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204 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
und Gräsern übrig bleiben. Aber auch nach ihrem orographischen
Bau lassen sich die natürlichen Hülfsquellen der südlichen Karpaten
mit den Alpen nicht entfernt vergleichen und werden selbst vom
Tatra übertroffen, der durch seine Thalgliederung bevorzugt ist.
Die Thäler der Karpaten Siebenbürgens sind eng, durcli die sich
selbst überlassene Bewaldung fast unzugänglich und grossentheils
unbewohnt, die Sennwirthschaft daher wenig ausgebildet. Durch die
Einsamkeit der Wälder, den Mangel an Ansiedelungen und durch
die Seltenheit leichter Verbindungen über den doch vielfach gegUederten
und wohl zehn g. Meilen breiten Gebirgsrücken wird das
deutsche Leben der siebenbürgischen Sachsen von der dem Orient
bereits verwandteren Bevölkerung der Donaufürstenthümer abgesondert,
deren Eindringen es demohngeachtet keine hinreichende Widerstandskraft
entgegensetzt.
Endlich haben wir mit den Alpen noch die Pyr enä e n zu
vergleichen.
C e n t r a l e Pyrenäen [42—430 N. B.] .
Waldregion - 7200'.
Kiefer (Baumgrenze)
Fichte
— 7200'.
— 6000'.
Buche — 5700' (?).
Pinus iincinata
Getraidebau .
5400'1^5).
4200'.
Alpine Region. 7200'—8400' (Schneelinie).
W e s t l i c h e und cantabrische Pyrenäen [43^ N. B.]
Edeltanne (Isavarra) . Buche
Quercus Toza
.
—'6000'.
. — 4500'.
. — 3000'.
Kastanie — 2500 '.
Weit schärfer, als durch die Alpen, wird die mitteleuropäische
von der Mediterranflora durch die Pyrenäen abgesondert. Denn
während die lombardische Ebene ein Uebergangsgebiet bildet, dessen
Klima von dem eigentlich südeuropäischen in den wesentlichsten Beziehungen
zu dem Pflanzenleben abweicht, ist durch den Hauptkamm
der Pyrenäen die französische von der spanischen Vegetation auf das
Bestimmteste geschieden, imd diese schroffe Trennung lässt sich westwärts,
wo die Hebungsaxe in die cantabrische Kette übergeht, bis zu
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Pyrenäen. 205
deren Endpunkte in Gahcien nachweisen. Nur die Ostpyrenäen, die
bis zu dem Gebir^sknoten, der sie mit den Cevennen verbindet, an
beiden Abhängen der Mediterranflora angehören, bieten der Vermischung
der Pflanzenarten kein erhebliches Hinderniss : hier ist die
Vegetation der warmen Region durch die Küste, die des Gebirgsklimas
durch das Hochthal der Cerdagne gleichsam zu einer Einheit
verschmolzen. Nach ihrem orographischen Bau sind indessen die
östlichen von den centralen Pyrenäen wenig verschieden, wogegen
das Gebirge im Westen an Höhe bedeutend abnimmt und nun auch
die Flora einen veränderten Charakter zeigt. So zerfällt dasselbe
in der Richtung von Osten nach Westen in drei natürliche Abschnitte,
von denen der erste durch sein Klima, die beiden anderen durch ihre
Bodengestaltung sich unterscheiden, aber nur die nördliche Abdachung
dieser letzteren steht mit den übrigen Gebirgen unseres Gebiets in
Verwandtschaft. Ueber die Regionen der westlichen Pyrenäen sind
die Nachrichten bis jetzt noch ungenügend; um so mehr ist seit
Ramond's Zeiten geleistet worden, den centralen Theil der französischen
Gebirgsseite mit den Alpen zu vergleichen. Man hat die
grössere Einfachheit und den geschlosseneren, durch höhere Lage
der Pässe ausgedrückten Zusammenhang der Hauptkette als charakteristisch
hervorgehoben, aber eine andere Eigenthümlichkeit weniger
beachtet, die den östlichen und centralen Pyrenäen gemeinsam ist.
Im Verhältniss zu den Alpen sind die Thäler meistens enger, bis sie
auf ihrer höchsten Terrasse zuweilen zu den sogenannten Circusbildungen
sich erweitern, die Abhänge sind schrofi'er geneigt, die Gipfel^
wenn auch in kürzerer Zeit^^*^), doch schwieriger zu ersteigen. Das
Lauterbrunner Thal im Berner Oberland mit der steil darüber ansteigenden
Jungfrau giebt eine Vorstellung von dem, was in den
PjT'enäen die gewöhnliche Bildungsweise der unteren Thalstufen ist.
Es scheint, als ob das Gebirge, wie durch höhere Pässe verbunden,
so auch durch tiefere Spalten gefurcht sei, als die Alpen, und wenn
diese bis zu ihrer jetzigen Thalsohle mit den herabgestürzten Gerollen
ausgefüllt Avurden, so ist es leicht verständlich, dass auch die Quellen
aus grösserer Tiefe entspringen und, zu den wärmeren Schichten
der Erdrinde hinabsinkend, späterhin als Thermen an die Oberfläche
treten. Und gerade hiedurch unterscheiden sich die Pyrenäen auffallend
von den Alpen, die an heissen Quellen verhältnissmässig arm