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130 II. WakU'ebict des östlichen Kontments.
strahlen ausgesetzten Organe das entscheidende Moment ist. Die
Aufgabe nun, die organischen Bewegungen des Frühlings an die des
Herbstes anzuknüpfen, ist nicht immer so einfach zu erfüllen, als
mau sich vorstellen könnte, wenn man nur in Betracht zieht, dass
das Wiedererwachen des Lebens von einer Steigerung der äusseren
Lebensreize abhängt. Sie verwickelt sich dadurch, dass die Organe,
welche nicht überwintern konnten, erst wieder ersetzt werden müssen,
and dass dadurch ein gewisser Zeitraum verloren geht, der bei einer
anderen Einrichtung erspart werden könnte. Auf diesem Unterschiede
beruht die klimatische Anordnung der immergrünen Nadelwälder
und der Laubwälder mit periodischer Belaubung.
Die Laubhölzer sind, insofern sie nicht die Blätter, sondern
nur den Stamm gegen die Wintei'kälte zu schützen haben, dem nordischen
Klima auf eine einfachere Weise angepasst, als die Nadelhölzer.
Aber abgesehen von einzelnen Ausnahmen bedürfen sie im
Allgemeinen einer längeren Wachsthumsperiode, und desharlb erreichen
nur wenige die Baumgrenze. Bei ihnen wird das Laub, als ein
Gebilde von zarterem Gewebe, weil es der in dasselbe eindringenden
Kälte durch Zerrungen erliegen müsste, vor dem Eintritte derselben
durch eigenthümliche Processe entfernt. Erst pflegt es sich zu entfärben,
dann gliedert sich der Blattstiel und in einem scheinbar noch
lebensfähigen Zustande wird es abgeworfen. Die glatten, durch
Kork geschützten Narben, die es zurücklässt, schliessen die Organe,
welche fähig sind, im Winter fortzubestehen, besser gegen die
äusseren Schädlichkeiten ab, als wenn es an den Zweigen verwesen
müsste. Hiebei entsteht nun der Nachtheil, dass die Reihe der Bildungen,
die in jedem Jahre zu wiederholen sind, das vegetative
Wachsthum, die Verholzung neu entstandener Gewebe, die Entwickelung
der Blüthen und Früchte, durch die Periode der Belaubungszeit
erweitert wird, die wiederum Ablagerung von Nahrungsstoffen
und Erzeugung von überwinternden Knospen im Herbste
voraussetzt. Denn so lange die grünen Organe fehlen, findet keine
Ernährung aus der Luft statt, und zur Bildung des neuen Laubes
bedarf es, bis dasselbe ausgewachsen ist, eines Vorraths von Stärkemehl
und anderer organischer Stoffe, welchen die im vorhergehenden
Jahre thätigen Blätter bereiten und im Stamm und in den Knospen
anhäufen mussten. Erst wenn der Baum wieder in seinem Frühlings-
Nadelliölzer. 131
laube prangt, beginnt er die allgemeine Aufgabe der Pflanzenwelt
aufs Neue zu erfüllen, die unorganischen Grundstoffe des lebendigen
Organismus aus der Luft und dem Boden in organische Substanzen
umzubilden, die Kohlenhydrate und das Eiweiss herzustellen, welche
die materiellen Träger alles Lebens auf der Erde sind. Ferner wurden
die neuen Blätter schon im Herbste des vergangenen Jahrs so
weit vorgebildet, um geschützt durch ihre Knospenhüllen am Winterschlafe
Theil zu nehmen, im Frühlinge um so rascher auswachsen
und dadurch die Periode der Belaubung möglichst abkürzen zu können.
Ebenso kann auch die Entwickelung der Blüthen auf beide
Jahrgänge sich vertheilen, und auch für deren Knospen siiid dann
besondere Schutzorgaue erforderlich. Die Knospenhüllen oder Tegmente
bedürfen ebenfalls einer angemessenen Sicherung gegen die
Kälte und werden durch Festigkeit des Gewebes, durch Behaarung
oder durch Harze, die die Wärme wenig leiten, dem Frost zu widerstehen
vorbereitet. Wenn also die allgemeinen Aufgaben der Vegetation
und der Fortpflanzung dieselben bleiben, aber ausserdem sowohl
die Belaubung im FrühUnge als die Ablagerung der organischen
Nahrungsstoffe und die Ausstattung der überwinternden Knospen
eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, muss die Wachsthumsperiode
von Bäumen, die ihr Laub verlieren, länger dauern, als bei denjenigen,
die es bewahren. Dagegen kann auch das umgekehrte
Verhältniss eintreten, wenn, wie bei den stetig ihre Früchte reifenden
Agrumen, die erforderlichen Leistungen sich steigern und auch
in andern Fällen kann dieser Massstab der Zeit sich ändern, sei es
dass die organische Arbeit selbst beschleunigt ist, oder dass, wie wir
früher bei der Birke und Lärche gesehen haben, der Eintritt oder
das Ende der Wachsthumsperiode an geringere Wärmegrade, als bei
anderen Bäumen, geknüpft sind.
Bei den immergrünen Nadelhölzern tritt nun also allgemein in
den Vordergrund der Lebenserscheinungen, dass, da die Periode der
Belaubung erspart wird, die Vegetationszeit sich verkürzen kann.
Sobald die Wärme des Frühlings auf sie einwirkt, beginnt die Ernährung
aus den unorganischen Umgebungen unmittelbar. Allein
der Vortheil der Zeitersparimg erstreckt sich vielmehr auf den Anfang,
als auf das Ende der Wachsthumsperiode. Wenn die Nadel
der Kiefern drei, die der Tannen sogar zehn Jahre und länger sich
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