
falls es sich nämlich nachweisen ließe, daß das Vorkommen einer Kloake bei den Insecti-
voren wirklich ein primitiver, von niederen Wirbeltieren übernommener Charakter und keine
sekundäre Anpassungserscheinung ist. Ein solcher Nachweis kann aber z. Z. nicht geführt
werden. Kaudern hat bei m ä n n lic h e n Centetidae und Chrysochloridae an Schnitten und
durch Dissektion nachweisen können, daß ein für Rectum und Sinus urogenitalis gemeinsamer
Sphincter-Muskel nicht vorkommt. Zu demselben Resultate ist Ärnbäck in Bezug auf die
Soricidae gelangt.
Bezüglich des Verhaltens beim W e ib c h e n habe ich folgende Beobachtungen gemacht.
T ex tfig. CH. Trächtiges Weibchen von O r y z o r i c t e s t e t r a d a c t y l u s
b mit offener Kloake. s/i nat. Gr.
a mit geschlossener,
T ex tfig. Cm. Kloake des weiblichen C e n t e t e s e c a u d a t u s . a Mündungsstelle der Analdrüsen,
b Brustzitzen. */i nat. Gr.
Beim Weibchen von Microgale dobsoni und (einem trächtigen solchen) von Oryzorictes
tetradactylus (Textfig. CII) ist die Tiefe der Kloake etwa 3 mm. Die Schleimhaut
der Vagina ist von derjenigen des Anus nur durch eine der gewöhnlichen Längsfalten,
welche etwas stärker ist, abgesetzt.
Etwas weniger ausgebildet ist die Kloake beim weiblichen C e n te te s (Textfig. CIII):
die Scheidung des Vaginal- und Analteils erfolgt durch eine jederseits lateralwärts stark
vorspringende Falte. Die Gruben für die Öffnungen der Analdrüsen liegen vollkommen
außerhalb der Kloake; bei den untersuchten Oryzorictinae fehlen diese Gruben. Bei Chry-
so ö h lo r is ist die Vaginalmündung ebenfalls durch zwei starke seitliche Falten vom Anus
getrennt.
Über die M u s k u la tu r der weiblichen Kloakenregion bemerke ich folgendes.
Bei O r y z o r ic t e s wird das Rectum in seiner ganzen Länge von einem zusammenhängenden
Sphincter bekleidet; nur in dem Kloakenteile gehen die Muskelfasern nicht bis
zur Ventralfläche, sondern endigen in den oben genannten Längsfalten, d. h. dort, wo das
Rectum sich von der Vagina absetzt (Textfig. CIV). Etwas weiter nach vorne aber noch
hinter dem Becken gehen die oberflächlichen Muskelfasern des Sphincter auf die Vagina
zur Clitoris herab, während die tieferen nur das Rectum umschließen. Mit Ausnahme des
hinteren Teiles befestigt sich der Muskel dorsalwärts an der ventralen Mittellinie des
Schwanzes (Textfig. CV). Die vordersten an der Clitoris-Basis inserierenden Fasern, welche
CIV
Textfig. CIV. Schematisierter Querschnitt durch die Tex tfig. CV. Schematisierte Darstellung der Musku-
Kloake des weiblichen O r y z o r i c t e s t e t r a d a c t y l u s latur der Vagina und des Rectum beim weiblichen
um die trennende Falte und die Anordnung der Musku- O r y z o r i c t e s t e t r a d a c t y l u s B Becken. CI Clilatur
zu zeigen. R Rectum. S Sphincter. V Vagina. toris. S Schwanz. Etwa */, nat. Gr.
im übrigen mit den hinterliegenden Zusammenhängen, entspringen vom Innenrande des
Ramus ascendens ischii und Ram. dorsalis pubis; diese Fasern entsprechen also dem L e v
a to r e l i to r id i s e t v a g in a e .
Beim weiblichen C e n te te s unterscheidet sich die fragliche Muskulatur von derjenigen
bei Oryzorictes in folgenden Punkten: 1) Levator elitoridis et vaginae ist in seiner
ganzen Ausdehnung von der übrigen Muskulatur getrennt, also deutlich differenziert; 2) die
übrige Muskelmasse befestigt sich nicht in der ventralen Mittellinie des Schwanzes, sondern
an dessen Lateralfläche; 3) die vorderen, zur Vagina gehenden Muskelfasern sind deutlicher
von der Rectummuskulatur abgesetzt. Bei Centetes hat sich also das fragliche Muskelgebiet
höher differenziert als bei Oryzorictes.
Ein W e ib c h e n von C h r y s o c h lo r is h o t t e n t o t a weist folgende Befunde auf
(Textfig.' CVI): -
M u s c u lu s c lo a c a e a n t e r io r et p o s te r io r , dap (cfr. Leche 83 pag. 63) (= L e vatores
vaginae et elitoridis Dobson 82 pag. 125): zwei eng verbundene Müskeln, von
denen der eine den anderen überlagert, entspringen, vom hinteren Schambeinwinkel lateralwärts
vom Muse, reetus abdominis und verlaufen zur Medioventrallinie, wo sie sich unter
Bildung einer Sehne, welche die Ventralfläche der Kloake bekleidet, mit denen der entgegengesetzten
Seite verbinden.1
1 Eine von mir früher (83 pag. 63) ausgesprochene Vermutung, daß diese Muskeln einem umgebildeten M. pyramidalis
entsprechen könnten, ist, wie schon Dobson bemerkt, jedenfalls irrig.