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368 III. Mittelmeergebiet. Vegetationscentren in Spanien. 369
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während ich von Kreta über SO besitze, die in weit höherem Grade
von den Typen anf den übrigen Inseln des Archipels nnd von den
griechischen sich in ihrem Bau entfernen. Anch hier ist das Gebirge
des Ida bedeutender als der cyprische Olymp, aber auch hier erstreckt
sich die Eigenthümlichkeit auf die verschiedensten Standorte. Die ungleiche
Ergiebigkeit der Vegetationscentren ist ein ursprüngliches, ein
geologisches Phänomen, dessen Bedingungen der Forschung verborgen
sind. Was könnte hier Darwin s Lehre leisten, wenn wir sehen, dass
unter gleichen Einwirkungen doch das Ergebniss so ungleich ist und
auch die Geologie keinen Aufschluss darüber giebt? Dass die reichere
Insel länger bestehe, als die ärmere, lässt sich nicht behaupten, ja in
einzelnen Fällen ist sogar das Gegentheil nachzuweisen.
Wenden wir uns zu dem Charakter des Endemismus in den einzelnen
Abschnitten des Gebiets, so beschränke ich mich hier, indem
ich die übrigen Ergebnisse der Vergleichung auf die Noten verweise,
auf einige allgemeinere Bemerkungen, und zwar zunächst über Span
i e n Nach dem durch die klimatische Absonderung der Standorte
so leicht verständlichen Erfahrungssatze, dass die Gebirge an
endemischen Pflanzen reicher sind, als die Ebenen, ist die eigenthümliche
Stellung der Sierra Nevada in Spanien zu beurtheilen, die an
Mannigfaltigkeit eigenthümlicher Erzeugnisse mit den Pyrenäen verglichen
werden kann. Während aber in den nordeuropäischen
Ebenen die Unterscheidung besonderer Vegetationscentren durch
den erleichterten Austausch nur noch auf grosse, klimatisch verbundene
Räume sich beziehen liess, bietet uns Spanien das erste
Beispiel, dass wir auch im Tieflande und auf den Hochflächen Gewächse
von beschränktem Wohngebiet antreffen, bei denen sich die
ursprüngliche Anordnung erhalten hat. Die engere klimatische Gliederung
trägt gewiss am meisten dazu bei, die Centren in dieser
Absonderung fortbestehen zu lassen. Aber auch den trennenden
Gebirgsketten, in einem Falle selbst der Mischung der Erdkrume ist
ein solcher Einfluss beizumessen. Schon aus der Vertheilung der
Monotypen ergeben sich sechs besondere Vegetationscentren, von
denen vier den klimatischen Hauptabschnitten der Halbinsel, die beiden
anderen der Sierra Nevada und dem Salzboden in ihrer Nachbarschaft
angehören. Dem Tafellande sind vier Monotypen eigenthümlich
[Ortegia unter den Polycarpeen, sodann die Synantheree
Hispidella und die Crucifere Guiraoa, letztere bis jetzt nur in Murcia
beobachtet), Portugal eine Anthemidee [Lepidophonim), dem Tieflande
von Andalusien und Murcia drei Gattungen (die Scrophularinee
Lafuentea, die Solanee Triguera und die Amaryllidee Lapiedra), dem
Litoral der mit Katalonien verbundenen Provence eine Alsinee
[Gouffeia). Die Sierra Nevada besitzt in ihrer mitteleuropäischen
Region eine monotypische, mit Catananche verwandte Liguliflore
[Haenselera) , und ein Halbstrauch aus der Gruppe der Brassiceen
[Emomodendron) ist nur auf dem salzhaltigen Boden der Sierra de
Gador in Südgranada angetroffen. Die Anzahl der Monotypen ist auf
der spanischen Halbinsel grösser, als in irgend einem anderen Theile
^des Gebiets. Denn zu jenen 10 Gattungen kommen noch 8 andere,
von denen eine [Colmeiroa] auf Spanien durchaus eingeschränkt ist,
die übrigen die Halbinsel nur wenig und namentlich über die Strasse
von Gibraltar hinaus überschreiten. Alle diese Monotypen haben in
Spanien eine weitere Verbreitung und zeigen, in welcher Richtung
die einzelnen Organisationen von einem gewissen klimatischen Centrum
aus zu benachbarten Gegenden fortgeschritten sind. Die Heimath
der ausgezeichneten Droseracee Drosophyllum ist offenbar in
Portugal zu suchen, von wo sie sich in drei Nachbarländer, nordwärts
bis Galicien, im Süden nach Andalusien und Marokko ausgebreitet
hat. Hier ist es die Gestalt des heutigen Wohngebiets, woraus
dies gefolgert werden muss. Von den übrigen Gattungen, die sich
sämmtlich mit grosser Wahrscheinlichkeit auf das spanische Tafelland
zurückführen lassen, gilt das Nämliche, aber in einigen Fällen kommt
noch die gesellige Art ihres Vorkoromens hinzu [Macrochloa)\ diesen
Schluss zu unterstützen, sofern dadurch eine nähere Beziehung zu
dem Klima und Boden des Heimathlandes ausgedrückt ist. Diese
'Monotypen des Hochlandes sind folgende : die Euphorbiacee Colm-eiroa
(bis Portugal und Andalusien) ; die Leguminose Pterospartum (bis
Asturien und Marokko); die Labiaten Cleonia (bis Portugal, Andalusien
und Nordafrika), Preslia (bis Portugal und Südfrankreich); die
Gramineen Macrochloa und Wangenheimia (bis Nordafrika), Chaeäirus
(bis Portugal und einmal in wenigen Exemplaren auf den
euganeischen Hügeln wohl nur zufällig angetroffen). Durch®die Anordnung
der endemischen Arten aus grösseren Gattungen werden die
Folgerungen bestätigt, welche über die Lage und Absonderung der
Gr i s e b a c l i , Vegetation der Erde. I. 24
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