
Senegal 2 verschiedene Wildhundc gibt. Leider hat A n d e r s o n es unterlassen, über das W eibchen
von 1826 irgend etwas zu sagen, oder gar eine Beschreibung zu geben.
Es scheint mir nun nach Größe und Maßverhältnissen das zweite von C u v i e r beschriebene
Exemplar, das <3* von Senegal, viel besser mit dem $ von 1826 als mit dem von 1820 übereinzustimmen.
Daraus geht hervor, daß Cuvier mit demselben Namen 2 verschiedene Wildhunde bezeichnet
hat, von denen aber nur dem zuerst beschriebenen kleineren Wildhund der Name C. anthus zukommt;
der zweite größere muß den Namen Canis (T h o u s) senegalensis H. Smi t h erhalten.
Übrigens hat A n d e r s o n (2) sehr mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß C. anthus
Cuv. ein kleines Tier sein muß. The introduction of V. corsac as a basis öf comparison, and the Statement
that his C. anthus was much larger than it suggests, that he was dealing with an animal of not
any great size. Dies paßt nur auf das $ von 1820, während das $ von 1826 und das <3* von C u v i e r
doch immerhin Wildhunde von beträchtlicher Größe sind.
Dieser Irrtum C u v i e r’s scheint dann mit für die Verwirrung in der Systematik nordafrikanischer
Caniden verhängnisvoll gewesen zu sein, indem er Wa g n e r (44) veranlaßte, eine große
Variabilität der nordafrikanischen Caniden anzunehmen. Er zog die Grenzen dieser Variabilität
so weit, daß so ziemlich alle nordafrikanischen Schakale darin Platz fanden. Nur bei dem C. varie-
gatus läßt er die Möglichkeit zu, daß er vielleicht eine eigene Spezies bilden könne. Diese Ansicht
scheint dann in der Folge die herrschende geworden zu sein.
Unter den vielen von Cr et z s chmar (6) beschriebenen Wildhunden interessieren uns nur der
C. anthus und der C. variegatus, deren Originalbeschreibung ich hier folgen lasse:
d. 1. Canis anthus Cretzschmar
(Chacal du Senegal).
Wolfshund.
Diagnose: Canis capite crassiore; auriculis erectis, curtis, gutture et collo infrasordide albido;
corpore supra ex fulvo, albido, nigro et ochraceo vario, infra albido"; cauda bessi parte, apicem versus,
nigra; pedibus ex fulvo ochraceis.
Länge von der Schnauze bis zur Schwanzspitze 3 Fuß 4 Zoll ¡¡gl Linie (1047 mm)
Schwanzlänge 1 4 6 (327 mm)
Kopflänge — „ 7 „ 2 „ (187 mm)
Breite desselben an den Wangen genommen >, 4 „ — „ (105 mm)
Höhe der Ohren — „ 2 „ 3 ,, (58 mm)
Breite derselben — » 1 „ 6 „ (39 mm)
Distanz derselben am inneren Rand » 2 „ 4 „ (60 mm)
Schulterhöhe 1 >, 3 „ (392 mm)
Kreuzhöhe 1 „ 4 „ — ,, (419 mm)
„Die Borstenhaare, welche den Rücken, die Seiten und den Nacken desWolfshundes bedecken,
sind rauh, steif und kaum einen Zoll lang. Alle sind an .der Wurzel schmutzig weiß, viele derselben
endigen mit weißlichen Spitzen, andere mit schwarzen, und noch andere mit ockerfarbigen; mehrere
haben bräunliche Ringe vor der Spitze. Durch diese verschiedenartige Färbung der Borstenhaare
erhält das Farbenkleid ein schwarz, — weiß, — gelblich und rötlich gemischtes Aussehen. Die Woll-
haare sind sehr dicht geschichtet und rotbraun, auf dem Rücken dunkler, an den Seiten heller.
Der Kopf des Wolfshundes ist verhältnismäßig dicker als der anderer Hundearten. Er ist
wohl lang, aber von der Augengegend bis zur Nase nicht so fuchsartig und spitz zulaufend. Dadurch,
daß die Stirn sehr flach ist und so wie der Scheitel breit, die Ohren auch kurz zu diesem Verhältnis
sind, gewinnt eben der ganze Kopf ein dickeres Aussehen, als bei anderen Tieren dieser Gattung.
Die ziemlich breite Nase, die Lippenränder und die Barthaare sind schwarz, die Lippen, untere
Wangengegend, Unterkiefer, Kehle und Vorderhals schmutzig wveiß. Der Nasenrücken bräunlich.
Die obere Wangengegend, Stirn, Schädel und Hinterhaupt mit weißen, bräunlichen, schwarzen
kurzen und dichtaufliegenden Haaren, gleichmäßig gemischt. Die Ohren kurz und gleichsam spitz
zugeschnitten, aufrecht stehend, an der vorderen Seite mit weißlichen Büscheln, an der hinteren mit
gleichen, aber feineren Haaren, wie der Kopf dicht bedeckt. Ein schwarzer Ring um den Hals, wo
dieser an die Brust grenzt. Der Schwanz am ersten Dritteil von der Wurzel an, oben mit einem
rotbraunen Fleck und schwarzen Längsstreifen. Die 2 letzten Dritteile desselben ringsum glänzend
schwarz ohne sehr buschig zu sein. Die vorderen und hinteren Extremitäten ockerfarbig mit rotbraunem
Überzug, an den äußeren Seiten stärker gefärbt, als an den inneren; die stumpfen Nägel
und die nackten Sohlen schwarz; die Iris braun.
Das Weibchen, welches zur Seite des Männchens erlegt wurde, hat ein viel rötlicheres Kleid:
das ockerfarbige und rotbraune ist überall an demselben vorherrschend.“
R ü p p e 1 hat die 3 Exemplare des Frankfurter Museums am Bahar Asrak (weißer Nil) erlegt;
doch soll dieser Wildhund nach seinen Erkundigungen auch noch, allerdings selten, in Nubien und
Ägypten Vorkommen.
Die Abbildung auf Taf. 17 stimmt sehr gut mit dem Weibchen überein, das ich in Frankfurt
sehen konnte. Sie zeigt einen ziemlich matt, durchaus nicht lebhaft gefärbten, schlanken Hund.
Die Grundfarbe des Pelzes ist gelbgrau, worin sich nicht sehr viele nach hinten an Zahl zunehmende
schwarze Haarspitzen zeigen. Die Beinaußenseite ist von der Grundfarbe kaum abgesetzt, wenn
auch etwas mehr gelblich. Das Halsband ist sehr deutlich und scharf markiert. Der Kopf ist lang
und fuchsähnlich. So macht auch das Original einen vollständig fuchsähnlichen Eindruck. Ich
war daher sehr erstaunt, als ich, nachdem ich die Frankfurter Exemplare gesehen hatte, bei Cret z schmar
fortwährend die Betonung der Wolfsähnlichkeit dieses Hundes fand. Vergl. auch p. 27 u. 30.
Übrigens will ich noch betonen, daß Cr e t z s chmar selbst große Bedenken hatte, diesen
Wildhund mit C u v i e r’s C. anthus T. I. XVII livr. zu identifizieren. Er hat dies dann auch ausschließlich
auf T e m m i n c k’s Autorität hin getan, hebt aber ausdrücklich als wichtige Unterschiede
die kleineren Ohren und die bedeutend größere Ausdehnung des Schwarz am Schwänze ( 2/3
von der Spitze an schwarz) hervor.
Als für uns bedeutungsvoll füge ich noch hinzu, daß der Schwanz den Boden nicht berührt,
aber bis über die Hacken hinabreicht.
Bezüglich dieses C. anthus habe ich schon früher (17) kurz darauf hingewiesen, daß dieser Wildhund
gar kein echter Schakal ist und deshalb auch nicht mit C. anthus Cuv. identisch sein kann.
Sondern er ist ein neuer Wildhund, dem ich den Namen C. thooides gegeben habe.
Im Verlaufe dieser Arbeit hoffe ich meine Behauptung ausführlich begründen zu können.
e. 2. Canis variegatus Cretzschmar.
Diagnose: Canis corpore ochraco pilis villosis perlongis ad apicem nigerrimis variegato; auriculis
erectis, unicoloribus ochraceis; cauda breviori; unguibus crassis, obtusis.