
teile zeigt, daß diese Unterschiede sich wohl am besten als Geschlechtsunterschiede erklären lassen,
wonach der zuerst beschriebene Schädel als $, der zuletzt beschriebene als o* zu bezeichnen wäre.
Was die Benennung anbelangt, so scheint mir, daß diese Schädel zu C. mengesi Noack in
Beziehung stehen, mit dem auch der Balg gut übereinstimmt. Wegen der geringeren Basilarlänge
aber, und weil bei dem vorliegenden Schädel die Nasalia bedeutend kürzer sind als der Oberkiefer,
während sie nach N o a c k s Angaben etwas länger sein sollen, habe ich geglaubt, eine besondere
Form des C. mengesi annehmen zu sollen, und schlage vor, sie nach dem verdienten Direktor des
Stuttgarter Naturalienkabinetts als C. mengesi lamperti zu bezeichnen.
Ich muß ja nun allerdings zugeben, daß die erwähnten Unterschiede schließlich eine Folge
von Gefangenschaft sein können, wovon die sonst gesunden und intakten Schädel Spuren an den
Zähnen und den Kieferrändern zeigen.*) Dies könnte nur eine genaue Vergleichung ergeben, welche
mit der höchst ungenügenden Beschreibung N o a c k s und den willkürlich herausgegriffenen Maßzahlen,
bei denen z. B. jegliche Zahnmaße fehlen, immöglich zu machen ist.
2. Beschreibung des Balges.
Der Balg No. 2394 des kgl. Naturalienkabinetts zu Stuttgart. Das Tier ist sehr klein, kleiner
als die anderen Grauschakale. Die Grundfarbe ist ein fuchsartiges Rot, das auf den Seiten und am
Bauch etwas heller ist. Der Rücken ist in der Mittellinie schwarz und weiß gescheckt, welche
Färbung zwischen den Schultern einen kräftigeren dunklen Fleck bildet. Die sehr langen Ohren
sind ebenso wie die Extremitäten rostrot gefärbt. Diese haben keine schwarze Marke. Der lehmgelbe
Schwanz trägt am äußersten Ende eine dunkelbraune Spitze. Die Stirn ist hellaschgrau, stark braun
in der Mitte. Die Kinnspitze ist bräunlich gefärbt. Die Nägel sind auffällig stark gebogen, sie
büden fast einen Halbkreis, was auf ein längeres Leben in der Gefangenschaft deutet.*)
Dieses Exemplar des Stuttgarter Naturalienkabinettes ist der Typus von C. mengesi lamperti.
Das Verbreitungsgebiet: Somaliland.
3. Diagnose.
Am Schädel fällt zunächst der grosse Hirnteil und der kleine, kurze Gesichtsteil in die Augen,
und die geringe Entwicklung der Stirnhöhlen. Das Stirnfeld ist fast ganz eben. Der höchste Punkt des
Schädels liegt in der Mitte der Parietalia. Die Naseneinsattelung ist sehr stark, der untere Augenrand
nach außen gebogen, worin er, wie überhaupt der ganze Schädel, etwas fuchsähnliches hat. Die
Basilarlänge beträgt 117—123 mm, die größte Gaumenbreite 35—40 mm. Die Länge des oberen
Reißzahnes 13x/2— 14, des unteren 16—17 mm.
Der Balg hat eine fuchsartige Grundfarbe mit einem weiß und schwarz gescheckten Rücken
und dunklen Fleck zwischen den Schultern. Die Ohren sind sehr groß. Die Vorderbeine haben keine
schwarze Marke.
*) Anm. Nachträglich erfahre ich , daß diese Tiere von Menges aus dem So.maliland importiert wurden und im
Nill’schen Tiergarten gelebt haben.
1. A b g ren zu n g der Untergattung Thos Oken und Bemerkungen über
die Systema tik der Caniden.
Aus den vorstehenden Ausführungen geht deutlich hervor, daß die eben behandelten Wildhunde
eine nach Balg und Schädelbau eng zusammengehörige Gruppe bilden, .der nach Troues sar t
der Name Thos Oken zukommt. Es wird sich nun darum handeln, diese Untergattung gegen die
jenigen, welche dasselbe oder angrenzende Gebiete bewohnen, abzugrenzen, damit endlich einmal
festgestellt wird, was unter Schakalen eigentlich zu verstehen sei. Wie sich die Schakale von den
Füchsen unterscheiden, ist schon bei der Untersuchung nach der Stellung von C. thooides genügend
gezeigt worden. Nun gehen die Grauschakale bis ungefähr zum 5° nach Süden, während vom 15°
ab andere hier noch nicht erwähnte Wildhunde: C. mesomelas, C. adustus, C. lateralis, C. kaffensis etc.
auftreten. Bezüglich des G. adustus hat S c h ä f f schon zur Genüge gezeigt, daß wir es hier mit
einem Wildhund zu tun haben, der nicht zu den Schakalen gehört. Nur hat S c h ä f f darin geirrt,
daß er ihn zu den Füchsen gestellt hat. Vielmehr gehört für ihn eine eigene Untergattung, der ich den
Namen Schäffia gegeben habe. Da ich den ausgezeichneten Untersuchungen Schäf f s nichts mehr
hinzuzufügen habe, will ich hier nur eine kurze Charakteristik dieser Gattung geben. Der Schädel
ist langgestreckt, flach, die Profillinie hinter der queren Naseneinsattelung stark und plötzlich auf-
getrieben, dahinter fast eine gerade Linie bis zur Parieto-Frontal-Naht büdend, die Crista sagittalis
nach hinten nicht vorspringend (Fuchsausbildung vgl. p. 25/26), Eckzähne lang, schlank, fuchsähnlich,
der Reißzahn klein, S c h ä f f s Maße würden für sich allein für Zugehörigkeit zum Fuchs sprechen.
Am Jochbogen ist der Postorbitalfortsatz schwach ausgebildet. Während alle diese Merkmale
fuchsähnlich sind, spricht das Vorhandensein von Stirnhöhlen ebenso wie die Farbe des Balges gegen
die Stellung zu den Füchsen. Diese ist nämlich grau. Aber der Schwanz ist wieder lang, fuchsähnlich,
je nach der Art mit oder ohne weiße Spitze. Ebenso ist die Ausbildung und das Vorhandensein des
Seitenstreifs unregelmäßig, sogar nach der Jahreszeit verschieden (vgl. N e u m a n n (32), D e W i n t o n (8).
Zu dieser Untergattung Schäffia gehören C. adustus Sundevall als Typus, C. lateralis Sclater, der
wohl vom vorigen verschieden ist, und C. kaffensis Neumann, nicht jedoch C. holubi Lorenz. Wenn
man L o r e n z ’ Abbildung des Schädels von C. holubi gesehen hat, begreife ich nicht, wie man
dieses Tier als identisch mit C. lateralis ansehen kann, wenn er auch im Balge ihm noch so ähnlich
ist. Nach der Abbildung zu urteilen, scheint C. holubi vielleicht zu den echten Schakalen zu gehören,
doch möchte ich mir hierüber kein Urteil erlauben. Jedoch scheinen C. holubi Lorenz und
C. wunderlich! Noack nach einer mündlichen Mitteilung Prof. 0 . Neumanns identisch zu sein.
Ähnlich wie C. adustus und Verwandte verhält sich der C. mesomelas Schreber, nur daß dieser
schon viel schakalähnlicher ist. Schon äußerlich erinnert nur noch der lange Schwanz an den Fuchs,
sonst ist der Balg so eigenartig gefärbt mit seiner scharf abgesetzten Schabracke, daß er sich mit keinem
anderen Caniden vergleichen läßt. Auch der Schädel zeigt auffallende Entwicklung mit manchen
selbständigen Punkten. Zwar ist die Ausbildung der Protuberantia occipitalis, des unteren Augenrandes,
und das Fehlen des Postorbitalfortsatzes des Jochbogens fuchsähnlich, ebenso die Eckzähne
und die Prämolaren mit Ausnahme des Reißzahnes. P? und p4 haben nur den Haupthöcker.
Aber in dem Verhalten des oberen Reißzahnes und der beiden oberen Höckerzähne geht der
Schädel von C. mesomelas noch über die Schakale hinaus und bekommt bisweilen Wolfscharakter.
Absolute Zahlen, um die Verhältnisse des oberen Reißzahnes und der oberen Backenzähne
von C. mesomelas zu zeigen: