
534 Quellenschriften und Erläuterungen.
Mittelnieerflora erörtert. Dass die nordöstliche Vegetutionslinic der
Buche auf einem klimatischen Grenzwerth beruhe, geht aus ilirem
regelmässigen Verlauf Uber den ganzen Kontinent und daraus hervor,
dass Kulturvcrsuche im jenseitigen Gebiete misslungen sind. An. einigen
Orten, wo die Buche nicht mehr gedeiht, die aber ihrer Vegetationslinie
nahe liegen, an den geschützten, inneren Fjorden von Bergens Stift und
auch in Dorpat könnte nach den Messungen über die Temperaturkurve
eine Entwickelungszeit von 5 Monaten noch erreicht werden, aber schon
früher (Note 17) habe ich hieraus geschlossen, dass die Verbreitung des
Baums in Norwegen ihren klimatischen Grenzwerth nicht überall erreicht.
Solche Abweichungen gehören indessen nur in den Kreis der lokalen
Anomalieen, die sich bei den klimatischen Vegetationslinicn stets wiederholen,
imd die vom Standort und Boden abhängen, oder auch von der Incongruenz
der meteorologischen Messungen mit dem Wärmemass, welches
den Pfianzcn wirklich zu Theil wird.
21. B10 m, das Königreich Norwegen, 1. S. 48 ; S c h ü b e 1 e r a. a. 0.
S. 72 : Polargrenze der Eiche au der norwegischen Westküste zu Thingvold
in Romsdalcn (03 0^ im östlichen Norwegen schon unter 61 o).
22. Andersson a. a. 0. p. 25.
23. T rautvet te r a. a. 0. 2. S. 29.
24. Middendorff, a. a. 0. S. 570.
25. Die Pohxrgrenze der Weizenkultur ist bei Qu et ol et, climat de la
Belgique^ 1. Taf. 1 graphisch eingetragen : nur im Innern des europäischen
Russlands geht sie über die Eichenwälder hinaus bis 60 o N. B . In Schweden
hat Quetelet die Polargrenze des Weizenbaus zu weit nach Norden gerückt
(bis 63 ö)^ indem sie hier i:\ach Andei'sson [Aperm de la végétation de la Suède,
p. 60) nur das Stromthal der Dalelf (60—610) erreicht, also in gleicher
Breite, wie inRussland liegt. Allerdings fügt er hinzu, dass an günstigen
Orten und in guten Jahren selbst noch im schwedischen Lappland (Quickjock
67 0) Weizenernten erzielt werden, aber diese Bemerkung bezieht sich
auch nur auf den Sommerweizen, indem ausdrücklich bemerkt wird, dass
der Anbau des Winterweizens zu Fahlun an der Dalelf seine Polargrenze
findet. In Norwegen soll an der Westküste auch der Winterweizen noch
jenseits Drontheim gebaut werden (bis Fosnaes, 640 40': Schübeier
a. a. 0. S. 49).
26. Lins ser , die periodischen Erscheinungen des Pflanzenlebens
[Mém. de tacad, de St. rétersboiirg. Série VII. T. 11): mittlere Epoche
der Belaubung von Quercus peduneulata in Brüssel 29. April, in Petersburg
27. Mai, der Entlaubung in Brüssel 4. November, in Petersburg
2J. Oktober. Setzen wir zu diesen Zeitpunkten die dazu gehörenden
Tagesteniperaturen, die aus vieljährigem Material für Brüssel von Quet
e l e t [Mémoire de la teìnpér attire de V air à Bruxelles y 1867. p. 26: nach
30j;ihrigen Messungen), für Petersburg von Dove (Temperaturtafeln„
S. 6S : aus 26 Jahren) berechnet sind, so erhalten wir folgende, im
Texte benutzte Werthe : Belaubung in Brüssel bei 80/25 R., in
II. Waldgebiet des östlichen Kontinents. 535
!
Petersburg bei 9^^,25; Entlaubung in Brüssel bei 60, in Petersburg
bei 1^76.^
27. Mittlere Epoche der Belaubung der Birke in Brüssel 14. April
bei 6^,3, in Petersburg 15. Mai ebenfalls bei 60,3, der Entlaubung in
Brüssel 1. November bei 60,6, in Petersburg 11. Oktober bei 50^6 (nach
denselben Quellen bei Linsser, Quetelet und Dove).
28. Middendorf f a. a. 0. S. 566.
29. Die sibirische Tanne [Pinns ohovata) hat ihre Polargrenze am
Jenisei, wie die Birke, unter 69 0 N. B. , an der Lena unter 64o (Middendorff
a. a. 0. S. 543).
30. Mittlere Epochc des Ausschlagens der Lärche inNamur 1. April,
in Pulkowa 23. Mai (die diesen Tagen entsprechenden Temperaturen betragen
in Brüssel 6 o, 8, in Petersburg 80,5); Nadelfall inNamur 12. November,
in Pulkowa 10. November (entsprechende Temperaturen in
Brüssel 4^,9, in Petersburg — 0^,1 : alle Angabennach denselben Quellen,
Avie bei Note 26 u. 27).
31. Polargrenze der Lärche in Sibirien : Ural 68 Jenisei 70 Boga-,
nida710, Chatanga 720, Lena 720, Indigirka und Kolyma 690, Anadyr
650, Ochotsk 610 (Middendorff a. a. 0. S. 531). — Ueber das Verhältniss
der sibirischen und daurischen Lärche [Pinns Ledehoicrii u. daurica) zu
der europäischen (P. Larix), die schon Pallas als Abändenmgen derselben
Art auffasste, sind die Bemerkungen Middendorff"s (a. a. 0.
S. 527) massgebend; die Zeichnungen, die er in Bezug auf die Variation
der Schuppen mittheilt, und Beobachtungen an kultivirten Lärchen führten
mich zu der im Texte angegebenen Pallas'schen Ansicht zurück.
32. Middendor f f a. a. 0. S. 550.
33. Die sibirische Kotlitanne [Pinns ohovata] unterscheidet sich von
der europäischen (P. Ahies), wie sich aus Middendorff's Darstellung
(a. a. 0. S. 542) eigentlich nur durch kürzere Zapfen, da der Charakter
der oben ausgerandeten Zapfenschuppen bei der letzteren, der ganzrandigen
bei der ersteren, wie bei den Lärchen, variabel ist. Middendorff'
bemerkt, dass weder bei den sibirischen Rothtannen noch Lärchen forstwirthschaftliche
Eigenthümlichkeiten vorhanden sind, und dass sie sich
auch nicht durch ihren Wuchs oder ihre Nadeln von der europäischen
unterscheiden lassen. Die Selbständigkeit von Pinns ohovata konnte nicht
bezweifelt werden, so lange der Irrthum nicht berichtigt war, den Ledebour
beging, als er sie in der altaischen Flora zuerst beschrieb, und den
er auch später hartnäckig festhielt, indem er [FL ross. 3. p. 671) behauptete,
dass die Zapfen aufrecht ständen, wie bei der Edeltanne, und dass
dies auch bei P. orientalis der Fall sei, wo sie Lambert und Spach hängend
haben zeichnen lassen. Nachdem JMiddendorff von P ohovata versichert,
dass die Zapfen gerade so herabhängen, wie bei P. Ahies, bleibt
kein anderer Unterschied übrig, als dass bei der ersteren die Länge derselben
nur 2—3 Zoll beträgt, bei der letzteren etwa das Doppelte. Diese
Eigentliümlichkeit lässt sich recht wohl als eine Wirkimg des kontinent
s. f