
Wir glauben wenigstens, daß man bei der Schwierigkeit der Untersuchung an diesem Material
auf die zweimalige sehr gute Übereinstimmung in der letzten Zeile mehr Wert legen muß, als auf die
anscheinende Schwächung bei den Versuchen mit höherem Spermagehalt.
Im allgemeinen scheinen sonach die bisher ausgeführten Versuche dafür zu sprechen, daß eine
Mischung von Geschlechtsprodukten im Experiment keinen Einfluß auf die Aktivität der Katalase hat.
IV. Reaktionskinetische Untersuchungen.
Nach den früheren Arbeiten über Katalase, speziell den sehr ausführlichen Untersuchungen
Senters über die Blutkatalase, war die Auflassung allgemein üblich geworden, daß die H20 2 Zersetzung
durch dieses Ferment durch das Schema einer Reaktion I. Ordnung dargestellt werden könne,
d. h. daß die Geschwindigkeit der Reaktion dem Massenwirkungsgesetz folgend, in jedem Augenblick
der Konzentration des reagierenden Stofles proportional sei. Wenn diese Anschauung richtig ist,
so müssen die mit ihrer Hilfe nach der S. 417 gegebenen Gleichung berechneten K-Werte
während allen Phasen gleich sein. Tatsächlich hatte nun auch Senter beim Blut in den meisten
Fällen eine solche Konstanz der K-Werte festgestellt und ähnliche Ergebnisse waren auch bei
Katalasen anderer Herkunft erzielt worden. Die verschiedentlich beobachteten, nicht sehr erheblichen
Abweichungen von dieser Gesetzmäßigkeit schienen unter der Annahme verschiedener Nebenreaktionen
erklärbar zu sein. Wegen dieses einfachen Reaktionsverlaufes, der sonst bei Fermenten nicht die
Regel ist, gewann die Katalase erhebliches theoretisches Interesse und wurde gern mit den sog.
anorganischen Fermenten, speziell der H20 2 katalyse durch Platin in Parallele gesetzt.
Unsere Organextrakte ergaben nun mit großer Regelmäßigkeit eine Abweichung von dem
Schema der Reaktion erster Ordnung. Die K-Werte zeigten nämlich fast stets einen mehr
oder weniger starken absteigenden Gang. Er ist bereits aus den Tab. 2—10 deutlich zu erkennen,
zum bessern Vergleich finden sich in Tab. 11 eine größere Anzahl von Versuchen, die mit Katalasen
verschiedenster Herkunft unter gleichen Bedingungen, bei 0 0 und einer H20 2 Konzentration von
¿o—ssön im Reaktionsgemisch angestellt wurden. Bei allen tritt dieser absteigende Gang deutlich
zutage, auch beim Blutferment. Die einzige Ausnahme bildet der Extrakt aus keimender Gerste,
welcher, ähnlich wie der aus Bierhefe, meist eine ziemlich gute Konstanz der Katalasewerte ergab.
Die Stärke des Ganges ist bei den Fermentlösungen verschiedener Herkunft verschieden. Am beträchtlichsten
ist er im Durchschnitt bei den Raupen, den Pilzen und Triton cristatus. Wie später
noch genauer auszuführen sein wird, kann die Größe des Ganges bei der gleichen Fermentlösung
schwanken, gelegentlich machten wir auch Versuche, bei denen die Katalasewerte eine konstante
Höhe behielten, aber in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle sank die Reaktionsgeschwindigkeit
erheblich.
R e i n i g u n g de r F e r m e n t l ö s u n g e n .
Als Ursache für diese auffallende Abweichung konnten in erster Linie Verunreinigungen der
Lösung in Betracht kommen. Alle durch einfache Extraktion der Gewebe hergestellten Lösungen
enthalten naturgemäß eine große Menge von organischen Beimengungen, welche auf das Verhalten
der kolloidal zu denkenden Fermentlösung von größtem Einfluß sein könnten. Es wurden deshalb
Versuche zur Herstellung reinerer Lösungen gemacht. Einmal durch Fällung der Extrakte mit
Tabelle 11. Verlauf der Reaktion verschiedener unveränderter Fermentlösungen bei H202 Conc