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454 IV. Steppengebiet.
lebhafter hervorschimmert, je zarter und geglätteter die Oberhaut
der Chenopodeenform gebildet ist, geht sodann mit der Saftfülle bei
dem Tamariskengesträuch verloren, welches zuweilen eine ungewöhnliche
Höhe erreicht [10—25 Fuss 9)], und dessen einförmige
Bildung an dem glaucescirenden, glanzlosen Farbentone leicht erkannt
wird, der den die Verzweigungen bedeckenden Blattschuppen
eigen ist. Bei einer von der Sahara aus bis Persien verbreiteten Art
[Tamarix artimlata) verkümmern auch diese kleinen Schuppen, wodurch
ein Uebergang zum Saxaul und zur Casuarinenform vermittelt
wird. In einem anderen Falle ist eine Tamariscinee hingegen mit
den Blättern der Chenopodeenform belaubt und bildet zu diesen eine
Mittelstufe [Reaumuria].
Allen diesen Halophyten kommt die grössere Feuchtigkeit des
thonreichen Bodens zu Statten, um ihre Vegetationsperiode zu verlängern
: hiedurch werden die Bedingungen des Vorkommens der
Tamarisken an den Flussufern denen der Salzsteppen ähnlicher.
Nicht selten werden von den Reisenden die von Halophyten bewachsenen
Strecken selbst in den Wüsten als Salzmoräste dargestellt: die
dauernde Erhaltung des Salzes an ihrer Oberfläche ist ja eben die
Folge davon, däss der Boden das Wasser zurückhält, dass es nicht
durch die Flüsse entfernt werden kann. Die Anhäufung der Natriumsalze
in den Steppen ist eine allgemeine und ursprüngliche Erscheinung,
die man, wie den Salzgehalt des Meers, daraus erklären kann,
dass diese Stoffe keine unlösliche Verbindungen bilden und sich da
ansammeln, wo das Wasser, welches sie ausgelaugt hatte, keinen
Abfluss hat. In Tibet giebt es Landseen, die nach Muschelresten an
ihren Ufern ehemals, als sie mit Flüssen in Verbindung standen,
süsses Wasser enthielten, und die später salzig geworden sind, nachdem
ihr Abfluss durch Niveauänderungen des Bodens gehemmt worden
war. Aber die grossen Ebenen des Steppengebiets haben wir
bereits als einen trocken gelegten Meeresgrund zu betrachten gelernt,
wo das Wasser verdunstend die Natriumsalze zurückliess. In der
Folge haben sie sich dann vollständig wieder verloren, wo die atmosphärischen
Niederschläge sie auflösten und den Flüssen zuführen
konnten; sie haben sich erhalten, wo dies nicht möglich war. Die
Vegetation der Steppen hat sich zu den heutigen Formationen erst
geschieden, nachdem diese Sonderung des salzfreien und natrium-
%
Eintheilung der Steppen 455
haltigen Bodens eingetreten war, sie liefert den Beweis ^rer
EntsLung durch das Erdreich, auf dem sie allein ^es ehen konn -
Einige Pflanzenformen der Steppen, die nur von den Nachbaifloren
aus sie berühren oder in ihrer Verbreitung weniger al g ^
sind, wurden schon früher erwähnt. Es gehören dah.n ^^^ L.chenen
auf dem nackten Boden der Sandsteppe, die 0-hm-gebusche am
todten Meer, die Zwergpalmen Beludschistans und die von den A abern
in die südlichen Landschaften eingeführten Dattelpalmen. Endlich
ist noch das Gesträuch an der^nördlichen Steppengrenze (z. B^
und es sind die Baumformen an ^en Flns^u .n
und auf den Gebirgen zu erwähnen, die sämmthch aus dem Wald
g l i e t e nur da in d l Steppen eindringen, wo die Einflüsse des Khmas
verändert und durch Wasserzuflüsse aufgehoben smd^
Tegetationsformationen. Die genausten und umfassendsten
Schilderungen der Steppenvegetation besitzen wir in der Literatur über
s f d l l a n d und das kaspische Tiefland,
daher jetzt vorzugsweise berücksichtigen, nachdem die u^rschei
denden Züge in der Physiognomie der Plateauländer, die doch St ff
genug zu einem gemeinsamen Bilde übrig lassen, schon bei ihre klimatlchen
Charakteristik berührt wurden. Man hat C^-s- Lehm-,
Sand- und Salzsteppen unterschieden, denen Baerls) noch di Fels-
I p p e als besonderes Glied hinzufügt. Die Uebergänge indessen,
w l h e die letztere mit der Sandsteppe und Wüste verbinden sowie
die nahen Beziehungen, die zwischen dem Lehmboden und den Abgerungen
der Salze bestehen, lassen eine einfachere Eintheilung
wunschLwerth erscheinen. Ich bleibe daher ^ei <len d r . ^
tionen der Gras-, Sand- und Salzsteppe stehen, die duixh ihre Veg
tation am meisten von einander abweichen, ^.e Grass eppe n
erweitertem Sinne aufgefasst, ist nicht immer durch ^oh^
wuchs der Thyrsa ausgezeichnet, sondern
Strecken wo der Boden seinen Salzgehalt verloren und die Vegeta-
L so viel Humus abgelagert hat, dass die Feuchtigkeit nach dem
S hmelzen des Schnees oder nach erfolgten Niederschlägen nidit sogleich
wieder den Erdschichten an der O b e r f l ä c h e entzogen wird, o
dass auch wenn Gestrüpp sie bedeckt, doch auch zartere Gewächse
weide geboten sind. Die Sandsteppe, die des Humus fast gai.
entbehrt und die Feuchtigkeit zum Grundwasser abfliessen lasst.