
Das Auffinden der W a n d r ip p e n in den Cristastiften (ist wohl der schätzenswerteste'
Befund der A d e lu n g s ch en Arbeit, durch den die Kenntnis vom Bau der Stifte eine bedeutende
Förderung erfahren hat, und der: uns gleiehzeitig -jime Erklärung für die Trugbilder
gibt, die seit H e n s e n von den verschiedenen Eorsch^lh als innerer TubusJte&hrieben
werden. In neuerer Zeit glaubt H erb ig,(i902 , p. 720 und | § auf Grund Seiner Studien
an den Grillenstiften diese Angaben A d e lu n g s wieder in Frage steltafc'zu dürfen. ES i^i ja
nun kaum anzunehmen, daß H e r b ig :seine (nebenbei bemerkt unrichtigen) Befunde auf die
Locustiden übertragen hat, ohne sich bei diesen orientiert zu haben, doch meine ich, .daßlbf
die bei den Cristastiften schon mit schwacher Vergrößerung deutlichen Wandverdickungen1
erkannt haben müßte, obwohl er sie: bei den Grillen übersehen hat. Adelung-beschreibt
k
Spu a.2
a Subgenualstift,
b Cristastift,
beide im optischen Längsschnitt.
ai u. b, Querschnitt durch die basale Ringzöne.
a* u. ba durch den oberen Abschnitt des Stiftkörpers.
b3 durch den Stiftkopf.
A x AxeHstrang.
E End knöpf (-f- Polstermasse ?j.
W Stiftwand.
I t Rippen.
S p u Spulenförmiges Körperchen.
T ex tfig. i2. V ergr. i : 2000.
die Rippen sehr richtig als Verdickungsstreifen der inneren Stiftwand, doch schafft er durch
seine Querschnittbilder (Fig. 4) eine ganz ändere Vorstellung ; nach diesen zu urteilen, hätte
er von einer Riefenbildung oder Kannelierung der Innenwand sprechen müssen. Sein sehe-;
matisches Bild Fig. 21 gibt die Verhältnisse viel richtiger wieder. Er ist ferner der Ansicht,
daß die Rippen nur bis an den Kopfteil reichen, den er „stets scharf gegen die Stiftwand
abgegrenzt fand“, und hält es außerdem für wahrscheinlich, daß sie im basalen Abschnitt,
„der verdickten Spitze des Stiftes“ , nicht vorhanden sind, und „daß dieser Teil durch
die hier gleichmäßig verdickte Stiftwand gebildet wird“ .
Nach meinen Beobachtungen heben sich die Rippen (Taf. IV, Fig. 25 und Textfig.
12 R) aus der im Querschnitt linienhaft fein erscheinenden Stiftwand (W) scharf heraus
und ragen leistenartig in das Stiftlumen hinein. Sie sind keineswegs auf den von
A d e lu n g angegebenen Abschnitt beschränkt, sondern z ie h e n v o n d e r B a s i s b is zur
K o p f s p i t z e an d er g a n z e n S t if tw a n d e n t la n g . In ganz derselben Weise wie bei
den Acridierstiften ist dann das Lumen der basalen Stiftzone dadurch eingeengt, daß die
Rippen stärker nach innen zu vorspringen; sie lassen auch hier nur eine feine cylindrische
Röhre frei, die eben genügt, um dem Achsenfaden. den Durchtritt zu gestatten, doch
f in d e t , wie schon erwähnt, hierbei k e in e p a a rw e i s e V e r e in i g u n g d e r R ip p e n
s ta tt . Bis zum basalen Rande verlaufen sie in gleichem Abstande voneinander, bei den
großen, basalwärts sich stark zuspitzenden Cristastiften kommen sie aber am unteren Ende
so dicht aneinander zu liegen, daß sie um die Öffnung einen geschlossenen Ring zu bilden
Scheinen. In der mittleren hellen Stiftzone, die von der eben beschriebenen basalen Erhöhung
bis zum Stiftkopf reicht, behalten sie die gleiche Höhe. S o b a ld s ie a b e r mit
dem K o p f in h a l t in B e rü h ru n g k om m en , p la t te n s ie s ic h ab. S ie w e rd en b a n d a
r t ig f la c h und b r e i t und s in d in d ie s e r F o rm dann b is zur S p itz e zu v e r fo
lg en d Während Sie im Stiftkörper nach innen vorspringen, sind sie im Kopfteil gewissermaßen
nach außen gedrängt, so daß sie hier flache Kanten bilden; es ist jedoch
möglich, daß dieses Hervortreten der Rippen nach außen erst post mortem durch
Schrumpfung des Kopfinhaltes entstanden ist (Fig. 25* R). Nach der äußersten Spitze zu
werden die Rippen natürlich schmäler und dünner. Wegen der Wichtigkeit dieser Befunde
will ich hinzufügen, daß das Vorhandensein von Rippen am Stiftkopf nur in Querschnitten
zu konstatieren ist, daß ich das geschilderte Verhalten aber mit absolutester Sicherheit, besonders
ah den großen Cristastiften, festgestellt habe. Aus den Querschnitten habe ich
ferner ersehen können, daß eine je d e R ip p e k e in E in z e l in d iv id u um , so n d e rn e in e
D o p p e lb i ld u n g is t , die aus zwei symmetrischen Hälften'besteht; in Schnitten durch den
Stiftkörper (Fig. 25® R) ist die Zweiteilung äußerst deutlich. Die Kenntnis dieser Struktureigentümlichkeit
ist für die Beurteilung der Zahl der Rippen von Wert. A d e lu n g hat
schon konstatiert, daß sie regelmäßig in der Achtzahl auftreten, ich kann dieser Angabe
nur beipflichten, doch sind Schnitte, in denen 9 oder 10 Rippen zu zählen sind, nicht selten.
Da nun eine solch unregelmäßige Bauart höchst unwahrscheinlich ist, so ist wohl zu vermuten,
daß in diesen Fällen beim Schneiden eine Trennung einer oder mehrerer Rippen in
ihre Hälften erfolgt ist.
Nicht ganz so klar wie der Bau der Stiftwand ist mir die vom Stift umschlossene
Nervenendigung geworden, trotz der kolossalen Ausbreitung) die sie im Kopf der Cristastifte
erfahren hat. Der A c h s e n s t fa n g (Fig. 24, 25 und Textfig. 12 Ax) tritt durch die
proximale Öffnung unverändert in das Stiftlumen, wird hier schnell sehr fein und verläuft
in der Längsachse bis zum Stiftköpf, um in diesen überzugehen. D e r te rm in a le K n o p f ,
welcher bei den Acridiern so ausgezeichnet klar zu erkennen war, fü l l t h ie r d ie g a n ze
K o p fp a r t ie a ls e in a n s c h e in e n d h om o g e n e s , s o lid e s G e b ild e aus (Fig. 25* KI).
E in e a x ia le D u r c h b o h ru n g , die A d e lu n g häufig gesehen habe'n will, i s t n iem a ls
auch nur andeutungsweise v o rh an d en . Selbst die kleine helle Kopfspitze, die sehr oft,
besonders an den Cristastiften, zu beobachten ist, ist Wahrscheinlich durch Schrumpfung des
Inhaltes entstanden. Bei vielen Cristapräparaten habe ich den Eindruck gewonnen, als ob
der Kopfinhalt, der, wie gesagt, meistens vollkommen homogen erscheint, aus einer dichteren
zentralen, kugligen Masse an die der Achsenfaden tritt und aus einer weicheren Wandpartie
bestände. Die Kugel, welche dann speziell dem Endknöpfchen entsprechen würde,
schickt nach allen Richtungen stachelige Fäden in die Wandschicht und sieht so wie ein
Distelköpfchen aus. Nun fällt die Entscheidung wohl schwer, ob eine dieser Erscheinungen
der Wirklichkeit entspricht, oder ob die homogenen Stiftköpfe als Produkte der Osmium-
säure oder der Formoleinwirkung, die differenzierten als Gerinnungsbildungen anzusehen
sind. Ich würde die letzt besprochenen Bilder gar nicht mitgeteilt haben, da ich sie von
vornherein für Artefakte hielt, wenn ich nicht zufällig gefunden hätte, daß d e r K o p f -
a b s c h n i t t in d en su b g e n u a le n S t i f t e n f r i s e h g e s e h lü p f t e r L a r v e n g a n z d ie s
e lb e K o n s t ru k t io n z e ig t w ie d ie Ä c r id i e r s t i f t e , in d em a n ih r em d i s t a l e n
Zoologlca. Heft 60. 1 5