
Kanal, der durch die Bindegewebshülle des Ovariums fest mit diesem verbunden und auch beinahe
ganz von ihm umwachsen wird. Das die Oocyten liefernde Ende des Keimlagers wird von einer nicht
sehr dünnen Bindegewebsschicht umgeben, und diese ist es, deren Lücken die den Kanal verlassenden
Spermatozoen benutzen, um jene jüngsten Oocyten zu besamen.
Auf die in den Ovarien befindlichen Keimzellen wird später näher einzugehen sein. Hier soll nur
darauf hingewiesen werden, daß die Eier der größeren Art, Sacc. major, zahlreicher und kleiner sind
als die der kleineren Art, Sacc. papillocercus. Dementsprechend bieten die Ovarien der beiden Spezies
ein etwas verschiedenes Aussehen, obgleich sie im Prinzip völlig gleich aufgebaut sind, und sich die
Keimzellen in ihnen ganz gleich verhalten.
Bei Sacc. major verteilen sich die unreifen Oocyten so in dem Ovarium, daß die kleineren von
ihnen an den Rand desselben zu liegen kommen, während die größten, unmittelbar vor den Reifungs-
teilungen stehenden mehr in das Innere der Keimdrüse rücken, so daß sie ganz von jenen eingehüllt
werden. Eig. 21 a u. b. Taf. XXYII zeigt diese Verhältnisse in deutlicher Weise.
B. Die Gesclileclitsausfülirgänge.
Die Ovidukte.
Die Ausführgänge für die in der Leibeshöhle flottierenden reifen und befruchteten Eier stimmen
bei beiden Arten völlig miteinander überein. Sie beginnen in der Darmkammer des Cöloms mit einem
nicht sehr großen Wimpertrichter, durchsetzen sofort das betreffende Dissepiment und wenden sich
gleich hinter diesem, scharf nach außen und abwärts umbiegend, in die obere Ecke der Cölomseiten-
kammer, von wo aus sie dann geradlinig bis zum Anfang des letzten Drittels des Segmentes zwischen
der Ring- und Längsmuskulatur des Hautmuskelschlauches nach hinten verlaufen, um endlich nochmals,
und zwar scharf rechtwinklig, umzubiegen und, immer zwischen den beiden Muskellagen
verstreichend, in der Mitte des Längsmuskelquerschnittes die äußere Haut zu durchbrechen und dort
ins Ereie zu münden. Hinter dieser Mündung der Ovidukte ragen dann erst die kleinen Parapodien
mit, ihren Borsten aus dem Umrisse der Leibeswand hervor, ein Verhalten, das sich wohl nicht dem
bei Parapodien führenden A n n e l i d e n allgemein üblichen ohne weiteres anschließt.
Die trichterförmigen inneren Mündungen der Ovidukte sind nur in der Gegend direkt am Eingang
in den Kanal mit beweglichen Wimpern versehen. Die durch die Struktur ihrer Zellen deutlich
von dem umliegenden Bindegewebe zu unterscheidenden Wände der Trichter erstrecken sich noch
ein Stück weiter nach vom, indem sie sich mehr und mehr voneinander entfernen (Eig. 3, Taf. XXV).
Der hinter dem Trichter liegende Kanal eines solchen Oviduktes wird auf jedem seiner Querschnitte
von mehreren Zellen umgeben, verläuft also intercellulär. Zunächst setzen sich die dunkleren,
ein dicht und fein granuliertes Plasma enthaltenden Zellen, die auch die Trichterwände bilden, ein
Stück weit hinter dem Dissepiment fort, bis der Kanal die Ringfaserlage des Hautmuskelschlauches
erreicht hat (Fig. 4, Taf. XXV), dann gehen sie allmählich in die großen kubischen Zellen des horizontalen
Hauptteiles des Kanals über, die auf den Schnittserien durch ihr helles, mit wenigen gröberen
Granulationen versehenes Plasma und rundliche Kerne vor dem umliegenden Gewebe hervortreten.
Der horizontale Abschnitt liegt ganz eingebettet in Bindegewebe zwischen der Ringmuskulatur,
dem ventralen Längsmuskelfeld und den Transversalmuskeln. Die Wände des Kanals werden scheinbar
noch von einer besonderen bindegewebigen Hülle umgeben, denn man sieht auf ihnen flache langgestreckte
Kerne liegen, die zu den Zellen einer solchen Hülle gehören müssen (Fig. 5, Taf. XXV).
Go o d r i c h (1900) beschreibt die Wand eines derartigen, von ihm „Nephridium“ genannten
Oviduktes von Sacc. papillocercus nach dem Leben mit den Worten: „The wall of the nephridium
is formed of granulär, much vacuolated protoplasm; a few cilia are seen in the lumen.“ Trotz dieser
Bezeichnung des Organs als Nephridium gibt aber auch Go o d r i c h dessen Funktion als Ovidukt zu,
denn er weist ausdrücklich darauf hin, daß B o b r e t z ky bei reifen Individuen Eier in dem Kanal
gesehen hat: ,,In the female they (Mar ion et Bo br e t z k y ) described nephridia, as in the
male, which they believed to open to the exterior near the parapodium, and to function as oviducts
in the genital region, B o b r e t z k y haying seen the nephridial canal dilated whith eggs in ripe
specimens.“
Wir haben später auf die Exkretionsorgane von Saccocirrus noch näher einzugehen, doch sei
hier schon bemerkt, daß auf den Schnitten die Wandzelien der in Frage stehenden Oviduktkanäle
wenigstens bei den reifen Weibchen nicht den Eindruck machen, als seien sie in hervorragendem Maße
exkretorisch tätig. In dem ganzen Hauptteile dieses Organs, d. h. in dem horizontal verlaufenden
Stück des Kanals sind die Wände zwar am stärksten gegenüber den anderen Partien des Ausführ-
ganges, doch erscheinen die oben beschriebenen kubischen Zellen sehr hell und durchsichtig (Fig. 5),
jedenfalls nicht so erfüllt von Exkretionsprodukten, wie man es sonst bei den Wandzellen der Anne-
lidennephridien zu sehen gewohnt ist. Auf jeden Fall scheint nach jener Beobachtung von
B o b r e t z k y die Funktion als Ausführungsgang der reifen Eier sicher zu stehen.
Der letzte, abwärts führende Teil des Oviduktes besitzt nur dünne Wände, deren Zellen ein
so flaches Plattenepithel bilden, daß sie auf Längsschnitten durch diese Partie des Kanals, also auf
Querschnitten durch den Wurm, kaum anders als an ihren seltenen Kernen und an ihrem Wimperbesatz
erkannt werden können (Fig. 6, Taf. XXV). Vor allem der Teil der Kanalwand, der an die Ringmuskeln
stößt, ist kaum von diesen zu unterscheiden. Auf Querschnitten aber durch diesen Endkanal
treten die Wandzellen deutlicher hervor und ähneln denen des Anfangsteiles in der Nähe des
Trichters, nur daß sie eben viel flacher sind als jene. Irgend eine Erweiterung am Ende des Kanals,
etwa zu einer Blase, ist nicht vorhanden, sondern derselbe mündet durch eine einfache rundliche
Öffnung zugleich mit dem aus dem Receptaculum kommenden Gang nach außen.
Der Durchmesser des Lumens der einzelnen Abschnitte des Oviduktes stellt sich auf Schnitten
durch Würmer, die bereits befruchtete Eier in der Leibeshöhle enthalten, wie folgt:
Sacc. . Sacc.
major papillocercus
10 ^ 10 (i.
24—30 n 16—20 [a
10 ¡a 8 (a
70—80 p 90 [a
Abschnitt unmittelbar hinter der inneren Mündung .
Horizontaler Kanal ...................................................
Absteigender Endabschnitt ......... ...............................
Durchmesser der reifen E ie r......................................
Der Vollständigkeit halber sei hier noch ein Mus k e l b ün d e l erwähnt, das seinem Verlaufe
nach in engen Beziehungen zu dem Anfangsteil des Oviduktes steht. In der ersten Hälfte des horizon