
Pötamogale — von Limnogale stand mir nur ein erwachsenes Exemplar zur Verfügung —
die besagten Foramina von normaler Größe sind und dasjenige im Occipitale süperius ganz-;
lieh fehlt; die fraglichen Eigentümlichkeiten kommen somit erst während der postembryonalen
Entwicklung durch Aufsaugung von Knochensubstanz zu Stande. Entsprechende Beobachtungen
habe ich bei Vergleichung junger und alter Schädel von P in n ip e d ia ; (Foramen im
Basioccipitale) gemacht.
Ich gebe zuerst einige Maße von durchsägten C e n t e te s - Schädeln verschiedenen
Alters:
Von der Mitte der dorsalen Höhe der Hirnhöhle:
Peripherie des Foramen Größte Länge dorsal von dem dorsal von der Sutur
magnum zur Spitze des der Hirnhöhle hintern R ande des zwischen Basi- und
Intermaxillare' Basioccipitale Praesphenoideum
a. E m b r y o .......................... 27 15 — —
b. Junges Tier mit Milchgebiß 35 16 10 9 mm
c. do. do.................................. 57 2.3 12,5 11,5. „
d. do. do.................................. 68 26". 12,5 11 >>
; , ;e;. Tier mit Ersätzgebiß .... . 72 ' 26 ' 12,5 12
f. do. „ „ . . 77 ' - .26 ' 12j5 12 „
Zunächst geht aus dieser Tabelle hervor, daß, sobald die Gesamtlänge des Schädels
68 mm erreicht hat, das Wachstum des Hirnteils, resp. des Gehirns aufhört und ausschließlich
der Gesichtsteil sich vergrößert. Dies Resultat ist aber nicht identisch mit Majors Auffassung2,
daß Centetes ein Tier „with a brain atrophied befor quite adult“ sein sollte.
Die obigen Zahlen widerlegen ferner Majors Behauptung3, daß bei Centetes die
Hirnteile resp. das Gehirn eine Reduktion während des Schädelwachstums erleiden sollte;
und zwar sollte die Hirnhöhle nach Major infolge der Ausbildung der Sinuse in den
Schädelknochen nicht nur relativ, sondern auch absolut kleiner bei älteren als bei jüngeren
Tieren sein. Nun ist zunächst zu bemerken, daß die beiden von mir gemessenen Schädel
e und f älteren Individuen mit gut entwickelter Crista sagittalis angehören. Was die
diploetischen Lufthöhlen in der Wandung der Hirnhöhle bei Centetes betrifft, so treten
diese schon bei ganz jungen Tieren auf und zwar im Basioccipitale, Basi- und Praesphenoideum,
an der Grenze zwischen Frontale und Parietale, sowie im dorsalen Teile des
Suprapccipitale und zwar an der letzten Stelle im Zusammenhänge mit der Ausbildung der
Crista occipitalis. Bei älteren Tieren (c) wird die ganze dorsale Wand (dorsaler Teil des.
Frontale und Parietale) ebenfalls diploetisch, geht dann bei noch älteren (d—f) gleichzeitig
mit Entwicklung der Crista sagittalis teilweise in Substantia compacta über, was bei den
drei größten Schädeln auch mit den Höhlen in der Basis cranii der Fall ist, so daß bei
diesen die diploetischen Höhlen sehr beschränkt sind. Wie aber aus den Maßtabellen (vergleiche
besonders die Höhenmaße) erhellt, geht mit der Ausbildung der diploetischen Luft;
höhle keineswegs R e d u z i e r u n g der Hirnhöhle Hand in Hand.
Der Schädel des S o le n o d o n weicht in seiner allgemeinen Konfiguration’ hauptsächlich
dadurch von dem der Centetidae ab, daß eine leichte interorbitale Abschnürung
1 Bei Centetes gibt dieses Maß vom Occipitale superius zur Intermaxillarspitze eine e x ak tere Vorstellung von der
Gesamtlänge des Schädels als das der Basilarlänge.
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vorkommt, und daß die stark verschmälerte Schnauze schärfer abgesetzt erscheint, so dai
der Schädel mehr an das Verhalten bei Myogale erinnert; doch ist auch bei Potamogale ein
solche Abschnürung vorhanden.
Auch abgesehen von dem Vorhandensein eines Jochbogens unterscheidet sich der D e
Habitus des C h ry so ch lo r is -S ch äd e ls recht wesentlich nicht nur von dem der Centetidae
und Solenodontidae, sondern auch von dem aller anderen Insectivoren. Er hat die Form
eines Kegels erhalten, dessen Basis von dem Supraoceipitale gebildet wird. Diese eigentümliche
Gestaltung drückt sich auch in der Lage des Foramen magnum und der Richtung der
Schädelbasisachse (nach Huxleys Terminologie) aus, wie ich schon früher1 nachgewiesen
habe. Vergleichen wir nämlich diese Verhältnisse mit denjenigen bei den Centetidae, z. B.
bei Microgale, so finden wir, daß der Winkel, welchen die Schädelbasisachse (Textfig.LVIII,
LIXab ) mit der Gesichtsachse (fe) bildet, bei Chrysoehloris viel kleiner ist als bei Microgale,
Schädel
n C h r y s o -
c h l o r i s .
Sagittalschnitte durch den Schädel: Tex tfig. LVIII M i c r o g a l e d o b s o n i , L IX C h r y s o c h
L X N o t o r y c t e s t y p h i o p s . */, nat. Gr.
l o r i s h o - t t e n t o t a
oder mit anderen Worten: die Schädelbasisachse steigt' -steiler empor bei Chrysoehloris.
Außerdem sieht die Ebene des Hinterhauptloches (cd) bei Chrysoehloris mehr nach unten
als bei den Centetidae. Hieraus folgt, daß der Winkel, welcher von der gesamten Schädelbasis
und der Vorderfläche der Wirbelsäule gebildet wird, bei Chrysoehloris viel kleiner ist
als bei den Centetidae. Auch die vollkommen verschiedene Lage der Ansatzleiste für das
Tentorium cerebelli (t) bei Chrysoehloris und bei Microgale ist aus den Figuren ersichtlich.
Daß diese abweichende Schädelkonfiguration bei Chrysoehloris durch die Verwendung
des Schädels beim Graben hervorgerufen ist, leidet keinen Zweifel.2 Entsprechende
Lebensweise.hat auch bei anderen Tieren einen entsprechenden Effekt gehabt; so, wenn
' . rV o s ; pag. 584.
1 W ie der schwedische Forschungsreisende Victorin (60) beobachtet hat, benutzt Chrysoehloris beim Graben den
Ko pf als Stütze.
Zoologica. Heft 49.