
s c h e id e n d e Rolle dabei spielt. Daß im allgemeinen nur die näher verwandten Formen
völlig homologe. Konvergenzprodukte aufzuweisen haben, ist selbstverständlich.!
Ferner möchte ich betonen, daß es sich hier um Erscheinungen handelt, welche im
allgemeinen nichtifiinfach durch die vergleichend-anatomische Untersuchung des betroffenen
Organes öder Ofgankomplexes beurteilt werden können^sondern wo die gesamte Organisation
der betreffenden Organismen zu prüfen ist. Jedenfalls sind die Macht und Bedeutung
der Konvergenz noch nicht genügend erkannt, und deshalb hat auch ihr Studium noch
nicht die wissenschaftliche Vertiefung ' erfahren, die es verdient.
Ich habe liier das Prinzipielle der- Konvergenzfrage nur streifen können. Dagegen
dürften die beiden durch die vÄJiegenden Untersuchungen aufgeklärten Fälle geeignet
sein, einige Seiten dieser Erscheinung zü veranschaulichen.
K«wUchen” Der ***** Fal1 b*trifft die Konveii|feüz zwischen zwei Insectivorengattungen ausj|ef-
EHn^ceus «^«dunen Unterordnungen, nämlich den Erinaceiden Frinaceus und den Centetiden’Ericulus.
Erl""?«. För die BeiHteüung.'und Verwertung dieses F f lK l ie g e n die Verhältni^.^zunächst
ric US. deshalb besonders günstig, weil def Verwandtschaftsgrad der beiden Formen auch ggn&ySfc
annähernd festgestellt werden kann. Ermaceus:: ast nämlich, • wie ich fr ü h e r^ * nachgew'Msen
habe, eine der wenigen heute lebenden Säugetiergattungen, welcheSfchon im Eöcää auftraten
und . also jedenfalls seit Anfang der Tertiärzeit mit Eridulus rjfep. '-denigentetiden in
keinem genetischen Zusammenhang gestanden hat -^ spmit dasselbe Refätät, zu dem uns
bereits die morphologischer Untersuchung geführt habt’
Sind also die genetischen Beziehungen zwischen den fraglichen, Tieren> so^gönjg,
daß sie nur durch allgemeine Ordnüngscharaktere zum Ausdruck k omm en,^ »wirdH :be-
^yysmders bemerkenswert, daß die Integumentalgebilde bei beiden, nicht nur physjelqgisohjjsg;!-
dern auch morphologisch, d.h. durch Differenzierung homologer Teile, eine^^^heijftb.erein-
stimmung erlangt haben, daß diese Organe, für sich, d. h. ohne Zusammenhang mit der übrigen
Organisation betrachtet, unbedingt als voneinander abgeleitet aufgefaßt werden würden —
davon ganz abgesehen, daß die habituipe Ähnlichkeit ^der beiden T ieH gp groß daß
frühere Forscher (A. Wagner, Giebel) Erinaceinae und-jgentetmae zu e inM Gruppe (Aculcata)
vereinigten. Wie: nämlich aus der obigen Beschreibung hervorgeht, sind~sowo‘hl Ermaceus
als Ericulus mit Stacheln versehenj||pnd beide vermögen „sich züsammenzurollen mittelst
einer Hautmuskulatur, welche in homologer. Weise)« umgebildet, ist. Die Unterschiede) "welche
im Bau der Hautmuskulatur und des.Stachels bestehen,c^lind s.olchc, daß man vom. ein-
1 Wie mir schemt-r,h a t Romanes in seiner scharfsinnigen Kritik d er Zuchtwahltheorie (92) betreffs der uns hier
beschäftigenden Erscheinungen die Bedeutung der näheren oder ferneren Verwandtschaft überschätzt und gleichzeitig die
Möglichkeit einer „parallelen“ Entstehung gleichartiger Gebilde mit Uiireeht v e rn e in t Bei der Besprechung des Einwarides
gegen die Da rw in sch e T h eor ie , daß „ganz ähnliche Organe oder Bildungen bei weit von einander entfernten Zweigen am
Baume des Lebens zu finden sein sollen“ sag t e r (pag. 401): „Dies wäre allerdings ä n der ¿ttghtwahltheorie verderblicher
E inw and, wenn diese Organe oder Gebilde in den z’u vergleichenden Fällen einander mdht bloß an alog, sondern auch
homolog wären. Denn es is t geradezu undenkbar, daß ein. Sind dasselbe' Gebilde in zwei ganz verschiedenen Stammlinien
vermöge zweier paralleler, von einander unabhängiger Variationsreihen sich entwickelt hätte, und daß es zugleich in* diesen
beiden Stammlinien stets derselben Funktion gedient haben könnte:“ ' E s . dürfte wohl doch nur von der Beschaffenheit
der „zwe i verschiedenen Stammlinien“ abhängen, wie übereinstimmend die Konvergenzprodukte sich gestalten.
02, pag. 81.
I I I AIIerdings können wir auch von dem Zeitpunkte, w a n n die Konvergenz-einsetzte, nichts aussagen, solange der
fossile Vorfahr des Ericulus nicht bekannt.
T
N o t o r y c t e
u n d
C h r y s o-
c h l o r i s
seifig i#rgleichend-anatomischen, .Standpunkte die Zustände bei Erinaceus ohne Bedenken
von denen bei Ericulus ableiten würde.1
In Hinblick auf die eben dargelegtcn Beziehungen ist für das Verständnis des biologischen
GeScheheisi die T#|sache.,vVo.n. bBmderem. Interfsift daß die Konvergenz auch
das Zahns|gtem angegriffen hat. Hier war aber- offenbar das Material, das umzumodeln
wärJiiBh©® von zü differenter Art, als daß das- Resultat eint* Solche homologe Differenzierung
wie beim.:,Integument werden konnte: im G£fciß||lt nämlich nur eine analoge, physiologisch
mehr oder weniger gleichwertige Ähnlichkeit, keifte,(fiomöloge Übereinstimmung entstanden
» e h e oben pag.¡35, T,e*tfige LII).' ,
U « j| r Könvergenzfall lehrt üfts S o , daß bei Erinaceuibund «Ericülus, von deren
gemeinsamen Vorfahren wir itjignoch keine Vorstellung bilden können)-H,,Urinsectivoren“
sint|l)is: auf weif^Svollkommen ungreifbäre Wesen ^-isjjin Organkomplex in homologer,
ein anderes nur in analoger Wei||| umgebildet worden sind.
~ In dem zweiten, lii^j-zu besprechenden^Falle gehoien die beiden Kontrahenten so- K o n v e r g e n z
gar viersgfiiedenen Unterklassen an, nämlich No.tofw« B l l -den Beuteltieren und C h r y s o 1 zwischen
gh1o r i s den Placentaliern.
Als einen Ausdruck für die Veikennung der Miuiht der.Konvergenz erinnere ich an
a m vielen äthnften vorgetragene Ableitung’ Jflschiedener Placentalier von den ver-
schied&ieanebenden Beü'teltierformen Mit der Veittefung unserer morphologi§c|pMEin-
sicht ist man heute — wie»i|i^glaube allgemeuwIH'zu der Erkenntnis gekommen, daß die
Beuteltiere, auf ihrer Heimatinsel, geschützt vor der Konkurrenz" mit höheren Saugern, sich
de9 l ||P chiedenen- ihnen überhaupt zugänglichen Erwerbsquellen bemächtigt und angepaßt
habdh, dahei sie auch mehr ö'der weniger an die placentalen Raubtierfe, Nager, Tupajidae
U. S. w. erinnern. Während aller bei keinem anderen BeutoUicSj die morphologische An
näherung ^*J^emeil PlaceritalierEsich weiter als bis zu einer allgemeinen: 10 rdnüngs- oder
höcBsjens Familienähnlichkeit 'erstreckt, ist <lie |®3'e£Ml*iistimmung zwischen!: Notoryctes und
ChrysQchlbris eine so große, daß ein söi Scharfsinniger Forscher wie E.ijlope eine unmittelbare
Blutsverwandtschaft zwischen beiden Tieren hat annehmen können!
I ^ S Übereinstimmung äußert sich vornehmlich in folgenden Orgamsa&msverhältnissen:
V g l) Metallglanz der Haare ,'pag. 112).
iü f i Vorkommen eines Naseftschildes. (pag. 112, Textfig. C, CI).
- 'aß) Allgemeine Konfiguration des ¡Ößhadels ,(pag 65, Textfig. LIX, LX): V,
A 4 * n r iu e r Unterarmknochen“ (pag. 85, Textfig., LXXIX),
I • $ f e ez’*i*s*erunS der Hand (pag, 84, Textfig. LX XV 1II).
H \ erhalten des | 3&ramen sibturatum (pag, t f l n
e-nZ) Insertion des Muse, latissimiM) dorsi (pag. 94f.-slä
8)i)f'orm des Gehirns (pag. 104— 106, Textfig. LXXXIX^XCIII),2
1 Betreffs des Tatsachenmaterials siehe oben pag. 87— 90, 106 und T ex tfig. X C 1V, X C V . '
* Absichtlich habe ich hier die Übereinstimmung im G e b iß , besonders in der Backenzahnform nicht angeführt,
da diese, wie schon betont, ein gemeinsamer Charakter sehr alten Datums sein k a n n und nicht der Konvergenz seine
Entstehung zu verdanken braucht.