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384 III. Mittelnieergebiet.
al.o gleicliartige Erscheinungen täglicli wiederholen können. Dieser
Forderung ist schon bis zu einem gewissen Grade genügt, wenn
nachgewiesen wird, dass die Verbreitung der Pflanzen über das
Meer und durch die Luft von dem geographischen Abstände abhängt,
womit die Schwierigkeit, die Fortpflanzung der Individuen und ihr^
Ansiedelung zn sichern, gleichmässig wachsen rauss. Ist auf diese
Weise die Theorie der Vegetationscentren und ihrer Vermischung
erst ausgebildet, so wird es auch in der Folge nicht an umfassenderen
Beobachtungen fehlen, wie durch''die Strömungen des Meers
und der Atmosphäre oder durch die Bewegungen der Thierwelt
Erfolge, wie sie die Vorzeit uns hinterliess, wirklich zu Stande
kommen.
Die Verknüpfung der Flora des spanischen Tafellandes mit den
russischen und anatolischen Steppen 1«) durch eine Reihe von identischen
Pflanzenarten ist eine Erscheinung, welche ebenso, wie die
Wiederkehr arktischer Gewächse in den Alpen, den Vorstellungen
von der Einheit der Vegetationscentren als widerstrebend betrachtet
werden könnte. Geht man indessen auf die einzelnen Arten ein, von
denen ich doch nur etwa dreissig zähle, die als charakteristische
Steppenpflanzen in den Zwischenländern kein passendes Klima finden,
so wird auch hier der Austausch wohl begreiflich, selbst wenn
znr Uebertragung des Samens keine andere Bewegungen, als die der
Atmosphäre sollten mitgewirkt haben. Zuerst ist hervorzuheben
dass diese Gewächse grösstentheils einjährig sind und zahlreiche'
winzige Samen erzeugen, die, wie Staubkörner, von heftigen Winden
über weite Strecken hin getragen werden können. Die Länge einer
solchen atmosphärischen Verbindungsbahn von S.üdrussland bis Spanien
ist etwa so gross, wie von den Alpen bis zum Dovrefjeld in
Norwegen. Aber als einjährige und leicht sich vervielfältigende
Pflanzen, die viel mehr vom Klima, als vom Boden abhängen gedeihen
sie meist auch auf den Getraidefeldern und können also'auch
mit der Saat verpflanzt sein. Sodann spricht für die Wanderung
dieser Gewächse, dass mehr als die Hälfte derselben den von jener
Verbindungsbahn berührten Ländern nicht durchaus fehlen, sondern
sich da finden, wo sie hier oder dort je nach ihren verschiedenartigen,
klimatischen Bedingungen sich anzusiedeln vermochten- so
wachsen 6 auch in Griechenland, 2 in Thracien, 4 in Ungarn und
Vergieichung der Vegetationscentren, 385
4 in Südfrankreich, einige von ihnen auch in mehreren dieser Zwischenländer
zugleich. Hiedurch wird also ein allmäliger Uebergang
zu der so viel grösseren Reihe von Arten hergestellt, die, indem sie
auch in Italien gedeihen können, nicht bloss Spanien und die östlichen
Steppen, sondern auch das ganze Mittelmeergebiet bewohnen.'
Endlich stehen den einjährigen Pflanzen nur sieben mehrjährige
gegenüber, von denen in drei Fällen entweder die Identität oder die
Selbständigkeit der Art zweifelhaft ist und eine vierte [Orohanche
cernua) als Parasit die Artemisien begleitet (unter anderen auch eine
Art. die den Steppen nicht eigen ist, so dass ihr Vorkommen vielleicht
noch nicht vollständig bekannt wurde): die drei übrigen fehlen
auch den Zwischenländern nicht ganz.
Diese Erörterungen finden keine Anwendung auf einige Gewächse,
die nicht den Steppen, sondern anderen Gegenden Spaniens
angehören und doch ebenso, wie jene, erst in entlegenen Ländern
des Orients wieder angetroffen werden. Dies wurde schon von dem
spanischen Wachholderbaum {Juniperus thurifera] erwähnt, dessen
Wälder zwar Sardinien und den Atlas erreichen, dann aber erst am
Taurus wieder auftreten. Hieher gehören ferner das pontische
Rhododendron [Rhododendron pontimm), welches an der spanischen
Südküste wiederkehrt, und eine Rosacee [Qeum heterocarpum].
bis jetzt nur in der oberen Gebirgsregion Granadas und Murcias,
dann erst wieder auf dem persischen Elborus bemerkt wurde. Im
letzteren Falle mögen verknüpfende Standorte noch unbekannt sein,
auf die Lücken in demWohngebietderNadelhölzer werden wir sogleich
ausführlicher einzugehen haben; von dem immergrünen und geselligen
Rhododendron aber, einem Strauch, der im Osten eine weite Verbreitung
vom Kaukasus bis Bithynien und Syrien hat und im westlichen
Andalusien nur auf einen schmalen Küstenstreifen beschränkt
ist, möchte man, da er die Gärten ziert, eine Verpflanzung durch die
Araber für wahrscheinlicher halten.
Solche Vermuthungen indessen würden ganz unstatthaft sein,
wenn man sie auch auf die Verbreitung der Cederwälder und anderer
Coniferen ausdehnen wollte, deren e i n z e l n e Wohngebiete durch weite
Zwischenräume getrennt sind. Die Ceder des Libanon (Linnes
Pinns Cedrus), die auf diesem Gebirge fast ausgerottet schien, von
der man aber kürzlich daselbst wieder grössere Bestände aufgefunden
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. I. 25
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