
304 III. Mittelmeerg-ebiet. Tamiirmden-, Mimoseen- mid Esclienform. 305
von hier in die Küstenlandscliaften der östlichen Halbinseln hinabsteigt.
Wir werden sie in der Folge näher zn betrachten haben,
aber schon hier ist ein Verhältniss zn erwähnen, woraus ihre klimatische
Stellung hervorgeht. Durch keine Pflanzenform wird das
persisch-anatolische Hochland bestimmter charakterisirt, als durch
dieTraganthsträncher [Astragalus sect. Tragacantha), ÜQrerv gedrängte,
zierliche Fiederblätter in Dornen auslaufen, und deren Stämme,
nachdem die Blättchen abgefallen, durch die stechenden Blattstiele,
die sich dauernd erhalten, noch viel stärker bewaffnet sind. Diese
Strauchform nun bewolnit nicht bloss die Küsten Thraciens und
Macédoniens {A. thracicus), sondern auch die höclisten und entlegensten
Berge des ganzen Mittelmeergebiets, vom Athos und vom Ida in
Kreta bis zum Aetna und zur Sierra Nevada, ja sogar bis zur südlichen
Alpenkette {A. aristatus). Fast alle diese Traganthsträncher
im Westen und Süden des Mittelmeergebiets wachsen auf alpinen Gebirgshöhen.
Welche klimatische Verwandtschaft besteht nun zwischen
dem Steppenklima Vorderasiens und dem Aetna? Gemeinsam
ist die Ktirze der Vegetationszeit, es ist ein ähnliches Verhältniss,
wie dasjenige, welches die alpine Region mit der arktischen Flora
und in einigen Fällen auch mit der der russischen Ebenen verbindet.
Die Verkürzung der Stengelglieder, die wir bei den Traganthsträuchern
finden, ist das Gegentheil von den langgestreckten Ruthen des
Spartium, sie ist ein Ausdruck für verkürzte Entwickelungsperioden,
wo die Blätter möglichst rasch sich entfalten müssen, um Zeit fiir.
ihre Thätigkeit zu gewinnen. Dieser Bau wiederholt sich auch bei
anderen Dornsträuchern, deren Heimath im Osten liegt (z. B. Acantholimon,
Potermm spinosum). Wo der Winter neben der trockenen
Jahrszeit das Pflanzenleben einschränkt, treten solche Bedingungen
ein. Deshalb steigen dieTraganthgebüsche in der Nähe der Steppengrenze
bis zur Küste Thraciens hinab, bewohnen in Griechenland
niedrigere Höhen, als weiter westwärts, und sind in Spanien gleichfalls
nicht bloss in der alpinen Region, sondern auch in den tieferen
Plateaulandschaften vertreten [A. Clusii). Nur eine Art fügt sich
diesem Verhältniss nicht, indem sie, dem Westen eigenthümlich,
noch an der Küste der Provence angetroffen wird {A. massiliensis).
Die orientalischen Dornsträucher bieten nun aber ausser ihrer kürzeren
Entwickelnngszeit noch ein anderes klimatisches Moment dar,
indem sie eben wegen ihrer Dornen der Dürre zu widerstehen geeignet
sind. Auch in dieser Beziehung finden sie, wie wir weiter
unten sehen werden, in der alpinen Region Südeuropas ähnliche Bedingungen
wieder, wie in den Steppenlandschaften, und sind daher
von den feuchteren Gegenden der nördlichen Alpenketten ausgeschlossen.
An Mannigfaltigkeit der Arten stehen die. Dornsträucher .
im Mittelmeergebiet der Steppenflora bei Weitem nach, namentlich
wenn man die Genisteen und andere Uebergangsformen nicht berücksichtigt.
Im Ganzen zähle ich etwa 30 entschieden hieher zu ziehende
Arten, die zu 13 Gattungen und 8 Familien gehören.
Kehren wir nun, nachdem wir das immergrüne Laubblatt bis
zu den Strauchformen begleitet haben, wo es sich verliert, zu den
iibrigen Bestandtheilen der südeuropäischen Wälder zurück , so erscheint
uns dieses Gebiet wie geschaffen, die nördlichen Zonen mit
den Tropen zu verknüpfen. Denn das Klima hindert weder die
Baumformen des Nordens, in dasselbe einzutreten, noch versagt es
sich durchaus gewissen tropischen Erzeugnissen. Wie dies schon
bei den Agrumen Indiens sich zeigte, so ist es auch durch die Mimoseenform
und die Palme Afrikas angedeutet. Was aber die Baumformen
Nordeuropas betrifft, so ist ein doppeltes Verhältniss zu
unterscheiden, indem theils dieselben Arten und diese gewöhnlich
nur in den Bergregionen wiederkehren, theils neue Vertreter derselben,
die des milderen Winters bedürfen, an den warmen Küsten,
andere ebenfalls im Gebirge ihre Heimath haben.
Mit dem immergrünen Fiederblatt der tropischen Tamarindenform
stimmt die Karube [Ccratonia) überein, durch das feste Gewebe
ihres glänzenden Laubes bildet sie den Uebergang zum Lorbeer und
ist ein Monotyp der immergrünen Region, dessen süsses, in einer
Hülse eingeschlossenes Fruchtfleisch dem Baum eine eigenthümliche
Stellung unter den Nahrungspflanzen anweist. Die zarten Bildungen
mehrfach zusammengesetzten Laubes, die der Mimoseenform angehören
und im tropischen Afrika so gewöhnlich sind, kommen nur in
den östlichen, asiatischen Landschaften vor, wo sie von Aegypten
aus an der syrischen Küste sich zeigen und sporadisch ziemlich weit
nach Norden gehen, indem ihre Polargrenze am Bosporus und am
kaspischen Meere liegt (z. B. Alhizzia Julihrissin). Dies ist also eine
der Pflanzenformen, wodurch die Beziehungen zwischen dem Klima
G r i s e b a c h , Vegetation der Erde. I. 20
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