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auf das Klima früherer geologischer Perioden, welche iaan aus der
Vergleichung der fossilen Pflanzen mit denen der Gegenwart gezogen
hat, wenig befriedigend. Denn, wie zum Beispiel das Vorkommen
einer Kiefer auf der Insel Sumatra beweist, hat man in den meisten
Fällen keinen hinreichenden Grund, aus der Aehnlichkeit der Organisation
auf übereinsiimmende klimatische Bedingungen zu schliessen :
jede Pflanzenart hat ihre bestimmte klimatische Sphäre, aber nicht
in demselben Masse die Gattungen und Familien. Jener Tulpenbaum
Islands, den die Palaeontologen als eine besondere Art von
dem nordamerikanischen unterscheiden wollen, konnte möglicher
Weise auch klimatisch sich eigenthümlich verhalten. Aber dieser
Einwurf trifl't die Verbreitung der arktischen Wälder in der Tertiärzeit
nicht: denn das Baumleben als solches ist an eine längere Dauer
der Entwickelungszeit und an höhere Wärmegrade gebunden, als sie
das heutige arktische Klima gewährt, und dieses ist eine Folge kosmischer
Bedingungen, eine Wirkung vom Stande der Sonne gegen
die Erdkugel. Dazu kommt, dass unter den zahlreichen Bäumen'•^i),
die jene Wälder bildeten, nicht bloss die Formen und Gattungen
grössentheils mit denen Nordamerikas identisch sind, sondern auch
einige nicht einmal der Art nach von ihnen siclier unterschieden
werden können (namentlich Sequoia sempervirens und Taxodium distichum).
Hier hat also entschieden eine wesentliche Aenderung des
Klimas stattgefunden, die nach Heer's Vergleichung des grönländischen
Tertiärwaldes (7 0 O) mit den heutigen Wäldern am Genfer
See einem Breitenunterschiede von wenigstens 23", bei den Linden
von 15 0 entsprechen würde. Aber Grönland hat auch vegetabilische
Ueberreste aus der Periode der Kreide geliefert, die mit denen aus
Deutschland auffallend übereinstimmen. Das sicherste Ergebniss
der Forschungen über die fossile Flora besteht nicht allein darin,
dass die Wärme des Polargebiets seit der Tertiärzeit abgenommen
hat, sondern es ergiebt sich zugleich eine um so grössere Unabhängigkeit
des Klimas von der geographischen Breite, je mehr man zu
älteren Perioden zurückgeht. In der Zeit der Steinkohlenbildung
scheint das Klima überall fast dasselbe gewesen zu sein: so sehr
stimmen die Arten von Farnen, welche diese Kohle zurückliessen, in
verschiedenen Breiten überein. In der miocenischen Periode hltte
Mitteleuropa nach Massgabe der fossilen Flora ein viel wärmeres
Klima, als die arktische Zone, wogegen unter den Tropen, in Ostindien,
das Klima damals ähnlich gewesen zu sein scheint, wie jetzt.
Die Erde kühlte sich allmälig in der Richtung vom Pol zumAequator
ab, nachdem sie ursprünglich überall gleich warm gewesen war. Am
nächsten liegt, diese Erscheinungen von der fortschreitenden Ausstrahlung
der eigenen Erdwärme und von der Erweiterung des Festlandes
abzuleiten. Das Meer konnte in den ältesten Perioden so sehr
überwiegen, dass, indem ein viel grösserer Antheil des Wasservorraths
verdunstete und die Atmosphäre erfüllte, die Sonnenstrahlen
auf den von Nebeln verhüllten Planeten wenig wirken konnten und
die Eigenwärme desselben daher ein gleichmässiges Klima hervorrief.
Je mehr sich die Wassercirculation mässigte, je mehr fester
Boden der Sonne entgegentrat, desto entschiedener bildeten sich die
klimatischen Gegensätze aus, die von der Stellung der Sonne zur
Erde abhängen. Allein zur Zeit, als die arktischen Tertiärwälder
bestanden, hatten die Polarländer schon wesentlich denselben ümriss,
wie gegenwärtig, da die Ueberreste sich an so verschiedenen und
entlegenen Orten gefunden haben. Wie konnten diese Landschaften
so viel wärmer sein, wenn die Sonnenstrahlen als unveränderlich
warm gelten? musste nicht die Eigenwärme der Erde selbst noch
so viel höher gewesen sein? Heer hat dies geläugnet, vielleicht aber
die Widerlegung nicht gehörig begründet, wenn er sagt 25), dass in
diesem Fall den früheren Perioden vor der Tertiärzeit eine so hohe
Temperatur zuzuschreiben sei, dass kein organisches Leben möglich
gewesen wäre : denn wir kennen weder die Länge der Zeiträume,
noch den Gang der Abnahme der Eigenwärme. Er sucht die Erscheinung
aus ungleichmässigen Temperaturen des Weltraums zu
erklären, ebenso gut hätte er eine Abnahme der erwärmenden Kraft
der Sonne annehmen können. Durch solche Vorstellungen aber ist
die im Verlauf der geologischen Perioden fortschreitende Steigerung
der klimatischen Unterschiede nach der Polhöhe nicht erklärt.
Saporta24) erblickt in der abnehmenden Schiefe der Ekliptik den
Grund von der Abkühlung der Polarländer. Wie, wenn die Sonne
am Aequator verharrte, der Gegensatz der Jahreszeiten aufgehoben
würde, so würden, wenn die Schiefe ihrer Bahn gesteigert gedacht
wird, die hohen Breiten hinreichende Sommerwärme, mit um ebenso
viel grösserer Winterkälte wechselnd, empfangen, um ähnliche Er