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426 IV. Steppengebiet.
kenne, früher gar keinen Begriff gehabt, iind um so überraschender
sei die dicht angrenzende Oase von Chabbis gewesen, mit ihrem
Reichthum an Palmen und Orangen. Die pflanzenlose Wüste wird
von den Persern Liith, d. h. nackte Strecke genannt. So vollkommen
von Vegetation entblösst seien übrigens andere, salzhaltige
Wüsten in Kleinasien nicht, und noch weniger in Westpersien. Mit
der Depression und Dürre des Hochlandes muss dessen Verödung
zunehmen, und in Persien erkennen wir daher noch deutlicher, als
in den übrigen asiatischen Wüsten, dass wir dem Relief und der Beschaffenheit
des Bodens und nicht dem Klima allein ihren Ursprung
beizumessen haben, wie dies in der Sahara der Fall ist. Wenn eine
Wüste über einen ganzen Kontinent sich ausdehnt, wie in Afrika, so
ist die Ursache ihrer Bildung in der Atmosphäre zu suchen, deren »
allgemeine Bewegungen, wie der Passatwind des Meers, von der
Polhöhe abhängen und, über weiten Räumen gleichartig wirkend,
den Niederschlag verhindern können. Wo dagegen, wie im Steppengebiete
Asiens, die Wüsten sporadisch vertheilt sind, erzeugt sie entweder
das Niveau oder die Mischung der Erdkrume. Von diesen
beiden Fällen sind die grossartigsten Beispiele in den Meridianen des
östlichen Persiens gegeben. War es der sandige Boden, wie am
Aral, der die Feuchtigkeit in die Tiefe entweichen lässt, so ist derselbe
ungeachtet seiner Dürre nicht ohne Vegetation. In der persischen
Salzwüste, wo eine thonige Erdkrume das Salz zurückhält,
fehlt das organische Leben ganz, wenn der eingesenkte Boden die
Luftströmungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, übermässig
erhitzt und die Wolkenbildung hindert, während zugleich das
hohe Niveau die Trockenheit der Luft steigert und die etwaige
Feuchtigkeit der Obei'fläche durch Verdunstung sofort wieder entfernt
wird.
Das Hochland von Afghanistan und Beludschistan, im Norden
durch den Hindukusch von den Tiefebenen Turkestans getrennt,
wird durch eine von diesem Gebirge sich ablösende Kette in südlicher
Richtung von Kabul bis Kelat in zwei Hälften getheilt und
durch deren östliche Verzweigungen so gegliedert, dass der dem
Indus zugewendete Abschnitt vielmehr ein Bergland mit weiten Hochthälern
als eine Tafelfläche darstellt. Die Westhälfte von Kandahar
nebst Herat ist Persien ähnlicher gebaut und im Süden durch die
Afghanistan. 427
Wüste von Beludschistan nicht minder verödet. Ob dieser auch
tiefer gelegene Theil, den der in einen See ohne Abfluss mündende
Hilmend bewässert, von dem Vegetationsgebiete Persiens zu sondern
sei, ist noch ungewiss. Die Ergebnisse von Bunges Forschungen in
Herat sind noch nicht bekannt gemacht, und unsere Kenntmss der
Flora von Afghanistan beschränkt sich fast nur auf die Sammlungen
von Griffith und Stocks, von denen der Erstere aus dem östhchen
Gebirgslande nicht über Kandahar hinauskam und nur in Kabul und
am Hindukusch länger verweilte, der Letztere von Beludschistan au^
nur bis Quetta (30 O) gelangt ist. Diese Osthälfte des Landes ist,
wiewohl die Gebirge selten die Schneegrenze erreichen, weit hoher
gelegen!) als Persien, aber da die abgerundeten Kämme nicht bedeutend
fetwa 500-2000 Fuss) über die Thäler emporragen, so
besitzt doch fast nur der östliche Hindukusch einen Waldgürtel, und
das ganze Land erscheint im Gewände einer Hochsteppe. Nur m
der Nähe der Ortschaften haben sorgfältige Irrigationen dieselbe m
Kulturland verwandelt, welches an den Ufern der Gebirgsflüsse mit
Wiesen von reichem Heuertrage abwechselt. Die Winterkälte ist
beträchtlich, aber die Wintercerealien schützt in Kabul eine Schneedecke
" ) Im Sommer herrschen Westwinde ^S), die, durch die Tiefebenen
am Indus aspirirt, von heiterem Himmel begleitet sind und
bis hoch in die Gebirge hinauf mit der Trockenheit der Luft auch die
Wärme bedeutend steigern. Die Zeit der atmosphärischen Niederschläge
ist auch hier nur auf den Winter und Frühling beschränkt,
auf die Jahrszeiten, in denen der Antipassat die Gebirge berührt und
an sie seine Feuchtigkeit abgiebt. Wir sehen daher, dass, mit Ausnahme
von Persien, in allen Hochländern des Steppengebiets von der
syrischen Küste bis zum Indus der Sommerpassat in Folge der abgesonderten
Aspirationscentren Mesopotamiens und Indiens wenigstens
in den unteren Luftschichten durch entgegengesetzte westhche Strömungen
unterbrochen wird, und dass dennoch der Verlauf der
Jahrszeiten, der die Steppenvegetation hervorruft, stets derselbe
bleibt, ein blüthengeschmückter Frühling diesen Gegenden allem
t * st
Den Vegetationscharakter Afghanistans bezeichnet Griffith
• als kleinasiatisch, Stocks CO) findet ihn übereinstimmend mit dem südlichen
Persien. Hiemit erscheint die Gleichartigkeit der Pflanzen-
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