
J 4 2 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
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Kinde den passendsten Namen gab. An die übrigen, welche vorher
sclion erwähnt wurden, knüpfe ich nur noch einzelne Bemerkungen.
DieEiclie mit gestielten Eicheln {Q.uercus peckmcidala) und die Winterlinde
[Tllia parvi/oUa) schliessen den Bezirk ihrer Nebenarten, der
Trauben-Eiche (Q. liobtir) und der Sommerlinc\e {2\ granclifolia], in
sich em und gehen weit über deren Grenzen hinaus. Dies ist ein
Verhältnisse welches sich häufig bei nahe verwandten Arten wiederholt
und das sich nach Darwin s Lehre zwar leicht erklären, aber
ebeuso wohl auch mit der Vorstellung vereinigen lässt, dass
von einem Vegetationscentrum zwei ähnliche Organisationen von ungleicher
klimatischer Sphäre ausgingen, von denen daher die eine sich
über einen grösseren Kaum ausbreiten konnte, als die andere. Die
Polargrenze der Winterlinde stimmt mit der der Eiche nicht ganz
übörein. An der norwegischen Küste (62<') bleibt sie hinter der
letzteren zurück, und da in Russland an der Dwina (62 das Gegentheil
stattfindet, so hält sie sich mehr an eine bestimmte Polhöhe,
als die Eiche, ohne dass selbst die Erwärmung durch den Golfstrom
auf ihr Fortkommen einzuwirken scheint. Dies hat jedoch wohl nur
örtliche Ursachen, da sie sogar an der Ostküste Schwedens (63^)
weiter nach Norden geht, als die Eiche. Die drei Ahornbäume,
welche in einem grossen Theile Mitteleuropas einheimisch sind [Acer
oamimtre, platanoides u. pseudoplatanus), erreichen die Polargrenze
der Eiche nicht, sondern bleiben in verschiedenem Abstände hinter
derselben zurück. Die Esche [Fraxinus excelsior) tritt selten in
grösseren Beständen auf, aber der Westseite der norwegischen Fjelde
(60—610), wo die Nadelhölzer zurücktreten, verleiht sie den freundlichen
Schmuck des Laubwaldes : der feuchte Sommer von Bergens
Stift ist ihr günstig und noch mehr das Ausbleiben der Herbstfröste,
weshalb ihr Vorkommen in Kussland in östlicher Kichtung sich vereinzelt.
Noch sporadischer treten die drei europäischen Ulmen auf
[Ulmus campestris, montcma u. efficsa), die in einzelnen Stämmen dem
Laubwalde beigemischt zu sein pflegen, aber wegen ihrer Aehnlichkeit
in den meisten Gegenden nicht unterschieden werden. Die
schwarze Erle [Alnus glutinosa) ist an die Nachbarschaft des fliessenden
Wassers gebunden und bildet insofern einen Uebergang zur
Weidenform. Von den wilden Obstbäumen gehören endlich in diese
Gruppe die süsse Kirsche [Pnimis avium), der Apfel- und der Birn-
Laubhölzer. 1 4 3
bäum [Pyrits mahis u. communis) : keiner derselben geht so weit nach
Nordosten, wie die Eiche, und wiewohl der Apfelbaum, der härteste
von ihnen, in Norwegen bis zu deren Polargrenze fortkommt, erträgt
er in Kussland nicht einmal das Klima von Petersburg. — Eigenthümliche
Bäume besitzt die russische Eichenzone nicht, aber, wie
früher schon bemerkt wurde, nimmt sie zu den mitteleuropäischen
Laubhölzern noch den Ahornbaum der unteren Donauländer [Acer
tataricum) auf, der in dieser Kichtung die Zone der Cerris-Eiche
überschreitet.
Sieben Arten von laubtragenden Bäumen entsprechen mehr oder
weniger genau dem ganzen Umfange des Buchenklimas, ausser der
Buche selbst [Fagus sylvatica) die Hainbuclie [Carpinus Betulu^], die
Traubeneiche [Querciis Robur)^ der Fliederbaum [Smnbucus nigrcc)^
die Sommerlinde [Tilia grandifoUa] und zwei Ebereschen [SorbtisAria
u. torminalis). Unter diesen Laubhölzern weicht der Fliederbaum
am meisten von der Buche ab, der an der Küste Norwegens sogar
noch über die Eiche hinaus nach Norden geht (— 64 o), ohne dass
derselbe sich in Russland jenseits der Buchengrenze in wildem Zustande
finden soll. — Eigenthümlich ist den südlichen Landschaften
Skandinaviens eine Art von Ebereschen, welche von dort aus die
Ostsee bis zu den deutschen und finnischen Küsten überschritten
hat [Sorbus intermedia Pers, Syn. S. scandica Fr.). Ferner bewohnen
13 Laubhölzer einzelne Abschnitte des Buchenklimas, südlichere,
meist aus den Gebirgen des Mittelmeergebiets stammende Formen,
welche von auswärts in das Gebiet eintreten. An die Kastanie
[Castanea vesca) reiht sich ein Ahorn, der aber hier gewöhnlich
strauchartig bleibt [Acer monspessulaniim) , an die Zone der Edeltanne
ein anderer Ahorn [A. opulifoVmm), zwei sporadisch vorkommende
Ebereschen [Sorbus domestica n. hyhrida) und die Staphylea
[S. pinnata): beiden Zonen gemeinsam ist die südeuropäische, beliaarte
Eiche [Quercus puhescens). Die übrigen rücken bis zu ver^-
schiedenen Punkten an der unteren Donau aufwärts, am weitesten
die Cerris-Eiche [Quercus Cer^is), dann die Silberlinde (Tilia argenteci),
die Syringa [Syringa vulgaris), bis zum Banat eine zweite Ijinde des
Orients [T. rubra) und ein Nussbaum [Corylus Colurno) ; die saure
Kirsche [Prunus Cerasus) ist nur in Bosnien und Illyrien einheimisch
gefunden worden.
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