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352 III. Mittelmeergebiet.
Mistral begünstigt wird. Demi obgleich die Ostpyrenäen um zwei
Breitengrade südliclier liegen, steigt die immergrüne Region noch
um mehr als 200 Fuss höher am Mont Ventoux hinauf, als dort, wo
sie sogar um 900 Fuss unter der Grenze der Olivenkultur von Nizza
zurückbleibt.
Ueber die Gebirge von Korsika liegen keine Messungen der
Vegetationsgrenzen vor ; doch wissen wir i«), dass über den Maquis
der immergrünen Region mehrere Waldgürtel folgen, zuerst die Kastanie
, dann die Laricio-Kiefer, bis zuletzt am Monte d'Oro die
Baumgrenze durch die Buche gebildet wird. Am Genargentu in Sardinien
liegt die durch Erlenwald bezeichnete Grenze der Baumvegetation
im Niveau von 5100 Fuss i ^").
Von den Regionen des Apennins hat Tenore ausführliche Nachrichten
gegeben, die sich vorzugsweise auf die Abruzzen, den höchsten
Theil des Gebirgs, beziehen. Allein seine Höhenangaben verdienen
wenig Vertrauen, da sie mit den Durchschnittswerthen verglichen,
welche wirSchouw verdanken, viel zu niedrig sind. Tenore
bemerkt selbst, dass die Regionen der kalabrischen Apenninen höher
liegen, als in den Abruzzen, und bei diesem Anlass erwähnt er, dass
Wälder der breitblättrigen Erle {Ahus cordifolia) den grössten Theil
des Gebirgs von Basilicata und Kalabrien bedecken, während er
diesem Baum in der Gesammtübersicht seine Stelle in der immergrünen
Region anweist. Ich beschränke mich daher auf die weniger
vollständigen, aber zuverlässigeren Angaben Schouw's ^04) tmd füge
diejenigen Philippi's über die Regionen des Aetna 9«) hinzu.
A p e n n i n (Mittelwerthe).
Immergrüne Region (0—1200').
Waldregion (1200-6000'):
Kastanie
Eiclie [Q. pediinmlata)
Buche und Edeltanne (P. Picea) 2500 ' (Bologna)
Alpine Region (6000-9200').
f Ae t n a .
Immergrüne Region. Olivenkultur (0—2200').
Waldregion (2200-6200') :
Weinbau — 3300 ', Kastanie — 3900';
Eichenwald (Q. pubescem] — 5500 ';
3000'
3500'
6000'
Regionen in Korsika u. Sardinien, in den Apenninen u. am Aetna. 353
Buche 3000—6000 ';
Birke 4760-6100';
Laricio-Kiefer 4000—6200', in gleichem Niveau ein Genisteenstva
nch. [Gonocytisus aetnensis "¿990—6000').
Alpine Region (6200-8950') :
Subalpine Sträixcher, in die Waldregion hinabsteigend — 7500 '
[Jwiiperus hemisphaerica 4700—7110', Berheris aetnenns
5000—7110', Astragalus siculus 3200—7500');
Alpine Stauden, gering an Zahl und zerstreut wachsend — 8950 '.
Der wesentlichste Unterschied der italienischen von den spanischen
Gebirgen besteht also darin, dass Wälder, die im Winter ihr Laub
verlieren, unmittelbar über der immergrünen Region beginnen, und
dass, da die Baumgrenze fast in gleicher Höhe liegt, dieselben eine
unverhältnissmässig viel breitere Zone einnehmen, als in Spanien,
wo der Cistengürtel sich in ihrem Bereich entwickelt und die mitteleuropäischen
Pflanzenformen auf einen engen Raum zurückdrängt.
In der alpinen Region und in deren Nachbarschaft ist die Aehnlichkeit
der Sierra Nevada mit dem Aetna weit grösser, als mit den
Alpen; den Piorno-Strauch kann man mit der ätneischen Genistee,
die sich auch auf den Gebirgen Sardiniens finden soll, vergleichen,
und ebenso die alpinen Traganthsträucher zusammenstellen, die im
Süden an Bedeutung zunehmen. Aber die Mannigfaltigkeit der Vegetation
ist in den höheren Theilen des Aetna weit geringer, als auf
anderen Bergen; über der Baumgrenze konnten nuv etwa 50 Arten
verzeichnet werden, und 1200 Fuss unterhalb des Gebiets verlieren
sie sich ganz, während Boissier auf der Sierra Nevada noch gegen
120 Arten über der Grenze der alpinen Sträucher antraf. Die Ursachen
von der Pflanzenarmuth des sicilianischen Vulkans hat
Philipp! auf das Klarste nachgewiesen, die Trockenheit des Bodens,
das Hinderniss, welches die stets erneuerten Ueberschüttungen von
eruptiven Massen der Bekleidung mit Vegetation bieten, vorangestellt,
aber auch den durch die isolirte Lage des Bergs erschwerten Austausch
mit anderen alpinen Vegetationscentren berücksichtigt. Mit
der Befriedigung, welche die Anwendung richtiger Methoden auf das
Verständniss der Natur gewährt, muss ich anerkennen, dass jener
ausgezeichnete Forscher schon im J. 1832 von denselben Grundsätzen
sich leiten liess, aus welchen auch meine Ansichten über die
heutige Anordnung der Vegetation entstanden sind. Nur in einem
G1- i s e b a ch, Vegetation der Erde. I. 23
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