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310 III. Mittelmeergcbiet.
Asiens seine Ileimath habe, dadureli den Chinesen im Osten ^ vielleicht
anch den Griechen im Westen bekannt ward, dass aber die
Ersteren, die Bewohner des alten Sericnm, die Benutzung des Gespinnstes
der Seidenraupe erfanden und bis in das sechste Jahrlmndert
unserer Zeitrechnung diese Erfindung als Monopol bewahrten.
Durch die veränderliche Gestalt des Morus-Blattes reiht sich
dieser Baum an die Laubformen der Linde und der afrikanischen
Sykomore, deren Vertreter in Südeuropa sich ähnlich wie die der
Buchenform verhalten. Weit seltener als die Buche ist die Birke
auf den Gebirgen des Südens anzutreffen, aber in ünteritalien gewinnt
eine Erle mit Lindenblättern [Alnus corclifoUa) bedeutenden
Antheil an der Bewaldung der Berge ; auch in Korsika kommt sie
vor und soll mit einer in den Kaukasusländern einheimischen Art
[A. subcordata) übereinstimmen. Auf der griechischen Halbinsel begleitet
die Silberlinde {Ttlia argentea) den Kastaniengürtel und bildet
in Macédonien eine schmale, scharfbegrenzte Waldregion^^) von
hohen, unvermischten und weitverzweigten Stämmen, deren Laub
durch die weisse Färbung der unteren Fläche zu dem Namen des
Baums den Anlass bot. Während aber die Kastanie nur im Westen
die Grenzen des Mittelmeergebiets bedeutend überschreitet, erstreckt
sich die Verbreitung jenes griechischen Baums in das verwandtere
Klima Ungarns. Viel bedeutender ragt in der Physiognomie der
orientalischen Landschaft die Platane [Platamis orienialis) hervor,
welche von Macédonien und Griechenland bis zu den fernen Steppenlandschaften
am Indus die Wohnsitze der Menschen zu begleiten
pflegt. Waldbestände dieses prächtigen Baums, dessen zackig gerundetes
Laub niclit bloss an den Ahorn, sondern auch an die tropischen
Bombaceen erinnert, kommen schon in den tiefen Forsten auf
dem Vorgebirge des Athos und in Griechenland vor, sollen, auch ehemals
am Fusse des Aetna vorhanden gewesen sein, aber als eigentliches
Heimathsland möchten die Gebirge der vorderasiatischen
Steppen gelten dürfen, wo die Platane am Taurus bis über
5000 Fuss ansteigt Hierfür spricht auch der Umstand, dass der
nahe verwandte Storaxbaum (Liquidamlar orientale) auf einen kleinen
Raum am pisidischen Taurus beschränkt ist und also das gemeinsame
Vegetationscentrum nicht verlassen hat. Es liegt nahe, hiebei
die Thatsache anzuführen, dass beide Bäume in Nordamerika durch
Lindenform. - Sykomorenform. - Weidenform. 311
überaus ähnliche Arten ersetzt werden, so dass der Storaxbalsam
von zwei so entlegenen Ursprungsländern in den Handel kommt und
die beiden Platanen in den Gärten häufig mit einander verwechselt
werden. Dies ist eins der auffallendsten Beispiele, wie die entferntesten
Vegetationscentren zuweilen in ähnlichen, aber doch-nicht
identischen Erzeugnissen sich gefallen, wobei an die Uebertragung
einer etwaigen Stammart von einem Gebiete in das andere doch gar
niclit zu denken ist.
Die Sykomorenform, deren Eigenthümlichkeit näher zu erläutern
erst das afrikanische Sudan, dessen Klima ihm am meisten zusagt,
den Anlass bieten wird, tritt über Aegypten nur bis nach Syrien
in das Gebiet ein {Ficus S^ßomor^^s), aber auch der südeuropäische
Feigenbaum [Ficm Cariea) kann mit ihr verglichen und als der am
weitesten nach Norden gerückte und unter neue Bedingungen gestellte
Vertreter derselben betrachtet werden. Schon in den ältesten
Ueberlieferungen der Geschichte erwähnt und, wie man memt, aus
Vorderasien abstammend, umfasst die Feigenkultur gegenwärtig das
ganze Bereich der Mediterranflora und erreicht, da nur der wmterliehe
Frost deren weitere Ausbreitung verhindert, erst im westlichen
S e e k l i m a von Frankreich ihre Polargrenze. Ueberall innerhalb dieses
Kulturgebiets findet man den Feigenbaum, wenn auch nur zurStrauchgestalt
verkümmert, zugleich wie ein einheimisches Gewächs verbreitet,
ohne dass sich unterscheiden lässt, ob es aus den durch den
Anbau veredelten Spielarten zum Wildling zurückgeschlagen oder in
weiterem Umfange durch natürliche Kräfte von seiner Heimath aus
fortgepflanzt sei. Da der Feigenbaum in der Provence erst zu Anfang
April seine Entwickelungsperiode zu beginnen pflegt, so wäre
seine orientalische Herkunft hierin ausgesprochen, in sofern die
spät ausschlagenden Bäume entweder aus einem nördlichen oder
einem östlichen Klima abstammen. Indessen scheint bei diesem Gewächse
die Zeit der Belaubung grösseren Schwankungen zu unterliegen
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Die Weidenform, der schon der Granatbaum durch seme schmale
Blattgestalt sich nähert, hat im Süden nicht dieselbe Bedeutung, wie
in höheren Breiten. Doch giebt es daselbst einige ähnhche Baume
aus verschiedenen Familien, die auf den östlichen Halbinseln häufiger
vorkommen [Elaeagmis\ Pyrus amygdaliformis).
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