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400 IV. Steppong-ebiet.
liuien bewirkt wurden , sind hier eine Folge des wecliselndeii Niveaits
nnd in noch hölierem Grade der Gebirgsketten, die ans der
Steppe sicli erbeben, oder auch der Wüsten, die ihren Zusammenhang
unterbreclieuj indem durch solche mechanisch wirkende Einilüsse
die Vermischung der Vegetationscentren gehindert wird.
Unter den Tiefländern ist das kaspische Depressionsgebiet das
geräumigste. So gross auch die Gegensätze des Vegetationscharakters
sind, wodurch die südrussischen Grassteppen sich von dem salzlialtigen
Lehmboden und von den Wüsten der Gegenden am Aralsee
uutersclieiden ^ und so schroff diese eigenthümlichen Landscliaftsbilder
an ihren Grenzen sich berüliren, um sodann auf weiten Käumen
gleichartig zu bleiben, so sind doch keine klimatischen Ursachen
nachgewiesen, aus denen sich diese Erscheinungen erklären Hessen.
Zwar nimmt, je weiter man vom schwarzen Meere nach Osten gehingt,
die Winterkälte erheblich zu*^^), aber die Vegetation wird in
dieser Jahrszeit durch die Schneebedeckung geschützt. Wie bedeutend
diese auch in der Kirgisensteppe wirken muss, um die Temperatür
im Boden zu massigen, davon hat Borssczow einen Beweis
geliefert^), indem er in der Gegend des Ilek (50** N. B.) ein iirnähnliches
Sclmeelager antraf, welches, von aufgewehtem Sande bedeckt
und durcli die Verdunstungskälte zugleich vor dem Aufthauen
bewalirt, sich ungeachtet der hohen Sommerwärme dieser Gegenden
eine Reihe von Jahren erhalten hatte. Matyiigfaltige Stauden, die
den Grasrasen in den russischen Steppen begleiten, finden sich in
gleicher P'ttlle und zum Theil in denselben Arten auch im fernen
Osten der Songarei am I'usse des Altai, und, wenn sie in den öden
Umgebungen des Aralsees zurücktreten , so dürfte dies in der Beschaffenheit
des Bodens und nicht im Klima seinen Grund haben.
Wir werden sehen, dass nicht bloss die Erdschicliten an der Oberfläche
den Charakter der Flora bestimmen, sondern auch der Bau
des Untergrundes in der Tiefe. Borssczow meinte, dass in den
Wüsteneien der Kirgisensteppe der atmosphärische Niederschlag geringer
sei, als diesseits des Uralflusses, aber derselbe beträgt auch
in den besten Gegenden Südrusslands, zwischen dem Dnjepr und
dem asowschen Meere nur wenige Zoll und auch hier ist der Sommer
ohneThau. Ich betrachte daher die verschiedenen Bekleidungen
der Steppen und Wüsten im grossen Tieflande als Formationen, die
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Kaspisches Depressionsgebiet. 401
wegen der Ausdehnung gleichartiger Bodenverhältnisse über weite
Landstrecken in schärferem geographischem Umriss angeordnet sind,
und fasse den ganzen Raum von der Waldgrenze bis zu den Erhebungen
des Kaukasus iind der persischen Gebirge als kaspisches
Depressionsgebiet zusammen. Auch die östliche Kirgisensteppe, die
der grossen Horde, ist ein Weideland, welches den Heerden reichliches
Futter g ewähr t . Das Flachland reicht im Osten bis zum
Thianschan ; zwischen diesem Gebirge und dem Altai bleibt die Flora
auch jenseits der russischen Grenzen sich g l e i c h ^2) ^nd behält wahrscheinlich
bis zur Mongolei einen übereinstimmenden Charakter. Die
tiefste Einsenkung der Fläche wird durch das kaspische Meer ausgefüllt,
und wo diese Depression, nach den Seiten und nach Norden
unmerklich sich hebend, das Niveau des Oceans erreicht, ist noch
nicht vollständig bekannt. Schon der Aral liegt einige Fuss über
dem Spiegel des Meers [24 Fuss^S)] und der Alakul-See am Fusse
des Alatau wird bereits auf 1130 Fuss geschätzt i-^). Der Ustjurt
ist ein abgesondertes Plateau von 600 Fuss Höhe zwischen dem
kaspischen Meere und dem Aral; in derselben Richtung verlieren
sich auch die südlichen Erhebungen des Ural in der Steppe. Allein
als Ganzes aufgefasst, ist das kaspische Depressionsgebiet eine grosse
Mulde, deren Niveau erst auf weite Entfernungen hin einem gewissen
Wechsel unterworfen ist. Vielfach wurde die Meinung ausgesprochen
und scheint gegenwärtig in Russland ziemlich verbreitet
zu sein, dass Verdunstung und Niederschlag daselbst nicht im Gleichgewichte
ständen und das Sinken des Wasserspiegels der Seen und
Binnenmeere ununterbrochen fortschreite. Borssczow hat im Einzelnen
ausgeführt, was sich für diese Ansicht sagen lässt. Wäre sie
begründet, so erhielte dadurch seine Vermuthung, dass das Klima in
den tiefer gelegenen und wüsten Landschaften dieser Mulde, die sich
von den Umgebungen des Aral bis zum östlichen Gestade des kaspischen
Meers und zur unteren Wolga erstrecken, trockener sei, als
in den jenseitigen Weideländern, eine bedeutende Stütze. Denn je
geringer die Niederschläge sind, desto leichter ist ein Ueberwiegen
der Verdunstung denkbar. Allein die Gründe, welche Baer iS) solchen
Ansichten entgegenstellt, scheinen mir unwiderlegt zu sein.
Die Austrocknung der Steppen, die aus dem Vorkommen der Ueberreste
lebender Muscheln und aus der allgemeinen Verbreitung der
G r i s e b a o l ) , Vegetation der Erde. 1. 26
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