
372 III. Mittelmeeteebiet.
Centren auf den Balearen, Korsika und Sardinien. 373
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Marokko noch fast ganz nnerforsclit ist, grösstentheils auf den algerischen
Teil nnd auf den Atlas beschränkt. Von 6 monotypischen
Gattungen dieses Gebiets gehören 3 dem Teil (dieCruciferen Corrfy/ocarptis,
Psychine u. Raffenaldia), eine dem Atlas an (die Chenopodee
Oreobliton), die beiden übrigen bewohnen Marokko, von denen die
eine {Nolletia), ein Synanthereenstrauch, sich östlich bis Oran verbreitet,
nnd die andere (die Sapotee Argania) die Wälder an der
Küste des atlantischen Meers bildet. Von Holzgewächsen besitzt die
Küstenebene mehrere endemische Sträucher, Genisteen und zwei
eisten, wodurch die klimatische Analogie mit Andalusien ausgedrückt
wird, sodann zwei Terebinthaceen [Rhus], welche, das Meer überschreitend,
ausserdem nur noch in Sicilien einheimisch sind. Vom
Atlas sind vier eigenthümliche Bäume bekannt geworden, eine Conifere
[Callitris quadrivalvis) , eine Esche [Fraxinus dimorpha) , eine
Terebinthacee {Pistacia atlantica] und eine Pyree {Pijrus longipes).
Unter diesen ist die Conifere, die bis zum marokkanischen Atlas, bis
zur Küste von Mogador sich verbreitet, dadurch merkwürdig, dass
sie zu einer Gattung gehört, die sonst nur in Australien vertreten ist.
Dieses Verhältniss wirft einiges Licht auf diejenigen Erscheinungen
der Tertiärflora, woraus man auf ein verschiedenes Alter der heutigen
Vegetation und einen hierauf beruhenden Zusammenhang der
entlegensten Erdtheile geschlossen hat. Wenn sich in Europa Formen
der fernsten Klimate unter den Ueberresten der Vorwelt erhalten
haben, so meinte Unger, dass die in der Gegenwart neben einander
bestehenden Vegetationsgebiete ihren Charakter der geologischen
Periode verdanken, in welcher die daselbst einheimischen
Gewächse entstanden seien, dass sich zum Beispiel in Australien
erhielt, was in Europa seit der Tertiärzeit zu Grunde ging. Dieser
Schluss scheint äusserst gewagt zu sein, wenn man sieht, dass es
auch in den Floren der Gegenwart nicht an Vermischungen von Organisationen
der fernsten Vegetationscentren fehlt, ohne dass damit
eine völlige Identität der Arten verbunden ist. Die nordafrikanische
Flora enthält noch ein paar ähnliche Beispiele von Analogieen mit
entfernten Gegenden zwar desselben Erdtheils, von denen sie aber
durch die grosse Wüste oder noch weitere Räume geographisch geschieden
ist. In Algerien ist eine Synanthereengattung [Othonna]
vertreten, von welcher die übrigen Arten am Kap wachsen. Dies ist
also dasselbe Verhältniss, welches zwischen den westeuropäischen
Eriken und denen des Kaplandes oder zwischen Apteranthes und den
südafrikanischen Stapelien besteht. Auch jene dornige Sapotee,
welche die Argan-Wälder Marokkos bildet, findet ihre nächsten
Verwandten erst jenseits der Sahara in den Tropen und ist einer der
wenigen Vertreter tropischer Familien an den Grenzen des Mittelmeergebiets
, ohne dass an einen genetischen Zusammenhang dabei
gedacht werden könnte.
Von den zwischen Spanien und Italien gelegenen Inseln sind die
Balearen und Korsika am sichersten als eigene Vegetationscentren
anzusehen. Zwar enthält die Flora der Balearen i^O) nur wenige
eigenthümliche Arten, aber im Verhältniss zu ihrer Grösse ist die
Zahl nicht unbeträchtlich zu nennen (Vio) • sind darunter
endemische Sträncher [Genista hicida, Hypericum halearicum); andere
Gewächse, die auch an einzelnen Orten in Spanien wiedergefunden
sind, gehören auf Majorka zu den häufigsten [Buxus halearica, Hippocrepis
halearica).
Ueber das Verhältniss von Korsika zu Sardinien ist die oben
angeführte Bemerkung nun von einem allgemeineren Gesichtspunkte
aufzufassen. Je kleiner die Anzahl endemischer Pflanzen einer Insel
ist, je weniger eigenthümlich ihre Organisationen sind, so dass weder
Monotypen, noch Holzgewächse oder andere der Migration über das
Meer widerstrebende Pflanzen vorkommen und kein bestimmter Typus
in der ursprünglichen Flora sich erkennen lässt, desto unsicherer
wird die Annahme besonderer Vegetationscentren. Finden sich
daselbst einzelne eigenthümliche Arten, so bleibt es unentschieden,
ob sie nicht noch an anderen Orten aufgefunden werden, von wo sie
eingewandert sein können, oder vielleicht gingen sie auch anderswo
zu Grunde und haben sich nur hier erhalten. Wenden wir diese
Sätze auf Korsika an, so müssen wir dieser Insel selbständige Centren
mit Entschiedenheit zusprechen. Hier begegnet uns die eigenthümliche
Erscheinung, dass eine Reihe von winzigen Labiaten mit
ausserordentlich kleinen Blattorganen auftritt, von denen mehrere
auf 4ie Insel beschränkt sind, andere auch in Sardinien oder auf den
Balearen gefunden werden. Aehnliche Gewächse mit Blättern, deren
Durchmesser wenige Linien beträgt, kommen noch in drei anderen
Familien vor, und hiezu gehören die zwei Monotypen, sowie auch eine
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