
stark rückgebildet ist. Übrigens hat schon Wo l f g r amm auf die Verkümmerung der Tympanalblasen
bei seinen in Gefangenschaft geborenen Wölfen hingewiesen.
In der Weite der Orbita findet S t u d e r zwischen Schakal und C. palustris einen spezifischen
Unterschied und gibt auf p. 18,19 folgende Zahlen an:
Schakale. Torfhunde.
Orbitalänge: 32 31 33 30 32 32 28 28 ' 28 30 28
Orbitahöhe: 25 25 27 24 26 26 24 24 25 26 26
Daraus findet S t u d e r für das Verhältnis der Orbita-Länge: -Höhe folgende Zahlen:
Schakale. - Torfhunde.
7 :1 6 :1 6 :1 6 :1 6 :1 4 :1 4 :1 3 :1 4 :1 2 :1
Ich glaube nicht, daß S t u d e r darauf bestehen wird, daß es sich bei den Zahlen der letzten
Reihe wirklich um die Verhältniszahlen der beiden darüberstehenden Reihen handelt. Ich berechne
sie daraus vielmehr beim Torfhund wie 1,18: 1 1,18:1 1,12: 1 1,18: 1 1,06: 1. Das sind aber Zahlen,
wie sie ebenso gut in die für die Schakale auf Tab. III,2 festgestellten Verhältniszahlen passen als
in die der Wölfe. Berechne ich die Differenz der Orbitalänge und der Orbitahöhe, so schwanken die
auf Tab. II gemessenen Wölfe zwischen 4 und 13 (Tab. III,2) und die auf Tab. I gemessenen Schakale
zwischen 0 und 9 (Tab. I II ,2). Es geht daraus hervor, daß im allgemeinen die Differenz zwischen
Orbitalänge und Orbitahöhe bei den Schakalen geringer ist als bei den Wölfen, bei jenen würde sie
im Durchschnitt 4—5, bei dieser 8—9 betragen. Es würden danach die Torfhunde viel besser zu
den Schakalen passen als zu den Wölfen. Aber ich möchte hieraus keine Schlüsse ziehen, denn schon
Wo l f g r am m (46) weist in der Erklärung zu seinen Figuren auf die großen Augenhöhlen seiner
in der Gefangenschaft geborenen Wölfe hin. Übrigens wenn es richtig ist, was Wo l f g r am m
sowohl wie S t u d e r annehmen, und was auch meine Meinung ist, daß man sich die Veränderungen
am gefangenen Canidenschädel und somit auch Hundeschädel am besten dadurch vergegenwärtigt,
daß auf den plastisch gedachten Schädel von vorn und hinten ein Druck geübt wird, so muß dies
natürlich auf die Augenhöhle auch seine Wirksamkeit haben. Der vordere Augenwinkel wird zurückgedrängt,
dadurch richtet sich der vordere Augenrand steiler auf, die Orbitahöhe nimmt natürlich
mit der Höhe des ganzen Schädels zu, der untere Augenrand wird nach außen gedrängt, wodurch
die Augenachse sich zur Längsachse des Schädels steiler stellt; mit einem Wort, alle Unterschiede,
die wir zwischen Wolfs- und Schakalauge feststellten, werden ausgeglichen, aus dem Wolfsauge muß
ein Schakalauge werden.
Was die Stirnhöhlen des C. f. palustris anbelangt, so finde ich sie keineswegs so stark, daß
sie einer Abstammung von Schakalen widersprechen müssen. Auch hier hat W o l f g r amm gezeigt,
daß schon bei der ersten Generation in Gefangenschaft gezogener Wölfe eine außerocdentliche
Entwicklung und Wölbung der Stirn stattfindet.
Wenn es S t u d e r schließlich als unverständlich ansieht, wie die Domestikation das Hinterhauptsloch
verändern kann, so möchte ich dem entgegenhalten, daß es wunderbar wäre, wenn von
den eingreifenden Änderungen, die der ganze Schädel durchmacht, allein das Hinterhauptsloch
unbeeinflußt bliebe. Ganz abgesehen davon, daß das Hinterhauptsloch im Verlaufe der individuellen
Entwicklung großen Veränderungen unterworfen ist, es ist in der Jugend z. B. stets viel höher als
breit, während es im Alter meistens breiter als hoch ist. Bei einem jungen Wolf mit Milchgebiß des
Stuttgarter Naturalienkabinettes No. 1733 messe ich Breite: Höhe wie 131/2: 15. Ganz abgesehen
also von diesen Veränderungen des Hinterhauptsloches im Verlaufe des individuellen Lebens, die
allein schon manche Formen beim Haushund erklärlich macht, bin ich in der Lage, nachzuweisen,
daß das Hinterhauptsloch tatsächlich bei dem Haushunde eine bei wilden Caniden nicht vorkommende
Form annehmen kann. So hat das Hinterhauptsloch bei 4 Schädeln des japanischen Tschin in der
Straßburger Sammlung ungefähr diese Form ■ Diese sonderbare Gestalt, der wir übrigens
noch bei vielen Zwerghunden begegnen, kann doch nur als Folge der Domestikation erklärt werden.
Überhaupt kann die Veränderung durch Domestikation nicht hoch genug geschätzt werden. So
finden wir bei vielen Zwerghunden, unter anderem bei 2 von den erwähnten Tschins, ein freies Interparietale,
das sich zwischen Supraoccipitale und die beiden Parietalia nur an dem hinteren Ende
einschiebt. Es hat auch Wo l f g r am m (46) direkt eine Veränderung des F. magnum bei gefangenen
Wölfen konstatiert. Auf p. 786 sagt er: „Das Foram. magn. ist bei ersterem (gefangenen Wölfen)
klein, fast kreisrund, bei letzterem (wildem Wolfe); dagegen bildet es ein schönes, größeres Queroval.“
Gehen wir schließlich noch auf S t u d e r s Einwurf ein, daß die ältesten Hunde plattschnauzig
sind, und daß Domestikation darauf ausging, den Nasenraum zu vergrößern. Man könne nun deshalb
nicht annehmen, daß bei dieser Tendenz im Anfang darauf hingearbeitet sei, einen spitzschnauzigen
Schakal plattschnauzig zu machen. Schon wer die Abbildungen und Beschreibungen der Schakale
in dieser Arbeit gesehen hat, wird gefunden haben, daß es sowohl spitzschnauzige wie plattschnauzige
Schakale gibt. Dann habe ich darauf hingewiesen, daß selbst ein Schakal mit so hoher Nase wie der
C. lupaster in der Jugend plattschnauzig ist. Im allgemeinen scheint mir der Hund im Schädelbau
infolge der Domestikation, abgesehen von sehr wenig Ausnahmen (s. o.) keine Neuerwerbungen
zu machen. Vielmehr haben wir uns die Veränderungen wohl zum großen Teil dadurch zu erklären,
daß die einzelnen Knochen und Teile zu verschiedener Zeit ihr Wachstum einstellen. So scheint
der Gesichtsschädel bei Haushunden sein Wachstum eher einzustellen im Verhältnis zu den Wildhunden
als der Hirnschädel. Darin würden wir schon eine Ursache für Plattschnauzigkeit bei einem
domestizierten Schakal finden können. Leider hat Wo l f g r amm hierüber keine Angaben gemacht.
Aber ein anderes Beispiel möge zeigen, wie vorsichtig wir in unseren Schlüssen sein müssen. W o l f g
r amm hat festgestellt, daß bei den Wölfen in der ersten Generation eine ganz auffällige Verkürzung
des Gesichtsschädels eintrifft. Es steht dies in Analogie mit Beobachtungen, die auch bei anderen
Haustieren, Rindern und Schweinen gemacht sind. Diese Verkürzung des Gesichtsteiles kann nun
im Laufe der Domestikation immer weiter gehen, und schließlich zur Mopsköpfigkeit führen, wofür
wir bei Rindern und Schweinen, ebenso auch bei Hunden genügend Beispiele haben. In manchen
Fällen fand man an diesen neuentstehenden Formen Gefallen und züchtete sie absichtlich zu immer
extremerer Ausbildung (Mops, Bulldogge). In anderen Fällen legte man keinen großen Wert darauf,
trotzdem trat aber eine Verkürzung ein, nur wurde sie nicht beachtet, nicht absichtlich weiter
gezüchtet. Als dann Ende des vorigen Jahrhunderts mit dem Aufschwung des Interesses für Hunde
auch eine rationelle Züchtung einsetzte, erkannte man bald, daß diese kurzen, plumpen Schnauzen
unschön und unpraktisch waren, und züchtete auf Verlängerung derselben. Die meisten Hunderassen
haben heute denn auch tatsächlich bedeutend längere Köpfe, als man sie noch vor 30 bis
40 Jahren antraf, wie man sich an der Hand alter Schädel oder Abbildungen überzeugen kann. Wir
haben hier einen analogen Fall wie bei dem Nasenrohr. Der Wildhund hat lange Schnauze, der Haushund
hatte in älterer Zeit kurze Schnauze, zeigt aber nun vielfach die Tendenz, die Schnauze zu ver