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386 III. Mittelmeergebiet.
hat, wurde zuerst auf dem anatolischen Taurus als weit verbreiteter
Waldbaum nachgewiesen. Die Deodara-Ceder (P. Beodara Roxh.),
die zu den schönsten und allgemein vorkommenden Coniferen des
Himalaja gehört, unterscheidet sich im Wüchse erheblich; sie besitzt
nicht die schirmähnliche Anordnung der Zweige, wodurch die
gedrängten Nadeln der Libanonceder zu einer ebenen Fläche sich
ausbreiten und die ganze Krone oben, wie eine grüne Tafel, abgeplattet
erscheint. Als später die Ceder des Atlas entdeckt wurde,
wo die oberen Gebirgswälder in der Provinz Constantine fast ausschliesslich
aus derselben gebildet werden, hat Endlicher auch diese
afrikanische Conifere, von welcher er nur junge Schösslinge kannte,
als eine besondere Art aufgefasst [P. atlantica). Allein sichere
Unterschiede sind nicht vorhanden, und, wenn auch bei der Kultur
der abweichende Wuchs der Deodara-Ceder beständig bleibt und in
allen drei Fällen von klimatischen Varietäten die Rede sein kann,
deren Eigenthümlichkeit durch den Einfluss fremder Lebensbedingungen
nicht sofort verloren geht, so ist doch die Identität der Art
unzweifelhaft. Diese Ansicht theilen die ersten Botaniker Englands,
wo die Gedern des Libanon und des Himalaja häufig in den Parkanlagen
gezogen werden. Bei der Vergleichung der Ceder des Atlas
mit der des Taurus kam Cosson^so) ^^ ¿em nämlichen Ergebniss
und fand, dass bei der ersteren nur die Nadeln gewöhnlich weniger
lang wären. Zwischen dem Atlas und Taurus, zwischem dem Libanon
und dem Himalaja hat man nirgends die Ceder angetroffen.
Der geographische Abstand ist im ersteren Falle auf wenigstens 300,
im letzteren auf über 500 g. Meilen anzuschlagen. Ist die Identität
der Art sichergestellt, so fordert die Einheit der Vegetationscentren
auch hier einen gemeinsamen Ursprung, aber es ist schwierig einzusehen,
welche Hülfsmittel der Ceder zu Gebote standen, eine Wanderung
über so weite Strecken zu vollenden. Für die Lösung dieses
Problems ist schon Einiges geleistet, wenn analoge Fälle von anderen
Gebirgsbäumen nachgewiesen werden können, und in der That
steht die Ceder unter den Coniferen des Mittelmeergebiets nicht allein.
Ein zweites Beispiel hat sich neuerlich aus den Untersuchungen
Hooker'sisi) über eine Kiefer des Himalaja ergeben, die daselbst
ebenfalls allgemein verbreitet ist und westwärts die Gebirge Afghanistans
erreicht [Pmus excelsa). Auf dem Peristeri, einem hohen
Vergleichung der Vegetationscentren. 387
Berge Macédoniens, fand ich die Waldregion zum Theil aus einer
Conifere gebildet, die übrigens in Europa unbekannt war, und die ich
von der ähnlichen Zirbelnusskiefer [P. Cembra) als eine eigenthümliche
Art unterschied [P. Peuce). Viel später erst sind die reifen
Zapfen dieses Baums bekannt geworden, nach deren Vergleichung
ihnllooker mit jener Himalaja-Kiefer für identisch erklärte. Da eine
Conifere dieser Art auf dem weiten Räume zwischen dem Peristeri
bei Bitolia und Afghanistan nirgends beobachtet worden isl, so meinte
Hooker, dass die Herkunft desselben eins der merkwürdigsten Pro- ,
bleme enthalte. Manche könnten versucht sein, an eine Anpflanzung
der nordamerikanischen Weimuthskiefer [P. Strobus) auf dem macedonischen
Berge zu denken, da diese Art der des Himalaja sehr nahe
steht, allein diese Vorstellung wird schon durch das örtliche Vorkommen
und dadurch ausgeschlossen, dass die meisten Individuen
der Peuce-Kiefer strauchartig bleiben und in dieser Form auch über
die tiefer gelegenen, mit Wachholdergebüsch bedeckten Abhänge des
Bergs sich weit hinab erstrecken. Ferner wurde die Ansicht geäussert,
dass die macedonische Kiefer sich als eigene Art werde behaupten
lassen, allein nach sorgfältiger Vergleichung der reifen
Zapfen vom Himalaja und vom Peristeri muss ich der Auffassung
Hooker's durchaus beitreten. Es ist offenbar eine der Verbreitung
der Cederwälder gleichartige Erscheinung, die sich dann endlich
auch noch, wie früherhin erwähnt wurde, bei dem asiatischen Wachholderbaum
{Juniperus foetidissima) wiederholt, von dem ebenfalls
zwischen dem Taurus und Himalaja keine verknüpfenden Standorte
bekannt sind, und auf dessen Verbreitung in den Gebirgen des Steppengebiets
wir an einem anderen Orte zurückkommen werden. Auch
ist die Lücke, welche die Wälder des spanischen Wachholderbaums
von dem cilicischen Taurus trennt, in ähnlichem Sinne aufzufassen.
In diesem letzteren Falle kann man nicht erwarten, dass dieselbe
durch die Entdeckung von neuen Fundorten in Italien oder Griechenland
künftig sollte ausgefüllt werden, was in Asien bei den übrigen
Coniferen doch leicht möglich wäre, wenn man bedenkt, dass selbst
die Ceder erst neuerlich auf dem Taurus aufgefunden wurde, wo sie
doch grosse Wälder bildet, und dass daher weniger auffällige Bäume,
wie die Himalaja-Kiefer, leicht noch auf anderen Gebirgen Anatoliens
und Persieiis verborgen sein möchten. Ferner könnte man ein
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