
182 ,'II. Walctgebiet des östlichen Kontinents.
i 1 ist demnach für die Bewohner Norwegens von geringem Werth und
grossentheils ungeeignet, eine ergiebige Sennwirthschaft, wie in den
Alpen, zu entwickeln. Meilen weit kann man auf diesen öden Flächen
umherwandern, ehe man im Sommer einen Hirten antrifft. Das
Missverhältniss, welches zwischen der Ausdehnung der Hochfläche
und den entlegenen Fjordthälern besteht, an deren Gestade die vereinzelten
Gehöfte sich reihenweise vertheilen, lässt es nicht einmal
zu, dass die Hülfsquellen, welche die gute Jahrszeit der Viehzucht
darbieten könnte, entsprechend benutzt werden, weil die Ernährung
der Heerden in den übrigen Monaten durch den geringen Umfang
der Uferlandschaft in den vom Meere erfüllten Thälern beschränkt
wird. So bleiben dieFjelde weithin ungestört sich selbst überlassen:
aber dem Thierleben, welches sie erzeugt haben, gewähren sie
dieselben Vortheile, die der arktischen Flora eigen sind, sie spenden
die im Schnee des Winters frisch erhaltenen Nahrungsstoffe, die
Fülle von Beeren; den Grasrasen und die Erdlichenen, deren Bedeutung
aus ihrer Bezeichnung als Rennthierflechte schon hervorgeht.
Dass der Schneefall plötzlich die Hochfläche einhüllt und
der Vegetation ein Ziel setzt, dadurch eben wird die Zersetzung der
organischen Verbindungen gehindert, so dass sie viele Monate lang
den Bedürfnissen der doch nur spärlich vorhandenen, überwinternden
Thiere genügen.
Fassen wir nun die übrigen Gebirge der höheren Breiten des
Gebiets zusammen, so werden sich daraus noch nähere Vergleichungspunkte
mit Skandinavien ergeben.
i
S c h o t t i s c h e Hochlande [570N. B.].i32)
Waldregion. 0'—2500'.
Birke (Baumgrenze) — 2500
Kiefer —2100'.
Eiche — 1000'.
Alpine Region. 2500'—4100' (Schneelinie nicht erreichend).
Calluna 0'—3000'.
U r a l .
Waldregion (61 o N. B.) - 2350 '. i33)
Lärche (Baumgrenze) — 2350 '.
Fichte (Baumgrenze: 540 N. B.) . . . _ 4000'. «4)
Birke (540 N. B.) : . — 3850'.
Alpine Region (640 N. ß.) 1700'—4500'. i35)
to.
Schottische Hochlande. 183
S t a n o w o i (Aldan).
Waldregion (6OON. B.) - 3500'. i36)
Lärche (Baumgrenze: 56 ON. B.) . . . - 4000' (?) i37)
Fichte und Kiefer (56 ON. B.) . . . . - 3500'.
Alpine Region (560 N.B.) 4000'(?)—6000' (Schneelinie nicht erreichend).
Strauchförmige Arve (P. Cemöra) . . . — 6000'.
K a m t s c h a t k a [560 N. B.].i38)
Waldregion. 0'-2900'.
Alpine Region. 2900'—4900' (Schneelinie).
Auf den s chot t i s che n Hochlanden, welche die Schneelinie
nicht erreichen, ist das Seeklima noch entschiedener ausgebildet,
als an der Westküste Norwegens. Der Winter ist bedeutend milder
13«), die Sommerwärme nicht wesentlich geändert, aber die höchsten
Anschwellungen des Bodens (öT^N. B.) liegen einige Grade
südlicher, als die Fjelde. In der Baumgrenze, die auch hier durch
die Birke gebildet wird, zeigt sich der deprimirende Einfluss des
Seeklimas ebenso stark, als am Folgefond, ausgedrückt, aber der
Wald ist auf den Hochlanden zurückgedrängt, und daher schwanken
die Angaben über die untere Grenze der alpinen Flora weit bedeutender,
als in Skandinavien. In den nördlichsten Gegenden Schottlands
sind die Gebirge grösstentheils kahl und mit Haide, mit Calluna,
bewachsen : hier bestimmt die Schafzucht, da die Heerden das
ganze Jahr hindurch die Weide benutzen können, den doch nur
geringfügigen Werth des Bodens. Auf den unregelmässig geordneten
Höhenzügen der Grampians (57 O) und am kaledonischen Kanal,
wo die alpine Region sich weitläuftiger ausbreitet, reichen die Wälder
, ebenfalls mit Haiden wechselnd, auch nur selten bis zix ihrer
klimatischen Niveaugrenze, die man daher nur aus den Beobachtungen
über das höchste Vorkommen der Birke (2500 Fuss) und der
Kiefer (2100 Fuss) zu erkennen vermag. Die Anordnung dieser beiden
Bäume aber entspricht durchaus den Verhältnissen Norwegens :
nur die Fichte fehlt, die den britischen Inseln fremd geblieben ist.
Nach Massgabe der Polhöhe zeigen die Grampians die vollkommenste
Uebereinstimmung mit dem Folgefond in Hardanger: was in Norwegen
als eine extreme Wirkung des Seeklimas erschien, wird in
Schottland zur gesetzlichen, klimatischen Norm. Eigenthümlich ist
sodann die Erscheinung, dass die Calluna, die den Wald gleichsam
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