
n!
1
^ r;ii
Ii!
Ii -T Z
ü i
! t
180 IL Waldiiebiet des östlichen Kontinents.
anstehende Gestein lässt den Charakter des skandinavischen Nordens,
sobald man jene Hügel zwischen Schonen und Hailand überschreitet,
sogleich auffallend hervortreten, der nun bis nach Lappland
unverändert bleibt. Bäume mit flacher Wurzelausbreitung, wie
die Fichte, können hier ungestört sich vervielfältigen. Ueber dieser
Nadelholzregion, die in den Alpen die Baumgrenze zu bilden pflegt,
ist in Skandinavien bis zur alpinen Flora allgemein noch ein Gürtel
von Birkenwäldern eingeschaltet. An der westlichen Abdachung
von LLardanger (60 folgen die Birken unmittelbar dem Eschenwalde
und den Wiesen des Fjordgestades oder wachsen bis zum Ufer mit
jenem Laubliolze gemischt. An seinem oberen Saume verkümmert
der Birkenwald zu Gesträuch und wird hier von hohen Stauden begleitet,
die den subalpinen Gewächsen der Alpen entsprechen : es ist
die Region der Acomten [Aconitum septentrionale mit Ranuncuhis platanifolius),
welche hier mit der strauchförmigen Birke, dort mit der
Fichte in Gemeinschaft wachsen. In Lappland zeichnet sich die
Birkenregion durch hohen Graswuchs aus : nicht bloss in den geschlossenen
Beständen bekleidet eine Rasendecke den Boden, es sondern
sich auch fruchtbare Wiesen aus, deren Gräser iCalamagrostis)
zuweilen beinahe Mannshöhe erreichen .
Die alpine Region beginnt mit einer geselligen Vegetation von
Zwergbirken [Betula nana)^ die auf dem Fjeldplateau die Rhododendren
der Alpen vertreten. Es ist ein armhoher Strauch, der das
Brennholz für die Sennhütten liefert. Ueber den Zwergbirken folgen
kleinere, zerstreuter wachsende Gesträuche, Vaccinien (F. Myrtülus)
und ähnliche. Beeren tragende Gewäche [Empetmm), zwischen denen
die alpinen Stauden anfangen den Boden zu bekleiden, welche sodann
die mittleren Höhen der Region einnehmen. Allein diese Formation
ist weder an Mannigfaltigkeit noch an Ueppigkeit des Wachsthums
mit den alpinen Matten der Alpen irgend zu vergleichen. Auf
fünf Fjeldreisen, die einer Weglänge von etwa 30 g. Meilen entsprechen,
habe ich in Hardanger nur gegen 100 Arten von Gefässpflanzen
in diesen alpinen Höhen auffinden können, unter denen
gewisse Stauden zwar durch Häufigkeit der Individuen und durch
liebliche Blüthenfarben den Reiz bunter Gebirgsvegetation gewähr -
ten, aber ohne Höhe und Dichtigkeit des Wuchses. Der ärmliclie
Rasen besteht fast nur aus Gräsern, nicht, wie in den Alpen, zugleich
Skandinavische Fjelde." 181
aus nahrhaften Kräutern. Ich bemerkte , dass in Hardanger
zwei Arten von alpinen Stauden beinahe die einzigen waren, die
einen wirklichen Rasen bilden, und diese sind nicht grösser als Laubmoose
[Gnaphalhim supimim u. Sihhaldia procu7nhens). Noch mehr
wird der Werth der alpinen Formationen auf den Fjelden durch die
ungünstige Bewässerung des Bodens eingeschränkt, indem in der
Tiefe der Terrainwellen sich Sümpfe und Torfmoore erzeugen, deren
Pflanzendecke grösstentheils aus Cyperaceen, aus Seggen und Wollgras
besteht [Carex, Eriophoriim). Der oberste Vegetationsgürtel
endlich wird auf den norwegischen Fjelden und in Lappland aus
Erdlichenen und Moosen gebildet, einer Formation, die in dieser
Ausdehnung den mitteleuropäischen Hochgebirgen ganz fremd ist.
Bis zu ihnen steigen die alpinen Gefässpflanzen nicht hinauf, nur die
Zwergweiden begleiten sie noch [Salix herbacea u. a.). Die Abnahme
der Wärme, die Verkürzung der Vegetationszeit spiegelt sich charakteristisch
in der Reihenfolge der Weidenarten ab, die in vertikaler
Richtung einander ablösen : zuerst umsäumen sie als mannshohe
Sträucher gesellig das Ufer der Bäche und Flüsse, ehe diese
über den Rand des Fjeldplateaus, oft in grossartigen Wasserfällen,
herabstürzen, dann folgen immer kleiner werdende Arten, bis zuletzt
jene Zwerggestalten übrig bleiben, bei denen das Holzgerüst im
Boden zurückgehalten wird und die zolllangen Triebe, unter den
Moosen und Eichenen verborgen, in wenig Tagen ihre Kätzchen
reifen können, sobald ein heiterer Himmel ihre Entfaltung einleitet.
Die geringe Neigung der welligen Hochebene ist es, wodurch die
Feuchtigkeit sich überall verbreitet und, indem sie den Boden gleichmässig
tränkt, auch nur die Temperatur des schmelzenden Schnees
dem obersten Vegetationsgürtel zuführt, die die Gefässpflanzen zurückdrängt
und fast nur kryptogamische Bildungen übrig lässt. Auf
steileren Gebirgsketten, wo der schmelzende Firn in Gletscherthälern
sich einengt und unmittelbar aus diesen die rauschenden Alpenbäche
entspringen, können die alpinen Matten bis zur Schneelinie emporsteigen.
Die Fjelde hingegen sind den Bedingungen der arktischen
Flora ähnlicher, als denen der Alpen, und, je nachdem mehr oder
weniger Erdkrume sich sammelt, bedeckt sie, wie dort, entweder
der grüne Moosrasen oder der Teppich von Erdlichenen mit seiner
bunten, aber fahlen Färbung [Cladonia, Cetraria). Das Fjeldplateau