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122 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
erzengt werden«, bemerkte ich, »so rücken hier in einem weit grösseren
Massstabe verschiedene Klimate nnd Bodenverhältnisse nahe zusammen:
das ist die Wirkung der engen, Uber 4000 Fuss tiefen,
nach allen vier Weltgegenden gerichteten, von reverberirten Sonnenstrahlen
getroffenen« oder in Nebel gehüllten »Fjordschluchten«.
Beobachtungen dieser Art wurden neuerlich von Schübeier in einem
anderen Sinne wieder aufgenommen, indem er verschiedene Varietäten
der Gerste im botanischen Garten von Ghristiania, also unter
gleichen physischen Bedingungen baute und die Variationen der
Wachsthumsperiode verglich, die in diesem Falle also erblich angeeignete
Bigenthtimlichkeiten des Saatkorns bezeichnen. Die Schwankungen
waren hier weniger gross, sie umfassten 7 7 bis 105 Tage,
aber in einem Falle, und dies ist das merkwürdigste Ergebniss seiner
Untersuchung, beobachtete er eine Verkürzung der zwischen Saat
und Keife des Korns verflossenen Zeit bis auf 55 Tage (29. Mai bis
19. Juli), Diese Gerstenkörner aber hatte er eben von der Folargrenze
des Getreidebaus, von Alten in Lappland, erhalten, und hier
zeigte sich also, was über die Zuchtwahl vorhin gesagt wurde, am
entschiedensten ausgedrückt. Es war freilich nicht die gewöhnliche,
sondern angeblich die sechszeilige Gerste [Hordeum hexastichon), die
jedoch oft mit Varietäten der gemeinen Gerste verwechselt wird.
Von dieser letzteren, die ebenfalls eigentlich sechszeilige Aehren
trägt [H. vulgare aestwum), führt Metzger an, dass sie in Baden
nur 65 bis 70 Tage bedürfe. Unter dem Einfluss der langen Tage
des lappländischen Klimas war eine Varietät entstanden, die ihre
erblich empfangenen Eigenheiten noch in der folgenden Generation
unter Umständen, wo sie jene Vorzüge der Beleuchtung entbehren
musste, dennoch festzuhalten vermochte. Mögen auch in einem anderen
Klima die physiologischen Eigenthümlichkeiten sich nicht immer
dauernd erhalten, so wird es doch erspriesslich sein, in Sibirien
Versuche mit Varietäten von kurzer Vegetationszeit einzuführen und
zu erweitern.
Zwischen dem sechzigsten und fünfzigsten Breitengrade sind in
Europa Winterroggen und Winterweizen die vorherrschenden Getraidearten,
sie überwiegen in einer Zone, die sich von England und
Dänemark durch Norddeutschland, Preussen und Polen, die russischen
Laubwälder umfassend, nach der Ukraine erstreckt. Welches
Klimatische Grenzen der Obstbäume. 123
jener beiden Cerealien das Haupterzeugniss eines Landes sei, hängt
nicht von klimatischen Bedingungen, sondern von der grösseren oder
geringeren Fruchtbarkeit der Erdkrume und diese wieder von den
geognostischen Formiitionen ab, in deren mineralischer Mischung
Kalkgehalt den Weizen begünstigt. Die Flötzformationen Englands
und Polens, die Tertiärlager Mecklenburgs geben diesen Ländern
einen Vorzug, aber auch auf dem sandigen Diluvialboden der baltischen
Ebene verdrängt den Roggen nicht selten die werthvollere
Weizenkultur da, wo die überall verstreuten Mergellager allgemeiner
benutzt werden, welche die Ueberreste von erratischen Blöcken der
dänischen Kreide zu sein scheinen.
Südlich vom fünfzigsten Parallelkreise ist der Einfluss der Kalkformationen
auf das Ueberwiegen des Weizens nicht zu verkennen,
aber hier wird zugleich ein klimatischer Grenzwerth der solaren
Wärme überschritten, der von Frankreich durch Süddeutschland und
Ungarn bis zu den russischen Steppen durch die Anfänge der Maiskulturausgedrückt
erscheint. Mit dem Mais (Zm), dessen wahre
Heimath unbekannt isf^'^), der aber erst aus Amerika nach Europa
kam, hat es eine eigene Bewandtniss. Die Länge der Vegetationszeit
beschränkt ihn in Europa auf wärmere GegendeTi ; in Norddentschlaïid
werden die Körner in der Regel nicht reif, in Amerika
hingegen schwankt die Entwickelungsperiode je nach dem Klima um
mehr als das doppelte, von 7 bis zu weniger als 3 Monaten ^o) ^ und
so reicht dort die Maiskultur bis nach Kanada. Die î'âhigkeit,
klimatische Varietäten zu erzeugen, ist hier noch grösser, als bei der
Gerste, aber die Versuche, im Europa aus amerikanischer Saat Spielarten
von kurzer Vegetationszeit zu erhalten, haben bis jetzt keinen
Erfolg gehabt. Metzgers^) fand sogar, dass der Tarascora-Mais,
eine grosse amerikanische Varietät, schon in der dritten Generation
in den gewöhnlichen, niedrigen, gelben Mais, wie er im Rheinthale
gebaut wird, sich verwandelte. Das Akklimatisationsvermögen ist
grösser, als die Fähigkeit, beständige Organisätionen zu erzeugen,
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lînd es müssen daher eigenthümliche Beziehungen zwischen dem
amerikanischen Klima und der Vegetation dieses Gewächses bestehen,
welche in Europa nicht voi-handen sittd.
Von den Getraidezonen senden wir uns nun noch zu denjenigen
einlieimiscihen Holzgewächsen, die in Europa durch die Kultur bis au
r.
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