
den Verschiedenheiten Schlußsätze betreffs des Verwandtschaftsgrades dieser Familien
ziehen, so muß dies jedenfalls mit großer Vorsicht geschehen.
Eine höhere Bulla-Form ist bei Chrysochloris ebenso wie bei Talpinae dadurch erreicht
worden, daß der Annulus tympanicus sich vergrößert und mit den „Proc. tympanici“
verwächst. Da aber die Zustände in der Tympanalregion bei Talpa und Chrysochloris
s i c h e r l i c h nicht voneinander abzuleiten sind, indem im einzelnen zu große Verschiedenheiten
im Bau dieses Organs bei beiden Formen bestehen, und h ö ch s t w a h r s c h e in lic h
auch nicht einen gemeinsamen Ausgangspunkt haben, so fehlt jeder Anhalt, eine nähere
Verwandtschaft zwischen diesen Tieren auf Grund des Paukenhöhlenbaues anzunehmen, wie
Winge (77) und van Kämpen wollen.
Ethmo- und Maxilloturbinale stimmen bei Centetidae und Chrysochloridae im wesentlichen
überein; Solenodon ist nicht untersucht. Auch von dem Verhalten bei den Eri-
naceidae sind die Abweichungen geringfügig, nur ist das Maxilloturbinale bei Centetidae
einfacher gebaut als bei den letztgenannten.
Die Nasalia verschmelzen bei Centetes, Ericulus und Potamogale sehr frühe; bei
jüngeren Individuen kann festgestellt werden, daß die Verwachsung von hinten nach vorne
erfolgt, so daß bei solchen die Nasenbeine im vorderen Teile noch durch , eine Naht getrennt
sind. Auf diesem Jugendstadium bleiben, wie bereits Dobson1 betont hat, die beiden
Hemicentetes-Arten stehen. Auch bei Oryzorictes und Microgale schwindet die Naht im
Alter; nur bei Micr. pusilla (und vielleicht auch M.. cowani), sowie bei Limnogäle nach
Major (96) erhält sie sich auch beim ganz alten Individuum. Bei Solenodon paradoxus ist
sie im hinteren Teile wenigstens angedeutet, bei S. cubanus, nach Peters’ Abbildung zu urteilen,
verschwunden. Bei älteren Chrysochloris-Individuen fehlt sie stets.
Ein Rüsselknochen ist unter den Insectivora bisher nur bei S o le n o d o n paradoxus
gefunden worden.
Eine Grube im Zwischenkiefer für die Aufnahme des großen unteren Eckzahns ist
sowohl bei Centetes (Fig. 35) als bei Oryzorictes (Fig. 11) vorhanden. Dieselbe bildet sich
schon beim ganz jungen Tiere aus, bevor C auftritt, wodurch die hintere Wand.des dritten
oberen Schneidezahns resorbiert wird.2 Bei Hemicentetes« nigriceps ist an entsprechender
Stelle eine deutliche Einkerbung vorhanden, bei H. semispinosus fehlt auch diese.
Der G e l e n k k o p f des P r o c e s s u s c o n d y lo id e u s hat bei der Mehrzahl der
untersuchten Centetes-Individuen seine größte Ausdehnung in der Sagittalebene und ragt
nur medialwärts über den Ramus mandibularis hinaus (Textfig. LXXII a); bei" anderen
Exemplaren ist der Kopf mehr gerundet, so daß Längs- und Querdurchmesser’ etwa gleich
groß sind; bei anderen wiederum überwiegt der Querdurchmesser, und der Gelenkkopf
ragt auch lateralwärts über den Ramus mandibularis hinaus (Textfig. LXXH b),r Diese Verschiedenheiten,
welche durch Zwischenstadien verbunden werden, sind nicht vom-Alter abhängig,
sondern individuell.
An Befunde von Centetes schließt¿sich H em i c e n t e t e s n i g r i c e p s (Textfig.
LXXII c) an: der sagittale Durchmesser des Gelenkkopfes ist nur wenig größer als der
* 82 pag. 75'.
* Vergleiche auch oben pag. 10.
trahsverselle; dagegen ist bei H. s em i s p in o s u s (Textfig. LXXII d) die Verlängerung
desselben in der Sagittalebene noch weiter gediehen als bei Centetes.
a -b c d
Textfig. LX X II. Ramus mandibularis, von oben gesehen, a und b von C e n t e t e s e c a u d a t u s , c von H e m i c e n t e t e s
n i g r i c e p s , . d von H e m i c e n t e t e s s e m i s p i n o s u s . a und b */,, c und d 3V» nat. Gr.
Bèi E r i c u lu s ist der transverselle Durchmesser stets dem sagittalen überlegen,
wenn auch bei verschiedenen Individuen in verschiedenem Grade.
Bei allen O r y z o r ic t in a e ist der Gelenkkopf stark transversell verlängert, somit
mehr oder weniger walzenförmig. Dies ist besonders bemerkenswert deshalb, als damit bewiesen
wird, daß die Beschaffenheit des Zahnsystems keinen Einfluß auf die Form des Gelenkkopfes
ausgeübt haben kann, da das gleichartige Zahnsystem von Centetes und Oryzorictes
mit einem verschiedenartigen Gelenkkopf vergesellschaftet ist. Mit Hinblick auf den
Umstand, daß auch bei den übrigen Insectivoren der Gelenkkopf walzenförmig ist, dürfte
es keinem Zweifel unterliegen, daß der bei den Oryzorictinae vorkommende Zustand der
ursprünglichere ist.
Ein P r o c e s s u s s u b a n g u la r is ist bei H em ic e n te te s gut ausgebildet (Fig. 40,
42> 44> 45)- Centetes deutet ein Winkel am unteren Kieferrande diese Stelle an. Von
den übrigen hier untersuchten Insectivoren kommt er nur noch bei S o le n o d o n vor.
Auffallend ist das Vorkommen, resp. die Ausbildung dieses Processus, welcher bei
den darauf untersuchten Tieren stets dieselben Beziehungen zum Musculus digastricus aufweist,
bei denjenigen Formen, welche sich durch Abschwächung des Gebisses auszeichnen,
wie es-außer-bei Hemicentetes auch bei O to c y o n , einigen P h o c a - und O ta r ia -A r ten ,
L o n c h o g lo s s a e a u d i fe r a und M e lu r su s là b ia tu s der Fall ist. Daß aber nicht die
Reduktion des Gebisses’ einen genügenden Erklärungsgrund für sein Auftreten abgeben
kann, folgt teils aus der Tatsache, daß bei vielen Tieren mit reduziertem Gebiß, wie Dasy-
podidae, Eupleres etc. diesei Fortsatz fehlt, teils daraus, daß er bei den mit obengenannten
Formen’verwandten C a n i s- 'ö a n c r iv o ru s , l i t t o r a l i s , N y c t e r e u t e s und den meisten
Ursus-Arten, welche alle ein gut ausgebildetes Gebiß besitzen, ebenfalls vorkommt.
Die Gehörknöchelchen von M ic r o g a le d o b so n i, O r y z o r ic t e s t e t r a d a c ty lu s ,
C e n te te s C c au d a tu s und H em ic e n te te s n ig r ic e p s sind untersucht worden. Im Gesamthabitus
ähnelt der M a lle ü s ;, welcher Sich bei den genannten Tieren übereinstimmend
verhält, am nächsten demselben bei S o r ic jd a e und E r in a c e id a e . Processus gracilis ist
bei den fraglichen Centetidae nahe seiner Basis von einem Foramen für die-Chorda tym-
G e h ö r -
k n ö c h e l c h e n.