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dritte Pflanze in ihrem Bau allein steht (monotypisch sind die Crucifere
Älorisia und die Synantheree Nana-nthea, isolirt steht unter den
europäischen Urticeen Ilelxine Sokirolii). Die Tendenz, Organisationen
mit kleinen Blättern zu erzeugen, ist also für diese Vegetationscentren
charakteristisch. Wiewohl nun jene drei isolirt stehenden
Gewächse sich auch nach Sardinien verbreiten, so ist doch die korsikanische
Heimath für diese ganze Reihe wahrscheinlich. Hierauf
weist der Umstand hin, dass die Labiaten zum Theii auf Korsika
beschränkt blieben und kein sicherer Fall bekannt ist, dass Sardinien
ähnliche Formen besässe, die nicht auch auf der Nachbarinsel vorkommen.
Zu demselben Gesichtspunkte werden wir in Bezug auf
die sämmtlichen endemischen, aber beiden Inseln gemeinsamen
Pflanzen dadurch geführt, dass die wenigen Sardinien eigenthümlichen
Arten ohne besonderen Charakter und den nicht endemischen
Gewächsen näher verwandt sind, als dies bei so vielen korsikanischen
der Fall ist. Hiernach könnte es überhaupt unberechtigt erscheinen,
sardinische Centren anzunehmen, ebenso wie dies von einigen kleineren
Inseln gilt, wie von Capraja oder Lampedusa, wo man einzelne
eigenthümliche Arten angetroifen hat^^^). Allein, was Sardinien
anbetrifft, so scheint die Vergleichung der Holzgewächse doch
die entgegengesetzte Ansicht zu unterstützen, die vielleicht durch
neue Standorte und durch systematische Forschungen weiter begründet
oder auch entkräftet werden kann. Das Inselpaar von Korsika
und Sardinien enthält nämlich nur drei endemische Sträucher, eine
Rhamnee und zwei Genisten, und von diesen ist keine Art Korsika
eigen, sondern eine Art {Ge^iista corstca) beiden Inseln gemeinsam,
Während die beiden andern auf Sardinien beschränkt sind [G. Morisii
und Rhamnus salicifolius).
Italien ist, wie gesagt, das an endemischen Pflanzen ärmste
Land des Mittelmeergebiets. Dies ist nicht bloss aus der centt^alen
Lage der Halbinsel zu erklären. Läge nur dieses Verhältniss zu
Grunde, dass die Möglichkeit des Austausches ZAvischen den verschiedenen
Punkten einer kontinentalen Kreisfläche von dem Centrum
nach der Peripherie abnimmt, so müsste, abgesehen von der
grossen Küstenentwickelung, die in entgegengesetztem Sinne wirkt,
innerhalb des klimatischen Gebiets der Mediterranflora die Zahl der
endemischen Gewächse in Unteritalien und Sicilien sinken. Auch
lassen sich hier Wanderungen in den verschiedensten Richtungen,
Verknüpfungen durch gemeinsame Arten mit Sardinien, Afrika,
Griechenland, selbst mit Kreta nachweisen. Allein der Endemismus
ist gerade in diesen Theilen Italiens verhältnissmässig stärker, am
bedeutendsten in Sicilien ausgeprägt. Die italienischen Centren,
welche sich jetzt noch erkennen lassen, vcrtheilen sich unregelmassig,
und die Absonderungen derselben theils durch das Meer, theils durch
den Einfluss des Gebirgs sind auch hier bemerklich. In der noMitalienischen
Ebene und südwärts bis zur Breite von Neapel sind
ausserhalb des Apennins keine endemische Pflanzen mit SicheAeit
bekannt. Nur einige wenige eigenthümliche Arten hat die Rmera
das Küstenland von Ligurien, geliefert. An diese Centren reiht sich
das benachbarte Gebirge des apuanischen Apennin (nördlich von
Lucca) welches zwar auch nur wenige endemische Pflanzen besitzt,
aber unter diesen das einzige Gewächs, welches man als italienischen
Monotyp bezeichnen kann (die Globulariee Carradoria). Die Hauptkette
des Apennin bewohnt in den Abruzzen, wo die höchsten Erhebungen
liegen, eine ebenfalls nur beschränkte Reihe von eigenen,
meist alpinen Arten, und ebenso gross etwa ist die Anzahl der endemischen
Mediterranpflanzen auf dem Festlande Unteritahens. Unter
diesen ward eine ausgezeichnete Primel (P. Palmuri] nur auf dem
Vorgebirge von Palinuri (40 o N. B.) beobachtet, gerade wie eine der
endemischen Pflanzen Liguriens [Conmhulus sabatius) nur am Kap
Noli wachsen soll. Solche Fälle, die dem Vorkommen der Wulfenia
in den Alpen entsprechen, gehören zu den wichtigsten Analogieen
zwischen den kontinentalen Vegetationscentren und denen der oceanischen
Archipele, und müssen daher der Aufmerksamkeit topographischer
Botaniker, um sie sicher festzustellen, ganz besonders
empfohlen werden. Von endemischen Holzgewächsen liefert Italien
nur wenige, aber ein paar ausgezeichnete Beispiele. Das wichtigste
ist die kalabrische Erle [Alnus cordtfolia), die nach Schouw nur auf
den südlichen Theil des Apennins (39-41 o N. B.) beschränkt sein
soll Da dieser Baum hier so ausgedehnte Wälder bildet, so kann
die beschränkte Ansiedelung desselben in Korsika wohl keinen Zweifel
an seiner Heimath auf dem Pestlande Italiens begründen. Von dem
als eigene Art unterschiedenen Wachholderstrauch des Aetna (/nmperushemisphaerica)^
der auch auf dem kalabrischen Apennin vor-
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