
I i '
Ii J • ; ' I :
h .
• •
•¡Vi..
i'iii .. •
ji -
i
• i - r.
- - '
498 V. Chinesisch-japanisches Gebiet.
nach der Masse ihrer Individuen berechnet, eine so viel grössere
Masse von Samen, dass sie überall den frei gegebenen Raum leicht
einnehmen und auch die Holzgewächse nicht aufkommen lassen, die
auf ihren frühsten Entwickelungsstufen leichter verletzbar sind und
mehr Schutz bedürfen. Vergleichungsweise werden also diese leichter
in ihrem Endemismus verharren, aber dadurch ist noch keineswegs
aufgeklärt, dass in Japan mehr verschiedene Holzgewächse,
als in anderen Ländern von ähnlichem Klima entstanden sind.
Stellen wir die einzelnen Baumformen Chinas und Japans denen
anderer Gebiete der nördlichen gemässigten Zone gegenüber, so finden
wir, ähnlich wie am Mittelmeer, die immergrünen Blattorgane
vorherrschend. Der Milde des Winters und der langen Dauer der
Vegetationsperiode entsprechend, sind auch hier die Nadelhölzer mit
der belaubten Lorbeerform verbunden. Schon bei Canton^^) ^¡j^^j
die spärliche Bewaldung, die auf den felsigen Hügeln der Küste sicli
erhalten hat, ausschliesslich von einer Kiefer gebildet, die der europäischen
sehr ähnlich ist {Pinus c/mienszs), Aber gerade bei den
Nadelhölzern ist die Mannigfaltigkeit der Gestaltungen am grössten
und übertrifft sogar die des nordamerikanischen Waldgebiets: Von
Coniferen sind allein aus Japan bereits mehr als 30 Arten bekannt
geworden, und unter diesen sind mehrere monotypische Gattungen
enthalten. Ueberhaupt finden wir unter den Nadelhölzern fast nur
endemische Arten, die jedoch zum Theil den europäischen Tannen
und Kiefern nahe stehen und ihnen physiognomisch gleichen. Einige
sind du.rch ihre Grösse und durch die schöne Symmetrie ihres Wachsthums
ausgezeichnet: solche Bäume dienen den buddhistischen Tempeln
zum Zierrath, in deren Umgebung sie gepflanzt werden. Von
zwei Arten hat Fortune physiognomische Skizzen gegeben, von
der Schirmfichte Japans [Sciadopä^s], bei welcher die schlanke, mit den
dichtesten Nadeln verhängte Krone einen regelmässigen, aus breiter
Grundfläche verjüngten Kegel bildet, dessen Längsdurchmesser
(etwa 80' hoch) den kurzen Stamm um das Fünffache übertrifft,
und von einer weisslich berindeten Kiefer des nördlichen Chinas
{Pinus Bungeana], die durch ihre Verzweigung merkwürdig ist, indem
in geringer Höhe über dem Boden acht bis zehn Hauptäste steil
wie Masten emporwachsen und erst an ihrem oberen Theile sich in
verschlungene Kronen auflösen. Auch unter denjenigen (Jonifei-en,
I
Coniferen. — Lorbeerform. 499
deren Nadeln zu Schuppen verkürzt sind (z. B- Thujopsis, Chamaecyparis),
erscheint die chinesische Cypresse [Cupreams funehrk] für
den dortigen Gräberkultus besonders ausdrucksvoll, da ihre Zweige, wie
bei einer Trauerweide herabhängend, die beiden Symbole des Schmerzes,
die dunkle Färbung mit der niedergesenkten Haltung verbinden.
Mit den europäischen Coniferen verglichen ist ferner die Mannigfaltigkeit
der Blattorgane bedeutend erweitert. Hier tritt auch das
breitere Olivenblatt tropischer Formen auf [Podocarpus), und in einer
monotypischen Gattung {Gingko) nimmt das durch die Gefässbündel
gestreifte Laub eine so eigene, rhombische, vorn eingeschnittene und
gelappte Gestalt an, dass es sich kaum mit irgend einem anderen
Baume vergleichen lässt und nur durch die Festigkeit des Gewebes
an das Lorbeerblatt erinnert.
Sind in den Wäldern Ostasiens die Nadelhölzer vorherrschend,
so ist die Lorbeerform, welche sie begleitet, durch weit verschiedenartigere
Organisationen vertreten, als am Mittelmeer, nicht bloss durch
Amentäceen, durch immergrüne Eichen, wie dort, sondern auch
durch andere Familien; zahlreiche Laurineen treten auf, ihnen folgen
einige Magnoliaceen und Ternstroemiaceen. Die immergrünen
Eichen, die noch bei Jeddo gewöhnliche Waldbäume sind, erreichen
indessen Sachahn nicht; die Laurineen nehmen schon in Nipon ab :
der Kampherbaum {Cmnamomum Camphora) begleitet die Nadelhölzer
auf der Insel Chusan und bewohnt Kiusiu in Japan, wird aber unter
nördlicheren Breiten nicht mehr als einheimisch erwähnt. Die tropischen
Vertreter der Lorbeerform auf Hongkong gehören zu einer
noch grösseren Reihe von Familien, als in Japan. Die Erscheinung,
dass sie in nördlicher Richtung sich immer mehr vereinfachen, dass
weiterhin, wie in Südeuropa, nur noch immergrüne Eichen übrig
bleiben und zuletzt auch diese in Sachalin verschwunden sind, kann
so aufgefasst werden, als ob die Annahme bestimmter geographischer
Grenzen des ostasiatischen Florengebiets überhaupt ganz willkührlich
sei. Man könne vielmehr sagen, dass im Süden ein allmäliger
Uebergang der chinesischen Flora in die indische, im Norden in die
Amurflora stattfinde. Miquel hat sich in der That in diesem Sinne
ausgesprochen und die Unterscheidung einer bestimmten japanischen
Flora verworfen. Allerdings sind es nur klimatische Werthe,
nach denen ich den geographischen Umfang des chinesisch-japani-
32*