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382 III. Mittelmeergebiet.
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bot, als die Insel. Hierin ist, wie bereits bemerkt wnrcle, die Wirkung
der Pflanzen Wanderungen nicht zu verkennen; denn da die
Flora jedes einzelnen, eng begrenzten Bezirks nur zum kleinsten
Theil aus endemischen Arten besteht und die Gegenwart der übrigen
auf dem wechselseitigen Austausch verschiedener Vegetationscentren
beruht, so kann ein Punkt des Kontinents sich von mehreren Seiten
aus bereichert haben, während eine Insel ihre angesiedelten Gewächse
vielleicht nur von einer einzigen Küste aus empfing. Je weiter
sie vom Festlande entfernt liegt, desto mehr ist die Einwanderung
erschwert. Sicilien ist nun zwar keine entlegene Insel, aber doch
geographisch viel ungünstiger gestellt, als Dalmatien. Auch in dieser
Beziehung sind die Gebirgsgipfel mit Inseln zu vergleichen. Prior
fand die alpine Region des Apennin ebenso wenig ergiebig, wie dies
vom Aetna längst bekannt war. Der Reisende hatte Gelegenheit,-
binnen kurzer Zeit den Mátese nördlich von Neapel mjt dem Biokovo
in Dalmatien vergleichen zu können und erstaunte über den Gegensatz
des Pflanzenreichthums, während Gebirgsart, Bergform und
Klima allerdings eine entschiedene liebereinstimmung sollten erwarten
lassen. Aber der Apennin hat nur mit den piemontesischen
Alpen einen unmittelbaren Zusammenhang, so dass in dieser Richtung
allein der Austausch alpiner Gewächse durch Ausstreuung
des Samens leicht erfolgen kann und in jeder anderen gehemmt
ist, wogegen die dalmatische Küstenkette mit den Bergsystemen
Bosniens und der ganzen griechischen Halbinsel in Verbindung
steht.
Auf dem Festlande ist die Vermischung der Vegetationscentren
nach geographischen und klimatischen Bedingungen so leicht und
einfach zu erkennen, dass nur einige schwierigere Fälle näher zu
untersuchen sind, bei denen man den Zweifel aufwerfen kann, ob
eine Wanderung möglich war. Auf klimatischen Analogieen beruht
es, dass auch über die Grenzen des Gebiets hinaus die südliche Vegetation
gewisse Arten im Westen bis zu höheren Breiten entsendet,
deren Anzahl allmälig abnimmt, je weiter man nach Norden geht,
und dass in Ungarn i-i^j, gegen das schwarze Meer hin und im Orient
ein ähnlicher Austausch bemerklicher ist, als in Deutschland, wo an
die Alpen ein Tafelland sich anschliesst, auf welchem die in die italienischen
Thäler und in das Rhonegebiet eindringenden Pflanzen
Vermischung der Vegetationscentreü. 383
nicht mehr gedeihen können. So ist es auch der grössere klimatische
Gegensatz, wodurch die Mediterranflora von der Sahara schärfer abgesondert
wird, als von den Wäldern und Steppen Europas und
Asiens, wo die physischen Bedingungen sich allmäliger abstufen.
Innerhalb des Gebiets aber treten die Einflüsse der geographischen
Lage. die mechanischen Hindernisse der Pflanzenwanderung deutlicher
hervor. Je geringer der Abstand von zwei gegenüberliegenden
Küsten ist, je vollständiger die Gebirgskämme kettenförmig zusammenhängen,
desto grö-Sser wird die Zahl gemeinsamer Pflanzen.
Hiefür kann die gleichartige Vegetation zum Beleg dienen, welche
die gegenüberliegenden Küsten an den Strassen von Gibraltar und
Messina oder Thracien und Bithynien verbindet, und ebenso ist die
Uebereinstimmung der Gebirgspflanzen des Scardus und Pindus
grösser, als zwischen den Ketten des Inneren und dem vereinzelten
Gipfel des Athos. Wenn man diese Verhältnisse erwägt, ist man
keineswegs, wie aus dem Vorkommen der Affen auf dem Felsen von
Gibraltar geschlossen ward, zu der Folgerung genöthigt, da, wo jetzt
das Meer zwei Kontinente trennt, ehemalige Landverbindungen anzunehmen.
Denn auch zwischen Sicilien und Nordafrika bestehen
ähnliche Verknüpfungen der Flora i^S) ^ sogar von Holzgewächsen;
nur sind sie weniger zahlreich. Die Affen mögen leicht durch den
Menschen verpflanzt sein, zu den Zeiten, als beide Küsten von demselben
Volke bewohnt waren, aber die Samen der meisten Gewächse
können, von Vögeln, vom Winde oder von Strömungen getragen,
über das Meer gelangen; nur durch die ungleiche Dauer ihrer Keimfähigkeit
werden ihre Ansiedelungen beschränkt. Allein solche Gebirgspflanzen,
die klimatisch an die höchsten, alpinen Gipfel gebunden
sind, nöthigen, eine Wanderung des Samens durch die Atmosphäre
anzunehmen, auch wenn der Abstand dieser Gipfel gering ist,
aber die Pässe, die sie trennen, die erforderliche Höhe nicht erreichen.
' Geologische Hypothesen, welche mögliche Aenderungen
des Niveaus oder auch des Klimas in Bereitschaft haben, um die
Lücken der Verbreitung auszufüllen, sind leicht gefunden, aber da
Bewegungen, die in der Vorzeit stattgefunden, der Beobachtung entzogen
sind, so ist es nicht die Aufgabe, zu zeigen, wie sie überhaupt
zu Stande kommen konnten, sondern es ist zu untersuchen, ob die
gegenwärtig die Natur beherrschenden Kräfte dazu genügen und sich
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