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116 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
mehr ausreicht, zur richtigen Zeit den Wechsel der Vegetationsphasen
einzuleiten, die letzteren, wenn sie diese Phasen nicht weiter
mehr beschleunigen kann oder die excessiven Temperaturgrade nicht
erträgt. Sowie aber dieselbe Pflanze sowohl nach Norden wie nach
Osten klimatisch begrenzt sein kann, so werden auch verschiedene
Arten sich ungleich verhalten, je nachdem sie in ihren einzelnen
Entwickelungsphasen an einen bestimmten Grenzwerth solarer Wärme
oder nur an eine bestimmte Dauer der Wachsthumsperiode gebunden
sind, indem sie im letzteren Falle während derselben, indifferent
gegen die Form der Temperaturkurve, nur eine konstante Mittelwärme
erheischen. Entweder wird also die Polargrenze, wie die
solare Wärme, nur von der geographischen Breite abhängen, oder
sowohl von dieser als von dem Abstände des atlantischen Meers und
dann, gleich der Buchengrenze,, einer mittleren, einer nordöstlichen
Vegetationslinie entsprechen. Hierin scheint mir die Ursache zu
liegen, dass die Wintercerealien unter einer bestimmten Polhöhe
nicht mehr fortkommen, wo sie zu Anfang und gegen das Ende ihrer
Sommerperiode die Wärme nicht mehr finden, deren sie bedürfen.
Allerdings gehen sie an der Westküste Norwegens viel weiter nach
Norden, als in Schweden [fast bis 65 o 25)], aber dies ist nur die allgemeine,
auf alle Polargrenzen sich erstreckende Wirkung des Golfstroms,
der da, wo er das Festland erwärmend bespült, die Vegetationsperiode
bedeutend verlängert. An der Ostseite der norwegischen
Fjelde hören diese Wirkungen auf.
Verwickelter wird das Problem der reinen Nordgrenzen dadurch,
dass nicht bloss die solare Wärme, sondern auch die Tageslänge
sich mit der Polhöhe ändert, jene vermindert wird und diese
gerade vom 60. Breitengrade an bis zum Polarkreise rasch zunimmt.
Der längste Tag hat in Petersburg (60 o) 18,5, in Torneo (66 o)
bereits 22 von der Sonne beleuchtete Stunden. Hiedurch scheint
eine gewisse Ausgleichung bewirkt und, wie Schübeier angenommen,
die Nordgrenze der Pflanzen weiter nach dem Pole zu verrückt zu
werden. Es entsteht hier die Frage, welchen Einfluss denn eigentlich
die Tageslänge auf das Wachsthum äussern kann, ob durch das
Licht, welches den chemischen Process in den Blättern erst möglich
macht, oder durch die Wärmestrahlen der Sonne, deren länger
dauernde Einwirkung den wahren Zeitraum der Entwickelungsperiode
Klimatische Grenzen der Cerealien. 117
vergrössert, indem während der Nacht keine Nahrungsstoffe aus der
Luft in die Pflanze übergehen. Schübeier hat dem Lichte allein ohne
Weiteres diese Rolle zugetheilt, die verkürzte Vegetationszeit auszugleichen
; allein das Licht wirkt nur auf die grünen Organe, und
schon früher hatte ich eine Beobachtung mitgetheilt ^O), welche zeigt,
. dass, wenn das Licht die dem Organismus zugetheilte Arbeit einleitet,
die Vollendung des Wachsthums doch nur von der Sonnen-
®wärme abhängt. In der Höhe.von 120 0 Fuss hatte man am Söefjord
in Bergens Stift (60 o) Gerste zu bauen mit Erfolg unternommeu,
aber die Vegetation derselben bis zur Reife des Korns dauerte daselbst
von Ende April bis zum letzten Drittel des August, mehr als
vier Wochen länger, als unten am Meeresufer, wo es freilich viel
wärmer ist, aber die Sonne doch nicht länger leuchtet, auf die Sauerstoffentbindung
der Pflanze den gleichen Einfluss hat. Am Fjord
rechnete man von der Saatzeit (12. Mai) bis zur Ernte (1. August)
nur drittehalb Monate: die Umstände lassen schliessen, dass das
Saatkorn in beiden Fällen gleicher Art war.
Boussingault ist derjenige Naturforscher, der über das Verhältniss
der Wärme zur Vegetationszeit die physiologisch am besten begründete
Theorie aufgestellt hat^^). Nach ihm erhält man für dieselbe
Pflanze, so sehr sich auch ihre Entwickelungsperiode verkürzen
oder verlängern mag, einen unveränderlichen Werth, wenn man die
mittlere Wärme dieser Vegetationszeit mit der Anzahl der Tage multiplicirt,
die vom Anfang bis zum Ende des Wachsthums verflossen
sind. In diesem Satze ist enthalten, dass jedes Gewächs an ein bestimmtes
Wärmemass gebunden ist, dass die Bewegungen im Organismus,
die man als Ernährung und Wachsthum zusammenfasst, der
Wärme, die sie hervorruft, proportional sind. Aber die Formel giebt
nur eine richtige Grundlage, und andere Elemente müssen in dieselbe
aufgenommen werden, um ihre Allgemeingültigkeit zu erhöhen : indessen
glaube ich nicht einmal, dass alle Bedingungen schon vollständig
bekannt sind, wodurch sie beeinflusst werden kann. Zuerst
ist gegen Boussingault's Satz einzuwenden, dass die einzelnen Phasen
der Wachsthumsperiode an bestimmte Wärmegrade gebunden sind,
dass die Blüthe oder in anderen Fällen auch die Fruchtreife eine
höhere Temperatur fordert, als die Keimung, dass aber diese Werthe
in der Formel nicht enthalten sind. Ferner ist es klar, dass jede