
176 IL Wald^ebiet des östlichen Kontinents,
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dass unter den Tropen das Niveau der Schneelinie nicht von der
Temperaturkurve, sondern von dem Wechsel trockener und nasser
Jahrszeiten bestimmt wird. Da die Einflüsse, von denen die Grenzen
der Vegetation abhängen, durch die ungleiche Empfänglichkeit der
einzelnen Arten noch verwickelter sind, so ist es hier noch weniger
möglich, eine Skale nach den Breitengraden zu entwerfen. Es bleibt
daher nur übrig, vergleichungsweise die einander benachbarten oder
unter derselben Polhöhe gelegenen Gebirge zusammen zu stellen,
wobei sich dann leicht ergeben wird, unter welchen Bedingungen
die Regionen sich heben oder unter das aus jenen Formeln abgeleitete
Durchschnittsmass herabgedrückt werden, und diese Aufgabe soll
in der nachfolgenden Uebersicht im Einzelnen zu lösen versucht werden.
Wir beginnen mit den Regionen im s k a n d i n a v i s c h e n Norden,
dessen Westküste von dem erwärmenden Einflüsse des Golfstroms
zunächst beeinflusst wird.
L a p p l a n d.
Westliche
800
1100'.
Waldregion.
Birke (Baumgrenze).
Hammerfest (TOVa^)
Sulitelma (67 O)
Kiefer (Coniferengrenze xmterhalb
der Birkenregion).
Finmarkeri (69O) 1020'.
Alpine Region (Baumgrenze
bis Schneelinie).
Sulitelma (670) 1100'-3100'.
Oestliche Gebirgsabliänge.
Kantokeino (69 o)
Quickjock (67 0)
1680'.
2140'.
2100'—4100'.
S ü d n o r w e g i s c h e s Hochland. 128)
Waldregion. Westliche
Birke (Baumgrenze).
Hardanger (600) 2800'.
Folgefonden (600 : lokale 1835 ',
Depression der Höhen- (i^ìs 2030' bei
östl. Exposi- grenzen). tion).
1200'.
Kiefer (Coniferengrenze).
Esche. Hardanger (60 O)
Alpine Region (Baumgrenze
bis Schneelinie).
Jisbraeer (62O) __ 5000'.
Folgefonden (600) 1835'—3900'
(2030'—4300' bei òsti. Exposition).
Oestliche Gebirgsabhänge.
Teilemarken (600) 3200'.
Gaustafjeld (60o) 2900'.
Dovrefjeld (620) — 5000 '.
Hardangerfjeld (600) —5200'.
Skandinavische Fjelde. 177
Besondere, alpine Vegetationsgürtel am Hardangerfjeld.
Alpine Sträucher 3200'-3000'. (Zwergbirke - 3500').
» Staiulen . . — 4400'.
Erdlichenen und Moose — 5200' (begleitet von Salix herbacea).
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Die erhöhte Temperatur des Meerwassers, welche längs des
norwegischen Gestades und auf den tief in das Innere einschneidenden
Fjorden die Eisbildungen des Winters bis zum Nordkap ausschliesst,
wirkt im Allgemeinen auf das Niveau der Regionen elevirend,
so dass die Schneelinie bis zu den höchsten Breiten des
Kontinents und darüber hinaus noch in Spitzbergen (1000 Fuss) verhältnissmässig
hoch liegt. Denn unter demselben Parallelkreise, wo
der nördliche Ural noch durchaus der baumlosen; arktischen Flora
angehört, sind die Abhänge der lappländischen Gebirge von Wäldern
erfüllt und es scheidet sich über ihnen eine alpine Region aus, die
bis zum südlichen Norwegen einen in hohem Grade übereinstimmenden
Charakter bewahrt, und in welcher das wilde Rennthier seine
Weidegründe findet. Auch haben wir gesehen, dass in Skandinavien
selbst die Vegetationslinien längs der norwegischen Küste einen
nördlichen Bogen beschreiben, dessen Lage dem Einflüsse des Golfstroms
zuzuschreiben war. Aber um so merkwürdiger ist die Erscheinung,
dass im Gebirge die Anordnung der Pflanzen diesem am
Küstensaum ausgeprägten Verhältniss zu widersprechen scheint, dass
die Regionen an den dem atlantischen Meere zugewendeten Abhängen
in ein tieferes Niveau herabsinken, als an der östlichen Abdachung
gegen das schwedische Tiefland. Die Mittelhöhen der Vegetation
liegen unter gleicher Breite höher als am Ural, und dies ist die Wirkung
des Golfstroms, aber auf dem engeren Raum des skandinavischen
Hochlands selbst übt die plastische Form desselben auf die
Pflanzengrenzen und auf die Schneelinie im Verhältniss zu der durch
das Meerwasser gesteigerten Jahreswärme den überwiegenden Einfluss
im entgegengesetzten Sinne. Wir können einen nördlichen,
lappländischen (71^—63ö) und einen südnorwegischen Typus (63^
bis 59^) der Gebirgsbildung unterscheiden. In beiden Fällen stürzt
das Hochland an seiner Westseite mit ungemeiner Schroffheit von
alpinen Höhen zum atlantischen Meere und zu dessen Fjorden ab,
während die östliche Abdachung sanft oder terrassenförmig geneigt
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. I. ] 2