
58 I. Arktische Flora. Ree:ionen in Island und Grönland. 59
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etwas höhere (3400 Fuss), aber freier gelegene selbst am Nordabhange
fast ganz entblösst war. Aehnliches gilt auch von Spitzbergen,
wo die Angaben über die Sclmeelinie daher höchst widersprechend
sind, deren mittleres Niveau aber (etwa 1000 Fuss) die
schwedischen Naturforscher i) demohngeachtet nach vielen einzelnen
Beobachtungen festzustellen gesucht haben. In Island hat Mart ins 23)
die Schneegrenze zu 2900 Fuss Höhe angenommen, auf Jan Mayen
Scoresby^i) zu 1220 Fuss, und in diesen grossen Unterschieden zeigt
sich schon die Bedeutung der örtlichen Einwirkungen.
Allein Baer geht zu weit, wenn er die Versuche, Mittelwerthe
für die Schneegrenze aufzustellen, überhaupt verwirft, da dieselben
doch zur Vergleichung der Gebirgsfloren von grosser Bedeutung sind.
Fr führt selbst an, dass Nowaja Semlja eine ungeheure Menge ewigen
Schnees beAvahrt, und dass doch die Küstenebene gegen Ende
Juli allen Schnee verloren hat. Sind auch die Unregelmässigkeiten
auf dieser Insel und im arktischen Ural so gross, dass es bis jetzt
nicht hat gelingen wollen, die mittlere Schneelinie zu bestimmen, so
wird dies da, wo das Gebirge weniger zerrissen und gleichmässiger
gebaut ist, leichter möglich sein. Man gewinnt dadurch einen Massstab
fiir das Niveau, in welchem sie liegen würde, wenn die Dichtigkeit
der Luft allein auf die Temperaturkurve einwirkte.
Ruprecht''iS) läugnete in diesen hohen Breiten, wo die alpine
Flora gleichsam zum Meeresspiegel herabsinkt, den Einfluss der vertikalen
Richtung auf die Anordnung der Pflanzen überhaupt, allein
auch innerlialb der alpinen Region ist jede einzelne Pflanzenart in
bestimmte Höhengrenzen eingeschlossen, und dasselbe gilt unter allen
Örtlichen Schwankungen auch von den arktischen Gebirgen. So kann
man in Island ^ß) nach der Verbreitung der Birken drei Höhenabschnitte
unterscheiden, von denen der untere durch Strauchformen
der nordischen Art { B e ( u i a a l b a 1500 Fuss), der mittlere durch
die Zwergbirke { B . n a n a — 2500 Fuss) und der oberste durch Abwesenheit
dieser Holzgewächse bezeichnet wird. Am vollständigsten
aber hat Rink «7) die vertikale Anordnung der grönländischen Pflanzen
dargestellt, wiewohl durch die Anhäufung des Gletschereises
unterhalb der Schneelinie die Verhältnisse hier noch verwickelter als
anderswo erscheinen. Er betrachtet das Innere Grönlands als ein
grosses Plateau von etwas über 2000 Fuss Höhe, welches durchaus
von Eis bedeckt ist. Im Binncnlande bildet dieses Niveau daher die
obere Grenze der Vegetation. Auf der in die Baffinsbai vorspringenden
Halbinsel Noursoak (710), deren Hochfläche 5—6000 Fuss
erreicht, beobachtete Rink dagegen noch in der Höhe von 4500 Fuss
eine Reihe von Gefässpflanzen, die grösstentheils Ende Juli blühten
iam häufigsten P a p a v e r n u d i c a u l e , überhaupt 8 Stauden nebst einer
Grarainee und einer Cyperacee). Dies ist, wenn man die niedrigen
Mitteltemperaturen in diesem Theile Grönlands in's Auge fasst, eins
der auffallendsten Beispiele von dem Einflüsse des excessiven Plateauklimas
auf das Pflanzenleben, wovon man Kunde hat, um so merkwürdiger,
als die Insolation des Sommers, auf der diese Vegetation
beruht, hier, in der unmittelbaren Nähe des Meers, durch Nebelbildimgen
geschwächt wird. Aber diese höchste Elevation der
Pflanzengrenzen, die aus dem arktischen Gebiete bekannt geworden
ist, steht, wie Rink bemerkt, mit der geringen Menge von Schnee in
Beziehung, die auf dieser Halbinsel herabfällt. Ungeachtet so grosser
Schwankungen der Vegetationsgrenzen (2000 und 4 500 Fuss) war
es doch möglich, nach den auftretenden Pflanzenformen bestimmte
Höhenabschnitte der grönländischen Flora zu unterscheiden. Rink
charakterisirt die untere Region der Halbinsel (0—2000 Fuss) durch
Sträucher der Erikenform, die mit Gräsern und Moostundren wechseln,
die mittlere (2—3000 Fuss) durch Gräser, Cyperaceen, Lichenen
und Moose. Er findet ferner, dass bei 3900 Fuss das letzte
Holzgewächs, eine Weide [ S . g h u c a ] , aufhört und die übrign Gewächse
nicht mehr gesellig, sondern nur noch vereinzelt vorkommen,
bis bei 4500 Fuss, am Saume der zusammenhängenden Eis- und
Schneedecke, jene letzten Gefässpflanzen und mit ihnen auch die
Erdlichenen ihre Grenze finden.
Vergleicht man die vertikale Anordnung der arktischen Flora
mit der der alpinen Region der Gebirge Lapplands, so zeigt sich die
entschiedenste Uebereinstimmung. Am Sulitelma (67«) reicht die
alpine Region je nach der Exposition bis 3100 oder 4100 Fuss, wo
die Sclmeelinie sie abschliesst. Abwärts Avird sie (bei 1100 und
2100 Fuss) durch den Waldgürtel begrenzt. Der Unterschied liegt
also darin, dass im arktischen Gebiet die alpinen Pflanzen bis zum
Meere hinabsteigen, während sie sich aufwärts ebenso hoch, wie
in Lappland, auf jener grönländischen Halbinsel sogar zu einem