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144 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents.
Diesen Bestandtheilen des mitteleuropäischen Laubwaldes steht
endlich die Gruppe von Bäumen gegenüber, welche das südliche und
östliche Sibirien bewohnen (24 Arten) : zuerst tritt am Altai eine
eigenthümliche Pappel auf [P. lauri/olia), jenseits des Baikal folgt
die sibirische Aprikose [Pnimis siMriaa) ; dann schliessen sich die
Laubhölzer des Amurgebiets mit ihren Vorposten in Daurien an (bis
jetzt 19 Arten) : ausser den schon genannten 5 Vertretern der
Eschenform und der mongolischen Eiche noch 3 Amygdaleen {Pnimis),
eine Pyree [Ppnis baccata), 4 Ahorne [Acer], 2 Linden {lilm), eine
Esche {Fraxmiis) und 2 Birken [Beäila davunca und die japanische
JB. ulmifolia]. Zuletzt sind aus der Flora von Kamtschatka bis jetzt
drei Bäume als eigenthümlich bekannt geworden : ausser der dortigen
Birke {B, Ermani) eine Pappel [Poptilus siiaveolens) und eine Eberesche
{Sorbtis sambucifolia).
Wenn das periodische Laub der Buche und anderer Laubhölzer
an stammlose Sträucher übergeht^ so entsteht die Rhamnusform,- die
durch ein breiteres, übrigens mannigfach gestaltetes Blatt sich von
der Physiognomie der Weide unterscheiden lässt. Solche Sträucher
bilden gewöhnlich das Unterholz der Laubwälder und treten nur
selten als selbständige Formationen auf, wie die Erlen- und Birkengebüsche
des nördlichen Deutschlands und Russlands. Die Bestandtheile
des Unterholzes sind mannigfaltiger, als die Bäume, die sie
beschatten, aber die dichter geschlossenen Bestände des Nadelwaldes
lassen weniger Holzgewächse aufkommen, als die lichteren Laubhölzer,
oft schliessen sie überhaupt alles Fremdartige aus, bis auf
die Pilze des Herbstes. Die allgemeiner verbreiteten Vertreter der
Rhamnusform gehören zu einigen zwanzig Gattungen und vertheilen
sich unter etwa zwölf Familien. Doch um uns nicht in topographische
Einzelnheiten zu verlieren, die wenig zur Physiognomie der
Waldlandschaft beiti'agen, mögen einige Beispiele klimatischer Einwirkungen
auf ihre Verbreitung genügen. Dass auch hier, wie in
der arktischen Flora, mit abnehmender Wärme die holzigen Zweige
sich verkürzen und die Grösse des Blatts sich mindert, lehrt die
Sti'auchbekleidung des kälteren Sumpfbodens, sowie der oberen Gebirgsgehänge,
wo die alpinen Formen in der Nähe der Baumgrenze
in die Wälder einzutreten pflegen. Die Zwergbirken [Betula nana).
die auf den alpinen Fjelden Norwegens fast das einzige Brennholz
Rhamnusform. 145
liefern, finden sich in Gesellschaft einer anderen Strauchbirke {B.
fruticosa) in den sumpfigen Ebenen wieder, welche den nordrussischen
Nadelwald unterbrechen, und in beiden Fällen ist das Gesträuch
niedrig und die Blätter sind kleiner, als bei der Weissbirke. Den
kleinblättrigen Gagelstrauch [Myrica Gala) treffen wir ebenfalls im
Torfmoor, in den westlichen Gegenden der baltischen Ebene. Ferner
geht in dem wärmeren Klima der Laubwälder die Rhamnusform
häufiger in Dornsträucher über, als im Norden und im Binnenlande:
bekannte Beispiele davon sind der Weissdorn [Crataegus) und andere
Rosaceen [Primus, Ruhis, Posa), diesen entsprechen in Ostsibirien
die Araliaceen des Amurgebiets [Aralia, EleutherocoQcus). Artenreichere
, unbewaffnete Gattungen bezeichnen ein kontinentaleres
Klima, Cytisus in Ungarn, Spiraea in Sibirien. Merkwürdiger ist
die Zunahme der Beeren tragenden Sträucher in der nordischen Zone
der Nadelhölzer, nicht sowohl an . Mannigfaltigkeit der Arten , als
wegen des geselligen Wachsthums der Individuen. Auch diese
Sträucher tragen meist kleine Blätter, wie die Heidelbeere [Vaccinium
Myrtühis uliginosum), einige gehören zur Myi-ten- oder Erikenform,
zu jener die Preisseibeere (F. Vitis idaea) , zu dieser die
Rauschbeere {Empetnmi nigrum). Ihre Häufigkeit ist ebenso charakteristisch
für die Wälder Skandinaviens, wie sie in Kamtschatka von
den Reisenden nicht unbemerkt blieb. Es scheint, dass, je länger
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der Winter wird, der Einhaltung des Thierlebens auch eine grössere
Produktion von solchen vegetabilischen Nahrungsstoffen dient, die
unter der Schneedecke frisch und geniessbar bleiben, und was im
arktischen Gebiete hierüber bemerkt wurde, gilt in noch höherem
Grade von den Wäldern des hohen Nordens. In diese, wie in die
Vorberge der Alpen, ziehen die überwinternden Thiere sich gern
zurück, wenn sie jenseits der Baumgrenze nicht mehr Nahrung genug
finden. Eine klimatische Bedeutung hat endlich auch die Verbreitung
der Schlinggewächse, der Lianen, die in unseren Wäldern zwar
überhaupt wenig zahlreich, in den nördlichen und kontinentalen
Zonen doch noch entschieden abnehmen : so ist der Hopfen [Humulus)
ein Erzeugniss des Laubwaldes, der Epheu [Hederá) auf das Buchenklima,
eine nordamerikanische Form [Sckizandra] auf das Amurgebiet
beschränkt, wo auch die nicht holzige Convolvulusform in der offenen
Landschaft zu bedeutenderer Geltung gelangt. Die klimatische
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. I.
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