
Ausbildung der Gonaden oder die Länge und Faltung der Mundlappen, die Zahl der Tentakeln,
das frühere oder spätere Auftreten der Ocellen trotz gleicher Größe. Bin Exemplar kann im Wachstum
dem anderen vorauseilen und manche jugendliche Züge beibehalten. Ganz allgemein läßt sich jedoch
angeben, daß jüngere Tiere verhältnismäßig größeren Scheitelaufsatz, einfacher gefaltete und besser
abgesetzte Gonaden und Mundlappen und weniger entwickelten Tentakelbesatz auf weisen werden.
Unwesentlich verändert werden bei weiterer Entwicklung anscheinend die Form des Schirms ohne
den Aufsatz, die Gestalt der Mundlappen und Tentakeln, abgesehen von der mehr oder weniger ausgebildeten,
den Schirmrand umfassenden Kralle der letzteren, endlich noch die Art der Gonadenfaltung
und die Anordnung der Tentakeln.
Die Verbreitung von Tiara püeata Forskal erstreckt sich also vom nördlichen Eismeer bis
Feuerland im Atlantischen Ozean, ferner durch den Pacifischen Ozean und Indischen Ozean, soweit
diese auf Medusen erforscht sind und die sonst beschriebenen Arten von Tiara sind mit Ausschluß
der früher zur Gattung Pandaea gerechneten Tiara conica einzuziehen. Es fallen demnach als
Synonyme die folgenden Namen fort:
Tiara reticvlata Haeckel,
„ rotunda Quoy und Gaimard1),
,, octona Agassiz,
„ conifera Haeckel,
,, oceanica Agassiz und Mayer,
„ superba Mayer,
„ intermedia Browne.
„ papua Quoy und Gaimard.
10. Stomotoca atra Agassiz. (Taf. II, Abb. 12—16.)
Durch nächtlichen Fang wurden am 13., 14. und 15. Mai 1884 bei Callao 8 Exemplare von
Stomotoca erbeutet. Aus benachbartem Gebiet, dem Golf von Panama, beschrieb Ma a s seine
Stomotoca divisa und vom Golf von Tehuantepec sowie von den Galopagosinseln erwähnt B i g e 1 o w
dieselbe Art. Es ist kein Zweifel, daß die Exemplare des „ V e t t o r P i s a n i “ mit den vom
„ A l b a t r o s “ 1891 und 1904 gesammelten Tieren gleichartig sind. Die mir vorliegenden Stücke
sind völlig erwachsen, scheinen jedoch durch die Behandlung mit Chrömosmiumsäure und Alkohol
stark geschrumpft zu sein, da sich nach Messungen an zwei Exemplaren die folgenden Maße ergeben:
Ganze Länge 18 mm bezw. 15 mm
Schirmhöhe 8 „ 7 „
Schirmbreite 17 „ 15 „
Höhe des Magens mit Gonaden 6 „ 5 „
Breite des Magens mit Gonaden 10 „ „ 9 »
Mundlappen 4 „ „ 3 „
i) M a a s su ch te neuerdings (Bulletin de l ’In stitu t océanographique N. 183, 10. November 1910) T ia ra rotunda
Q. e t G., als gute A r t zu charakterisieren. D ie gerundete Form, die Dicke der Gallerte, das Fehlen des Aufsatzes können
aber auf Quellung oder abnormer Ausbildung beruhen, das Vorkommen in größerer Tiefe is t n ich t sichergestellt und die
sonstige Beschreibung h eb t ke ine wesentliche Merkmale hervor. T ia ra p rism a tica Maas von der P lanktonexpedition kann
ich nach der Abbildung des Tentakels überhaupt n ich t zur Gattung T ia ra rechnen.
während Stomotoca atra Ag. 25 mm, Stomotoca pterophylla Haeckel 20—30 mm, Stomotoca divisa
nach Ma a s 20—30 mm und nach Bi g e 1 o w 8—25 mm Schirmbreite hatten. Der fadenartige
Zipfel der Umbrella und die Ringfurche, welche Stomotoca divisa zukommen sollen, fehlen allen meinen
Exemplaren.
.Nachdem B i g e 1 o w gezeigt hat, daß die 3 Merkmale, auf welche Ma a s seine neue Art
stützte, nicht konstant sind, weder der apikale Zipfel, noch die Ringfurche ebenso wie die bulböse
Anschwellung der Tentakel am Schirmrand, so kann St. divisa höchstens als Farbenvarietät anerkannt
werden. Im übrigen stimmt sie mit St. pterophylla überein. Diese aber ist keineswegs so verschieden
von St. atra wie H a e c k e l es darstellt. Er gibt als Merkmale an:
Stomotoca atra: Schirm ebenso breit als hoch, Gonaden einfach gefiedert. Magen mit Gonaden
ungefähr doppelt so hoch als breit, kaum aus der Schirmhöhle hervorragend, Mundlappen klein,
ungefähr ebenso breit wie der Magen.
Stomotoca pterophylla: Gonaden doppelt gefiedert, Magen mit Gonaden doppelt so breit als
hoch, gänzlich aus der Schirmhöhle hervorragend, Mundlappen jederseits den Magen überragend.
Die einzige Annahme, daß die von Ag a s s i z beobachteten Exemplare noch jung waren,
also noch nicht völlig entwickelte Gonaden hatten, welcher die erhebliche Größe derselben — 25 mm
Schirmbreite bei den lebenden Tieren — nicht widerspricht, erklärt die vermeintlichen Unterschiede
von selbst. Selbstverständlich ist die Gestalt der Gonaden bei jüngeren und älteren Tieren verschieden
und die einfache bzw. doppelte Fiederung der Genitalblätter kann nicht als Artunterschied anerkannt
werden. Auch muß sich bei weiterer Entwicklung der Geschlechtsprodukte das Verhältnis von Höhe
und Breite des Magens ändern, da jene sich hauptsächlich in die Breite ausdehnen. Ferner ist es
keineswegs selten bei Medusen, daß jüngere Stadien sich durch höheren Schirm und kürzere Mundlappen
auszeichnen. Denken wir uns nun noch diese Verkürzung des Schirms bei älteren Tieren unterstützt
durch den Zug des immer schwerer herabhängenden Magens, bis fast die ganze Subumbrella
als Magenstiel fungiert und z. T. noch aus der Subumbrellärhöhle heraustritt, so bleibt kein einziges
von den St. atra und St. pterophylla trennenden Merkmalen übrig und die Zweifel an der Verschiedenheit
beider Arten erscheinen berechtigt.
Auch B i g e 1 o w, der die Originalexemplare von Ag a s s i z untersucht hat, fand als Unterschied
zwischen diesen und seiner St. divisa nur, daß bei jenen eine geringere Zahl von rudimentären
Tentakeln vorhanden war, 40 bei St. atra gegen 120 im Maximum bei St. divisa. Indessen gibt Ma a s
an, daß bei seinen Exemplaren etwa 20—30 Rudimentärtentakeln zwischen den beiden Tentakeln
auftreten, also 40—60 im ganzen, so daß hierin die Originalexemplare der Stomotoca divisa Maas
besser mit denen von St. atra als mit denen von Stomotoca divisa Bigelow übereinstimmen. Eine
Erklärung dafür gibt die Annahme, daß Bi g e l ows Exemplare die ältesten sind und daß sich mit
dem Alter die Rudimentärtentakeln vermehren. Bei St. pterophylla beobachtete H a e c k e l
120—160 Randhöcker, A. G. M a y e r 60—80.
Es bleibt nur noch der Farbenunterschied zwischen der dunklen St. atra und der hell gefärbten
St. divisa bestehen. Aber selbst wenn sich keine Übergänge zwischen diesen extremen Farbenschattierungen
finden sollten, so dürfte dieses Merkmal, obwohl die Farbe meist einen guten Fingerzeig gibt,
doch nicht ohne weitere Unterstützung zur Trennung der sich so nahe stehenden Formen in zwei
Arten genügen.
In schematischen Figuren hat Ma a s die Anlage der Gonaden ganz gut dargestellt und im
Text auf die komplizierte Faltung der Magenwandung hingewiesen, auch hervorgehoben, daß es sich