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3G2 III. Mittelmeergebiet.
Cypern soll einst von Nadelholzwäldern durchaus bewaldet gewesen
sein, wovon jetzt nur noch wenige Bestände übrig sind. Da nun
liier an den kahlen Gebirgsabhängen der Sommer auch in den höher
gelegenen Theilen der Insel dürr ist, hat die Mediterraniiora mit
ihren Maquis und Tomillares einen grossen Theil der ehemaligen
Waldregion eingenommen.
Von der Nordküste des schwarzen Meers sind schliesslich noch
die der Mediterranflora zugewendeten Abhänge des westlichen Kaukasus
und der Krim zu erwähnen.
A b c h a s i s c h e r Abhang des Kaukasus.
Pontische Waldregion aus Eichen und Ulmen.
Bixchenregion.
Nadelholzregion (P. oricmtalis u. Picea var, Nordmanniana).
Baumgrenze (Birke) 6600'.
Alpine Region 6600—9100 ': Passhöhe.
S ü d k ü s t e der Krim,
Immergrüne Laubhölzer [Ärbitüis Andraehne) — 1200 '.
Nadelholzregion (rimis Laricio) 600—3000', am Nordabhang der Gebirgskette
durch die Buche ersetzt; Baumgrenze 4050
Die pontische Flora ändert sich bei dem Uebergange von Lasistan
nach Kolchis (Mingrelien und Abchasien) nur wenig. Die Gehänge
sind stärker bewaldet, aber das dichte Unterholz aus immergrünen
Sträuchern ist das nämliche. An der Ostküste des schwarzen Meers
ist das Klima unter dem Einfluss westlicher Seewinde ungemein
feucht und gleichmässig, indem der Kaukasus und die mesgische
Gebirgskette den Wasserdampf verdichten und zugleich gegen die
nördlichen und östlichen Steppenwinde Schutz gewähren. Die
grössere Feuchtigkeit und auch vielleicht die grösseren Schneemassen
des Kaukasus bewirken, dass die Baumgrenze in Abchasien etwa
900 Fuss höher liegt, als an der gegenüberliegenden Südküste des
Pontus. Die Mediterranflora an der Südküste der Krim ist mit der
an den lombardischen Seen zu vergleichen; dieses äusserste, litorale
Grenzgebiet hat keine Aehnlichkeit mit den feuchten kolchischen
Wäldern und ist nur ein schwacher Abglanz von den Küsten Anatoliens.
Hier steigt die Laricio-Kiefer in ein tieferes Niveau herab,
wie in Oesterreich,
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Reg. in Kolcliis u. d. Krim. — Absonderaiig d. Vegetationscentren. 363
Yegetationsceiltren. Die nachfolgendeu Vergleichungen der
einzelnen Abschnitte des Mittelmeergebiets unter sich und mit anderen
Floren gründen sich ausschliesslich auf die in meiner Pflanzensammlung
vorliegenden Arten. Wenn in Folge dieser Beschränkung
die Zahlen niedriger ausfallen, als wenn alle bis jetzt beschriebenen
Gewächse berücksichtigt worden wären, so gewinnen doch die Ergebnisse
an Sicherheit, und das Verhältniss der in bestimmten Richtungen
wachsenden oder abnehmenden Familien wird, da die Sammlung
reichhaltig ist und sich ziemlich gleichmässig über das ganz©
Gebiet erstreckt, in der Folge wohl nur wenig geändert werden.
Namentlich sind aus Spanien, Algerien und dem Orient die von
Bourgeau, Heldreich und Balansa ausgegebenen Sammlungen vollständig
vertreten, die von Kotschy grösstentheils, sowie aus Italien,
Südfrankreich, Dalmatien undRumeUen Materialien vorlagen, welche
fast alle bekannten endemischen Arten einschliessen. Unsicherer blieben
die Nachweisungen aus Anatolien, theils weil die Grenzen der inneren
Steppenlandschaft, die hier ausgeschlossen ist, von den äusseren
Gebirgszügen zum Theil nur willkürlich gezogen Averden konnten,
theils wegen der Schwierigkeit, die aus der verschiedenen Auffassung
des Artbegriffs entspringt. In der orientalischen Flora Boissier's,
von welcher nur der. erste Band zu benutzen war, sind etwa ein
Drittel mehr Arten beschrieben, als in meinem Katalog eine Stelle
fanden, aber hier schien eine Beschränkung des Stoffs um so mehr
geboten, als die Grenzen der natürlichen Abschnitte des Gebiets erst
künftig sicherer festgestellt werden können.
Mein Katalog umfasst gegen 7 000 Arten von Gefässpflanzen,
von denen 60 Procent dem Mittelmeergebiet eigenthümlich, die übrigen
dem nördlichen und südlichen Europa gemeinsam angehören.
Auf 4200 Arten beruht also die botanische' Selbständigkeit der Flora,
und in dieser Zahl sind etwa 60 monotypische Gattungen begriffen,
welche in keinem anderen Theile der Erde vorkommen. Schon aus
der Vertheilung dieser Gattungen ergiebt sich, wie gross der Einfluss
des mittelländischen Meers auf die dauernde Sonderung der ursprünglichen
Vegetationscentren gewesen ist. Nur 12 Monotypen
sind nämlich durch das ganze Gebiet verbreitet, die übrigen bewohnen
nur einzelne Abschnitte desselben und haben fast sämmtlich in
den grossen Meeresflächen, welche die Halbinseln und Kontinente
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