,
und so werden sie auch im westlichen Prankreich nnr selten
angetroffen. An den Eicheln ist zwar die Gattung, zn welcher sie gehören,
leicht zu erkennen, aber nicht an den Blättern, da das gelappte
Eichenlanb ihnen abgeht, welches nnr solche Arten rein ansgebildet
besitzen, die im Winter das Laub verlieren. Einen scheinbaren
Llebergang bilden diejenigen Eichen, welche das gelappte Blatt erst im
Frühlinge abwerfen (z. B. Q. infectoria). Hier aber erhält sich das
Laub nur in saftleerem Zustande, es ist im Winter bereits abgestorben,
während es bei den immergrünen Eichen zwar auch nicht viel
länger als ein Jahr ausdauert, aber zur Zeit des Ausschlagens seine
Thätigkeit erneuert und erst viel später abstirbt, nachdem die neuen
Blätter längst völlig ansgebildet sind. Nur zwei Arten von immergrünen
Eichen bewohnen das ganze Mittelmeergebiet, nnd beide sind
kleinblätterig, die Steineiche (Q. Hex) und die Coccuseiche [Q. coccißra)
Das Laub dex Steineiche hat ein mattes Grün und erschemt
nocli bleicher, weil die Unterseite des Blatts mit weisslicher Wollbekleidung
bedeckt ist. Dieser Baum erreicht gewöhnlich nur eme
geringe Höhe des Wuchses. Die Coccuseiche bildet zwar zuweilen
hochstämmige Bäume, die den Eichen des Nordens an Umfang nichts
nachgeben, aber leicht geht auch sie in niedrige Strauchformen über.
Sie zeichnet sich durch ein glänzendes, tiefes Grün aus, das Laub
ist zwar zierlich und mit feinen dornigen Spitzen am leicht gebogenen
Rande geschmückt, aber wegen der geringen Grösse unbedeutend.
Es giebt noch zehn bis zwölf andere Arten, die nur einzelne Abschnitte
des Mediterrangebiets bewohnen, und unter denen die Korkeichen
im Westen und die Vallonea oder Velani-Eiche im Osten die
wichtigsten sind. Die periodische Erneuerung der Kinde, welche bei
den Korkeichen auf die äusseren, elastischen Gewebschichten sich
beschränkt, bei der Platane bis zum Baste eingreift und in einem
dritten Falle (bei Arhutus Anclrachne) noch eigenthümlicher sich
wiederholt 56), scheint zu dem trockenen Sommerklima in einer gewissen,
nicht näher gekannten Beziehung zu stehen. Sollte vielleicht
die lange Dauer der Vegetation oder die Unterbrechung derselben im
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